Nachts, als „Puschi“ starb

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Die Labradorhündin Puschi starb an einer Phosphatvergiftung. Wahrscheinlich fraß sie einen Giftköder Foto: wb

Die Labradorhündin wurde vergiftet – und zu spät behandelt

Barmbek Hundehasser treiben in Barmbek ihr Unwesen. Immer häufiger gibt es Meldungen über Funde von Giftködern im Stadtteil. Mal gespickt mit Nägeln oder Rasierklingen, mal vergiftet mit Rattengift oder anderen toxischen Substanzen.
Das Tückische an diesen Giftködern: häufig bemerkt man die Wirkung erst, wenn es zu spät ist. Bekommt man dann nicht schnell tierärztliche Hilfe, ist der Hund meist nicht zu retten. Eine Horrorvorstellung für jeden Hundehalter.
Ähnlich erging es Familie Schulz. Ihr Labrador Puschi (7) wurde Opfer einer solchen Futterfalle. Die Odyssee, die die Hundebesitzerin nach der Vergiftung erlebte, machte alles nur noch schlimmer.
Claudia Gottschalk-Schulz (48) hatte den Hund von ihrer Tochter Sasha Christin Schulz (25) in Pflege. „Ich war mit dem Hund am Abend die letzte Runde spazieren. Als wir nach Hause kamen, haben wir noch ganz normal gespielt, das Tier war gut drauf, es war alles wie immer. Gegen zwei Uhr nachts bin ich dann wach geworden, weil Puschi total unruhig wurde", erinnert sie sich. "Puschi begann im Wohnzimmer im Kreis zu laufen und brach plötzlich zuckend und schreiend auf dem Boden zusammen.“

Beim tierärztlichen Notdienst erreichte Gottschalk-Schulz nur die Band-Ansage. Die Fahrt in die Notfallpraxis nach Blankenese wurde zur Odyssee. Die 48-Jährige musste über eine Stunde mit dem mittlerweile bewusstlosen Hund auf dem Arm auf den Transport warten.

„Puschi war total unruhig. Sie begann im Wohnzimmer im Kreis zu laufen und
brach plötzlich zuckend und schreiend auf dem Boden zusammen.“ Claudia Gottschalk-Schulz


Zwei Taxifahrer lehnten eine Fahrt mit dem kranken Tier einfach ab. Der Hund war zwischenzeitlich bewusstlos geworden. Mittlerweile war auch die Polizei eingetroffen, die von Nachbarn gerufen wurde. Die verständigte die Tierrettung vom Hamburger Tierschutzverein. „Als die Tierrettung eintraf, saß ich bereits eine Stunde auf der Straße. Puschi regte sich schon gar nicht mehr.“ Dann dauerte die Fahrt bis in die Notfallpraxis in Blankenese 45 Minuten. Nach einigen Untersuchungen für insgesamt 850 Euro überwies man das Tier in eine Norderstedter Notfallklinik. „Dort angekommen machte man uns nur noch wenig Hoffnung. Zu viel Zeit war verstrichen“, sagt die Barmbekerin. Phosphatvergiftung lautete die Diagnose in Norderstedt. „Puschi“ starb noch in derselben Nacht.
Noch heute fragt sich Claudia Gottschalk-Schulz, warum sie in dieser Notlage so im Stich gelassen wurde, wie sie sagt. Das Taxiunternehmen sagt dazu: „Beide Fahrer wurden von uns zum Disziplinarausschuss vorgeladen und haben sich zu den Vorwürfen eingelassen. Der Fahrer der ersten Taxe hat die Mitnahme verweigert, weil der Hund nicht im Fußraum untergebracht werden konnte und ein Transport von Tieren – Hunden – auf Sitzplätzen untersagt ist. Der Fahrer der zweiten Taxe versicherte sehr glaubwürdig, dass Frau Gottschalk-Schulz ihn mit dem Hinweis auf die bestellte Tierrettung mitteilte, dass er nicht mehr benötigt würde“, erklärt André Hacker von der Taxi Hamburg GmbH.

Notruf erst Stunden nach der Vergiftung


Claudia Stück, Pressesprecherin des Hamburger Tierschutzvereins, stellt die Geschehnisse so dar: „Unseres Wissens nach hat die Halterin des erkrankten Hundes damaligen Abends bereits seit 19 Uhr vergeblich versucht, den Hund zu einer tierärztlichen Versorgung zu bringen. Der Notruf von der Polizei ging beim Hamburger Tierschutzverein nach 4 Uhr ein. Dazwischen lagen etwa neun Stunden, in denen der Hund nicht ärztlich versorgt war. Laut unseren Recherchen ist vom Ort aus, zu dem unsere Tierrettung gerufen wurde, der Unterschied zur Tierklinik Norderstedt marginal.“
Die Hamburger Tierschutzvereine raten angesichts solcher Gift-Attacken Hundehaltern, ihre Tiere nicht aus den Augen zu lassen und darauf zu achten, was die Hunde im Freien zu sich nehmen. (ce)
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3 Kommentare
6
Claudia Gottschalk aus Barmbek | 08.01.2015 | 13:06  
6
Claudia Gottschalk aus Barmbek | 08.01.2015 | 17:31  
Hamburger Wochenblatt aus Billstedt | 09.01.2015 | 11:46  
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