Pottkieker nur bis Ende 2014 gesichert

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Gute Laune gibt‘s gratis (v.l.): Sylvia Pyritz, Faesa Thooki, Carmen Krüger und Galyna Bobko vom 15-köpfigen Pottkieker-Team Fotos: Busse
 
Die Dulsbergerin Ruth Epperlein ist Stammgast im Pottkieker

Stadtteilküche Dulsberg versorgt täglich bis zu 140 Menschen. Spendenaktion hilft vorübergehend

Hamburg. Es ist Donnerstagsmittags, kurz vor halb zwölf. An der Essensausgabe stehen schon ein paar Leute Schlange. „Ich mach jetzt die Schotten auf“, kündigt Susanne Feld an. Die Küchenleiterin reicht das erste Essen über den Tresen. Auf dem Speiseplan steht heute gebratenes Fischfilet mit Blattspinat und Püree, dazu ein Dessert, alles zusammen für 3,80 Euro. Mit Kundenkarte, die es für Arbeitslosengeld- und Sozialhilfeempfänger, Rentner und Studenten gibt, kostet das Essen 2,80. Der kleine Salat, Kaffee und Kuchen gibt es für je 50 Cent. Das große Stück Torte für einen Euro. Doch als Sozialeinrichtung ist die Stadtteilküche am Alten Teichweg nicht anerkannt. „Dann wäre der Erhalt gesichert“, sagt Carmen Krüger, die den Pottkieker seit sieben Jahren leitet. Stattdessen begleite das Bangen um die weitere Finanzierung den Alltag.

Bis zu 140 Portionen

„Da habt ihr kein Salz dran gemacht. Das merkt man“, meint Ruth Epperlein, die als eine der ersten Platz genommen hat. Auf ihrem Stammplatz, natürlich, gleich links neben der Essensausgabe. Von da aus hat sie den Überblick, kann sie mit jedem, der sein Mittagessen entgegennimmt, ein paar Worte wechseln. Während sie zum Salzstreuer greift, fliegen zwischen ihr und den Mitarbeiterinnen in der Küche die Sätze durch die Durchreiche hin und her. Man kennt sich, man scherzt miteinander. Das ist der 78-Jährigen mindestens genau so wichtig wie das Essen. Das schmecke genauso gut wie damals, als sie noch selbstgekocht habe, erzählt sie. Richtige Hausmannskost eben. „Ich freue mich schon morgens auf das Mittagessen“, sagt die alleinlebende Rentnerin.
Auch Carmen Krüger, weiß, dass viele Gäste sich hier wie zuhause fühlen. Ein Großteil sind Stammkunden, viele Senioren sind darunter, aber die Altersgruppen und Biografien sind bunt gemischt. „Wir bieten die Möglichkeit, raus zu kommen, unter Menschen zu sein, den Tag zu strukturieren. Hier trifft man bekannte Gesichter, manche haben sich auch angefreundet und unternehmen etwas zusammen“, berichtet Krüger. Man achte aufeinander. Wenn jemand fehle, rufe man auch schon mal an und frage nach, ob alles in Ordnung sei. Der Tisch von Frau Epperlein ist heute spärlich besetzt, die alte Dame sitzt alleine da, während es an der Essensausgabe weiter lebhaft zugeht. Bis 14 Uhr sind manche der 55 Plätze bis zu drei Mal besetzt. 120 bis 140 Essen werden am Tag ausgegeben. Aber beim Pottkieker weiß man: „Da am Tisch fehlt jemand, der ist in der Reha und kommt nächste Woche wieder.“

Ungewisse Zukunft

In den vergangenen sieben Jahren hat der Pottkieker als Projekt des Vereins Mook Wat bereits drei Mal vor der Schließung gestanden, das letzte Mal erst Ende vergangenen Jahres. Alle 15 Mitarbeiterinnen hatten schon ihre Kündigung erhalten, als es dank eines Spendenaufrufes im Hamburger Abendblatt doch weitergehen konnte. Inzwischen wurde ein eigener Förderverein gegründet, der über die Arbeit der Stadtteilküche wacht, während Mook wat jetzt Dienstleister für den Pottkieker ist. „Ich bin froh, dass wir erst mal wieder arbeiten. Aber man kann nicht auf Spenden bauen“, betont Krüger. Denn wie es für den Pottkieker weiterginge, sei nun in erster Linie eine Frage der Arbeitsmarktpolitik. Ende 2014 würden die Stellen, die für Langzeitarbeitslose ausgeschrieben sind, auslaufen. Was dann komme, wisse man nicht. „Wir brauchen hier Kontinuität“, sagt Krüger. „Wir sprechen hier Leute an, die wenig Geld in der Tasche haben.“ Vereinsamung und Altersarmut sind ihre Stichworte. Der Bedarf werde weiter wachsen, ist sie sich sicher. Dass eine wie beim Pottkieker über 17 Jahre gewachsene Struktur, die gut funktioniere und die Besucher weit über das Mittagessen hinaus beachte, zum Beispiel bei Bedarf in Beratungsangebote vermittele, „superwichtig“ sei, erlebt Krüger jeden Tag. Ruth Epperlein, die sich noch ein Stück Kuchen für den Nachmittagskaffee einpacken lässt, bestätigt das. Als im Winter hoch Schnee gelegen habe, habe man ihr das Mittagessen sogar nach Hause gebracht. Für heute hat sie sich erst einmal genug gestärkt, in jeder Hinsicht. „Es war wieder sehr lecker heute.“ (cb)
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