Mehr Bauland statt Grün in Hamburg?

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Hamburg: Viele Lauben und Grundstücke auf dem ehemaligen Kleingartengelände mussten den Wohnungsbauplänen weichen Foto: Schreberrellen
 
Gartenfreund Dirk Sielmann Foto: wb
Hamburg: Alte Wöhr |

„Schreber-Rebellen“ kritisieren neue Satzung des Landesbunds der Gartenfreunde

Barmbek/Winterhude Der Frühling ist da. Und damit kehren auch die Hobby- und Kleingärtner auf ihre „Schollen“ zurück. Das „Leben“ in den naturnahen Zonen Hamburgs erwacht – könnte man meinen. Doch zwischen dem Landesbund der Gartenfreunde (LGH) und einigen Kleingartenvereinen herrscht nach wie vor „Eiszeit“. Grund: eine neue Muster-Satzung, die nicht nur das Verbot von Nadelbäumen und die Fällung bestehender Bäume regelt, sondern auch Platz für mehr Wohnungsbau durch Abriss gewachsener alter Anlagen ermöglicht.

Neubau Pergolenviertel

Derzeit entsteht östlich der City Nord das Pergolenviertel mit 1.400 Neubauwohnungen, 60 Prozent davon öffentlich gefördert (das Wochenblatt berichtete). Bei dem Areal handelte es sich vorher um ein ausgedehntes Kleingartengebiet mit 330 Parzellen. Das für die Planung zuständige Bezirksamt Hamburg-Nord hatte das Ziel, möglichst viele der Kleingartenparzellen am alten Standort beziehungsweise in unmittelbarer Nähe zu erhalten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in dem Areal drei große Flächen – die sogenannten „Obstkisten“ ausgespart. Innerhalb dieser „Obstkisten“ sollten 150 bis 160 neu geschnittene Parzellen Platz finden. Für 61 weitere Parzellen stellte das Bezirksamt auf der anderen Seite der Saarlandstraße einen Teil seiner Staudengärtnerei zur Verfügung (das Wochenblatt berichtete). Bei der finalen Abstimmung mit dem LGH und den Kleingartenvereinen ergab sich jetzt, dass in den „Obstkisten“ sogar 171 Parzellen Platz finden und eine Reihe von Bestandslauben bleiben können. Weitere Parzellen werden in anderen Stadtteilen zur Verfügung gestellt. Bezirksamtsleiter Harald Rösler begrüßt die einvernehmliche Neusortierung, bei der Parzellen auf durchschnittlich 300 Quadratmeter Größe vereinheitlicht werden: „Die Planung des Pergolenviertels mit den ,Obstkisten‘ sollte ausdrücklich auch wohnungsnahe Kleingärten ermöglichen. Ich bin froh über das Verhandlungsergebnis, weil es beweist, dass Wohnungsneubau und wohnungsnahe Kleingartenparzellen mit Geschick und gutem Willen auf allen Seiten durchaus unter einen Hut gebracht werden können.“

Kritik von den „Schreber-Rebellen“

Ganz anders sieht das der Verein „Schreber-Rebellen“. Die 311 Hamburger Kleingartenvereine mit ihren rund 43.000 Mitgliedern seien bei der Beschlussfassung der neuen Satzung durch die Mehrzahl der Delegierten übergangen worden – so sieht es jedenfalls die Vorsitzende Angelika Traversin, die auch Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bezirksversammlung Nord ist. Ihr Vorwurf: Außer einem Verbot von Nadelbäumen in Kleingärten (etwa 60.000 Gewächsen droht damit die Säge) regele das Papier, dass Vereine sich mit einer „Nachverdichtung“ einverstanden erklären sollten. Dieses Instrument werde benutzt, um die Fläche der Kleingärten immer weiter zu verringern und in Bauland zu verwandeln.

Landesbund der Gartenfreunde widerspricht

Der so kritisierte LGH weist diese Kritik jedoch zurück. Bei den „Schreber-Rebellen“ handele es sich um eine sehr kleine Gruppe, „die ein Fass aufmacht, wo keines ist“, sagt der Erste Vorsitzende des Landesbunds, Dirk Sielmann, der auch SPD-Mitglied ist. Die neue Satzung sei immerhin von 95 Prozent aller Vorsitzenden der Hamburger Kleingärten so gebilligt worden. Und wenn rund 1000 Quadratmeter große Kleingärten in drei Parzellen geteilt würden, müsse man das angesichts der Flächenkonkurrenz in der Stadt akzeptieren. Sielmann: „300 Quadratmeter – so groß sind heute fast manche Einfamilienhausgrundstücke.“ Wichtiger sei, dass es weiter Kleingärten mitten in der Stadt gebe – und sie nicht an den Rand verlegt werden. (to/wh)

Lesen Sie auch: Pergolenviertel: Neusortierung der Parzellen

Weitere Infos: SchreberRebellen e.V.; Landesbund der Gartenfreunde
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