Nikos lernt in Barmbek

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Nikos Vandoros (28) hat vier Wochen lang in die Barmbeker Stadtteilkulturarbeit hineingeschnuppert und nimmt vielfältige Erfahrungen mit nach Griechenland Foto: Busse

Welche Erfahrungen ein griechischer Student im Kulturpunkt sammelt

Barmbek Das herbstliche Wetter ist sonniger und wärmer als erwartet, das griechische Essen in Deutschland dafür umso ungenießbarer. Das sind zwei der Dinge, die Nikos Vandoros spontan einfallen, wenn er zu seinem Eindrücken befragt wird. Der 28-jährige Student, der sonst in der griechischen Hafenstadt Piräus zur Uni geht und kurz vor seinem Abschluss zum Kulturmanager steht, ist für acht Wochen in Deutschland. Als einer von insgesamt 30 jungen Stipendiaten nimmt er an einem neuen Fortbildungsprogramm der Robert Bosch Stiftung in Kooperation mit dem Goethe-Institut Thessaloniki und der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren e.V. teil: Das Programm „stART“ bietet griechischen Hochschulabsolventen die Möglichkeit, sich mit Jugendkulturprojekten für einen Berufseinstieg ins internationale Kulturmanagement zu qualifizieren. Das Ziel: Eigene Initiativen für Jugendliche entwickeln zu können, die die wirtschaftliche Situation Griechenlands perspektivenlos gemacht hat.
Nach einem gemeinsamen Programmstart in Berlin ist Nikos in Hamburg angekommen. Er lebt in einer Familie in Altona, im Stadtteilzentrum Barmbek Basch erhält er Einblicke in die Arbeit des Kulturpunkts, einem Verein, der kulturelles Leben für und mit den Menschen im Stadtteil gestaltet. „Ich lerne etwas über Organisation, Fundraising und Netzwerken dazu“, berichtet Nikos auf Englisch.
Ganz neu ist für ihn die Arbeit mit Kindern: In den Herbstferien hat er gemeinsam mit Henrietta Langholz vom Kulturpunkt an einem einwöchigen Video-Workshop gearbeitet. Zusammen mit zehn Grundschulkindern ist an der Adolph-Schönfelder-Schule ein Kurz-Trickfilm entstanden sowie eine Cinema Box aus Karton, in der zwei bis drei Personen Platz finden und selbstproduzierte Film ansehen können.
„Die Zusammenarbeit mit Nikos hat auch uns bereichert“, sagt Sabine Engelhardt, stellvertretende Geschäftsführerin des Kulturpunkts. „Es tut gut, auch mal raus aus dem Stadtteil und international über den Tellerrand zu gucken.“

Krise in der Heimat


Auch Nikos Vandoros nimmt mehr mit als rein berufliche Eindrücke. Mit seinen fast 30 Jahren ist die Reise nach Deutschland erst sein zweiter Auslandsaufenthalt. So standen neben der Arbeit in der Barmbeker Stadtteilkultur auch eine Stadtrundfahrt und Museumsbesuche auf dem Programm. Wenn am Mittwoch, 11. November, um 17 Uhr im Barmbek Basch, Wohldorfer Straße 30, die Cinema Box samt Trickfilm und weitere Produktionen des Medienprojekts Stadtteilwelten öffentlich vorgestellt werden, ist der Student allerdings nicht mehr dabei. Dann ist er bereits zurück in Piräus, wo er mit seinen Eltern lebt. „Auch fast alle, die schon eine eigne Wohnung hatten, leben heute wieder mit ihrer Familie. Anders kann man es sich finanziell gar nicht mehr leisten“, erklärt er. Nikos, der auch schon ein Architekturstudium abgeschlossen hat, hofft, noch in diesem Jahr ein Promotionsstudium beginnen zu können. Nicht zuletzt deshalb, weil ihm zurzeit die Jobperspektive im krisengeschüttelten Griechenland auch trotz internationaler Weiterbildung keine große Wahl lässt. (cb)
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