Nachruf auf Paul Wolf

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Paul Wolf inmitten seines 50-er-Jahre-Paradieses – so kannten ihn viele Bramfelder und auch Besucher über die Stadtteilgrenzen hinaus. Foto: Sobersko

Mit Herzblut und Hingabe konservierte er Geschicht

Bramfeld. Er hatte sein Leben in den Dienst der Bewahrung der goldenen Fünfziger gestellt. Im Grenzgebiet zwischen Bramfeld und Barmbek, im kleinen aber feinen Zebra-Einkaufszentrum in der Bramfelder Chaussee Nummer 1, da lag, beziehungsweise liegt noch immer, das zauberhafte Reich der Fünfziger Jahre, einst ins Leben gerufen von Paul Wolf. Der 1943 in Schlesien geborene, leidenschaftliche Sammler von 50er Jahre Interieur, hatte sich hier einen Traum erfüllt. Er hatte Geschichte konserviert, Lebenswelten festgehalten, die für manche noch Erinnerungen an Ihre eigene Jugend bedeuten, für andere ein Wiedersehen mit den liebgewonnenen Dingen aus Omas oder Opas Wohnzimmer und Küche. Mit Herzblut und Hingabe führte der ehemalige Kaufmann und Fallschirmjäger sein kleines Reich. Beide Ausbildungen mögen ihm dabei ein günstiges Händchen gegeben haben: Der Kaufmann musste auch in Zeiten knapper Kasse mit dem bisschen Geld klar kommen und der Fallschirmjäger bewies immer wieder Mut. Dass man nach vorne schauen muss, erfuhr Paul Wolf schon als kleiner Junge. 1944 fiel sein Vater im Krieg und die Mutter besteigt allein mit vier Kindern den letzten Zug, der seinen Geburtsort Breßlau verläßt. Zum Bruder ging es, der hatte einen Bauernhof im Umland von Mainz. In der Nähe waren amerikanische Fallschirmjäger stationiert, die er immer wieder beobachtete. Das wollte er auch machen, beschloss er. Durfte er auch, allerdings nicht ohne vorher eine Lehre als Einzelhandelskaufmann zu machen, darauf bestand seine Mutter und im April 1961 begann er seine Ausbildung zum Fallschirmjäger. Zwölf Jahre blieb er Soldat, bis zum Dienstgrad des Oberfeldwebels. Danach ging er zum Ordnungsamt und arbeitete sich bis zum Oberinspektor hoch. Ein Unfall beendete 1993 seine bis dato so erfolgreiche Karriere und man schickte ihn ein Jahr später, mit 56 Jahren, in den Vorruhestand. Danach ist er in Billstedt seßhaft geworden, und durch eine Freundschaft mit dem Center-Manager des Zebra EKZ wurde es ihm möglich gemacht, seine wunderbaren Exponate der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Anfang diesen Jahres musste er von seinem Reich lassen – er verstarb plötzlich und unerwartet. (ts)
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