Muslima machen sich fit

Anzeige
Sport machen sie ohne Kopftuch – für ein Foto posieren sie in Zivil: Die muslimischen Frauen haben viel Spaß im Kurs und mit ihrer Trainerin Sükran Gensey (vorne). Foto: Lublow
 
Kathi Doden (19) aus Barmbek kümmert sich während der Kurse um die Kinder, singt und spielt mit ihnen. Foto: Lublow

SC Urania bietet Sportkurse für muslimische Frauen

Von Sylvana Lublow
Barmbek. Über Integration wird in Deutschland viel gesprochen. Meistens darüber, dass sie in vielen Bereichen noch nicht funktioniert. Der Barmbeker Sportverein SC Urania startete im Mai ein Projekt, das zur Integration muslimischer Frauen beiträgt – auch wenn es auf den Blick nicht so scheint.
Jeden Montag und Mittwoch Vormittag bietet der Verein Sportkurse für Muslima an. Männer haben keinen Zutritt und auch der Einblick ist ihnen verwehrt.
Denn in diesen eineinhalb Stunden nehmen die muslimischen Frauen ihre Kopftücher und Schleier ab – ein Anblick, den viele von ihnen nur der Familie erlauben. Sükran Gensey, Studentin und Basketballtrainerin, trainiert die zwölf bis 15 Frauen aus Wandsbek, Barmbek und Dulsberg, die regelmäßig an den Kursen teilnehmen. Die 26-Jährige stammt aus der Türkei, trägt kein Kopftuch und spricht mit den Frauen Deutsch. „Das Sportangebot kommt besser an als ich gedacht hatte“, sagt sie. „Diese Gruppe wird bisher sehr vernachlässigt. Hier können sie sich in lockerer Atmosphäre wohl fühlen und Sport machen.“ Sükran Gensey beginnt den Kurs mit Dehn- und Aufwärmübungen. „Dann machen wir einen Teil Fitness für Bauch, Beine, Po und danach Ballspiele.“ Ein Mix aus Anstrengung, Spiel und Spaß. „Das gefällt den Frauen und dadurch kommen sie immer wieder“, sagt die Übungsleiterin. Der Erfolg des Projektes schien programmiert: Sylke Weise, Jugendwartin beim SC Urania erzählt, dass der Verein schon vor über einem Jahr häufig von türkischen Frauen gefragt wurde, ob es auch Angebote für sie gebe.
„Seitdem schwebte die Idee in meinem Kopf. Leider gab es keine freien Hallenzeiten für ein zusätzliches Angebot. Die sind in Hamburg rar“, sagt Sylke Weise. Anfang des Jahres erfuhr der Verein, dass die Turnhalle der ehemaligen Schule am Wittenkamp vormittags leer stehe. „Wir stellten beim Bezirk Anträge auf Hallenzeiten und sie wurden uns genehmigt.
Gleichzeitig suchte der Hamburger Sportbund Vereine, die sich für das Projekt Sport für Muslima interessieren“, erzählt die Jugendwartin. Der SC Urania nahm an der Ausschreibung teil und wird seitdem vom HSB unterstützt – finanziell, mit Werbung und der Vermittlung der Übungsleiterin Sükran Gensey. Auch das Stadtteilbüro Dulsberg konnte als Kooperationspartner gewonnen werden. „Sie helfen mit, das Projekt bekannt zu machen“, so Weise.
Am 15. Mai fand der erste Sportkurs für muslimische Frauen statt. Und gleich am ersten Tag gab es einen kleinen Zwischenfall, erzählt Weise: „Der Hausmeister pustete Laub direkt vor den Fenstern der Turnhalle. Das haben wir dann schnell geregelt.“ Die Fensterfront ist mit Bäumen und Büschen zugewachsen und bietet somit beste Voraussetzungen für das Projekt. Im Winter sollen Vorhänge angebracht werden.
Die 19-jährige Kathi Doden betreut während der Sportkurse die Kinder der muslimischen Teilnehmerinnen, die aus der Türkei, Afghanistan oder Palästina stammen. „Mit Kopftuch und Kindern ist es schwer in Hamburg Sportangebote zu finden“, sagt die aus der Türkei stammende Kurs-Teilnehmerin Naderah.
Die 32-jährige zweifache Mutter aus Wandsbek hat zuvor nie Sport gemacht – weil es einfach nicht möglich war für sie. FitnessCenter nur für Frauen sind rar, oder teuer. „Der Kurs hier macht sehr viel Spaß. Die Trainerin ist super und die Kinderbetreuung auch“, sagt sie.
Für Frauen aus allen
Kulturkreisen offen
Aber ist es für die Integration förderlich, wenn sich muslimische Frauen abschotten und unter sich Sport treiben? „Auf jeden Fall“, sagt Sylke Weise. Denn der Kurs soll künftig offen sein für Frauen aus allen Kulturkreisen.
„Es ist schwierig, muslimische Frauen in eine Gruppe mit Deutschen zu integrieren. Andersherum ist es einfacher“, sagt Sükran Gensey. „Wir wollen die Frauen hier nicht abgrenzen. Jede Frau kann teilnehmen. Darüber würden wir uns freuen.“ Auch Naderah ist sich sicher: „Wenn es diesen Kurs nicht gäbe, würden viele von uns nie raus gehen und Sport machen.“
Die Sportkurse finden auch während der Sommerferien statt, jeden Montag und Mittwoch von 10 bis 11.30 Uhr. Die Teilnehmerinnen zahlen einen monatlichen Vereinsbeitrag von sechs Euro. „Wenn die Anfrage steigt, wollen wir auch einen Abendkurs anbieten“, sagt Sylke Weise. (sl)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige