Rente muss steigen

Anzeige
Podiumsdiskussion um die Rente Fotos: fbt

Podiumsdiskussion zur Altersarmut fordert mehr Menschenwürde

Von Frank Berno Timm
Barmbek. Im Kern waren die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion im „Basch“ zum Thema Rente einig: Wenn sich das Rentensystem in Deutschland wieder stabilisieren soll, muss es mehr Beitragszahler geben. Und der Vergleich mit Österreich zeigte deutlich, dass private Vorsorge ein Irrweg sein könnte.

Klaus Wicher, Hamburger SoVD-Landesvorsitzender, sprach von beeindruckender Geschwindigkeit, in der sich Altersarmut ausbreitet. Schon heute müssten 25.000 Hamburger Rentner Grundsicherung (also Hartz IV) beantragen. Der große Niedriglohnsektor sei ein ganz entscheidendes Problem. Er fordert, dass die Leute soviel verdienen müssten, dass es zum Leben reicht. Das Rentenniveau müsse wieder auf 53 Prozent steigen; es müssten mehr Ausgleichsmechanismen für beitragsfreie Zeiten geben.
Frauen sind laut Wicher überdurchschnittlich von Altersarmut betroffen – sie schulterten sowohl Pflege als auch Kinderbetreuung. Abschläge bei der Erwerbsminderungsrente seien sozial ungerecht. Auch die Regelungen, welches Vermögen bei Hartz IV zunächst aufgebraucht werden muss, sollten geändert werden.
René Schindler, der für eine österreichische Gewerkschaft arbeitet, übte sehr deutliche Kritik am deutschen Rentensystem. In Deutschland müssten außerdem wieder mehr Menschen in einen Tarifvertrag kommen und Leiharbeit besser bezahlt werden (in Österreich gibt es einen Zuschlag). Auch das Geld für private Vorsorge (Stichwort Riester-Rente) müsse erst verdient werden: „Jeder Weg zu mehr Spekulationsrente ist ein Irrweg!“. Österreich hat es Schindler zufolge leichter, weil die Beamtenpensionen mit langen Fristen auf das Rentenniveau abgeschmolzen werden und jeder in die Rentenversicherung einzahlt.
Die Debatte, an der außerdem Matthias Bartke (MdB/SPD), Matthias W. Birkwald (MdB/Linke), Wolfgang Strengmann-Kuhn (MdB/Grüne) teilnahmen, zeigte in Nuancen und Begriffen Unterschiede, im Kern aber in einigen Punkten Einigkeit: So oder so muss ein Mindestbetrag an Rente sicher sein – ob er nun Mindestrente oder Solidarrente heißt. Eine geringfügige Erhöhung der Körperschaftssteuer könnte das notwendige Geld bringen, so eine Meinung. Nächster Konsens war der Umstand, dass der „Mindestlohn nur ein Einstieg“ sein kann. SoVD-Chef Wicher forderte, dass Drei-Säulen-Modell aus Rente, Riester und Ausgleichszeiten zu verlassen, man solle „die Würde des Menschen in den Mittelpunkt stellen.“
Vertreter anderer Parteien waren übrigens bei der Runde nicht anwesend, auch jüngere Teilnehmer waren in der gut besuchten Veranstaltung eher die Ausnahme.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige