Richtfest in der Dieselstraße

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Das Projekt hat das gegenseitige Vertrauen gestärkt: Ursula Wiggers (links) und Barbara Dohrn mit dem Vorstandsvorsitzenden der HBH Daniel Kirsch. Foto: Burmeister
 
Der erste Neubau der HBH in der Dieselstraße war bereits im Dezember 2011 bezugsfertig. Das Haus daneben (hinter der Plane) soll im kommenden Sommer an seine Bewohner übergeben werden. Foto: bb

Neubauprojekt zum Wohle des Stadtteils

Barmbek-Nord. Mit Richtkranz, Zimmermannsspruch und vorschriftsmäßig zerberstenden Schnapsgläsern wurde in der Dieselstraße 52 am Donnerstag vergangener Woche ein zünftiges Richtfest gefeiert. In einer wachsenden Stadt, die sich selbst verpflichtet hat, jährlich 6000 neue Wohnungen zu genehmigen, kein allzu seltenes Ereignis. Für die Hanseatische Baugenossenschaft Hamburg (HBH) jedoch ein wichtiges Etappenziel in einem Neubauvorhaben, das in Hamburg bisher seinesgleichen sucht.
Die Geschichte beginnt 2007 mit der Entscheidung der HBH, die in die Jahre gekommenen Nachkriegsbauten in der Dieselstraße durch moderne Neubauten zu ersetzen. „Ich habe nächtelang geweint!“ erinnert sich die heute 83-jährige Ursula Wiggers, die der Genossenschaft seit über 60 Jahren angehört. Die Rentnerin ist im benachbarten Schlicksweg aufgewachsen. Ihren Eltern gehörte die „Habichtsquelle“, in der auch die Gründungsväter der HBH gern ihre Sitzungen abhielten, weil es in der
Gaststätte schon früh ein Telefon gab. Außerdem wussten
sie vermutlich das hausgemachte Sauerfleisch zu schätzen, das die junge Ursula ihnen an den großen Tisch brachte. Ein Umzug wäre
für sie einer Entwurzelung gleichgekommen. „Wir waren ja der Meinung, unsere Wohnung sei die schönste die es gibt und wir wollten auf gar keinen Fall hier weg!“, sagt sie. Auch für ihre Nachbarin Barbara Dohrn war die Nachricht von dem geplanten Neubauvorhaben zunächst ein Schock.
Wie Ursula Wiggers zählt auch sie zu den ersten Bewohnern, die nach dem Krieg in der Dieselstraße ein neues – modernes – Zuhause gefunden hatten. In ihrer Verzweiflung wandten sich die Nachbarn an den Mieterverein. „Es war für uns eine große
Herausforderung, unsere Pläne zu verwirklichen und die betroffenen Mieter auf diesem Weg mitzunehmen“, berichtet
Daniel Kirsch, Vorstandsvorsitzender der HBH. In zahlreichen Gesprächen gelang es der Baugenossenschaft, ein Beteiligungsverfahren zu entwickeln, mit dem am Ende alle zufrieden waren.
Für die Bestandsmieter wurde eine über mehrere Jahre gestaffelte Anpassung des alten Mietpreises auf die neue Nettokaltmiete von 8,90 pro Quadratmeter vereinbart. Außerdem übernahm die HBH alle mit dem Umzug verbundenen Kosten. Ein Teil der Bewohner wurde vorübergehend in anderen Beständen der Genossenschaft untergebracht. Wer will, kann nach der Fertigstellung der Häuser in die Dieselstraße zurückkehren. Abriss und Neubau wurden in drei Bauabschnitten geplant. Die neuen Wohnungen von Ursula Wiggers und Barbara Dohrn wurden im Ende 2011 mit dem ersten Bauabschnitt fertig. Bis zum Umzug ins neue Nachbarhaus konnten sie in ihrer alten Wohnung bleiben. „Das war alles mehr als vorbildlich und hat wunderbar geklappt!“, betont Barbara Dohrn. In ihrer neuen Wohnung fühlt sie sich pudelwohl. „Die neue Wohnung ist ja viel schöner!“, findet sie. Das Badezimmer wurde auf ihren Wunsch seniorengerecht eingerichtet, außerdem hat sie nun einen Balkon. Ein weiteres Plus ist der Fahrstuhl, der sie bequem in den zweiten Stock bringt. Auch Ursula Wiggers hat den Schrecken der ersten Stunde längst vergessen:
„Das war ja alles einmalig – die Genossenschaft war so etwas von kulant und der Herr Kirsch hatte immer ein offenes Ohr für uns!“ gerät sie regelrecht ins Schwärmen. Letztlich fühlt sie sich in dem Vertrauen bestärkt, das sie schon als 24-jährige in die Genossenschaft hatte. Michael Sachs, Staatsrat der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt, zeigte sich beeindruckt von dem Erfolg des Projektes: „Hier zeigt sich, dass ein intensiver Austausch mit allen Beteiligten hilft, attraktiven und gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum im Interesse aller zu gewährleisten. Bezirksamtsleiter Harald Rösler betonte die Bedeutung des Neubaus für die Quartiersentwicklung: „Barmbek-Nord erlebt gerade einen großen Entwicklungsschub und wird insgesamt attraktiver“, so Rösler. „Mit der innovativen Neuplanung ist es der HBH gelungen, den auch im Wohnungsbau notwendigen Erneuerungsprozess zum Wohle des Stadtteils und seiner Bewohner voranzutreiben.“ (bb)

Nachdem die ersten 13 Wohnungen in der Dieselstraße bereits Ende 2011 an ihre neuen Bewohner übergeben werden konnten, steht nun die Fertigstellung des zweiten Bauabschnitts bevor.
60 weitere Neubauwohnungen sollen im Juli 2013 bezugsfertig sein. Bereits im April wird die Hanseatische Wohnungsbaugenossenschaft mit der Vermietung beginnen. Nach der Fertigstellung des Gebäudes beginnt der dritte Bauabschnitt mit dem Abriss des letzten Bestandsobjektes in der Dieselstraße. An seiner Stelle wird ein Neubau mit 14 Wohnungen errichtet. Die Fertigstellung ist für das
3. Quartal 2014 geplant.
Nähere Informationen unter hanseatische
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