Saga plant Abriss der „Wärterhäuser“

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Wehmütig sind Margret Timm und ihr Mann beim Rundgang. Ihr ehemaliger Garten in der Nesselstraße 30 ist von Brombeerhecken überwuchert Fotos: Haas
Hamburg: Nesselstraße 24-34 |

WBG-Geschichtswerkstatt veranstaltete Ortstermin bei dem Gebäude-Ensemble

Alsterdorf/Ohlsdorf Sie gehören zu einem historischen Gebäude-Ensemble. Früher dienten die „Wärterhäuser“ an Nesselstraße und Maienweg als Wohnung für JVA-Beamte: Nahe ihrem Arbeitsort entstanden sie ab 1876 bis 1906 zeitgleich mit dem Bau des Fuhlsbütteler Gefängnisses. Einige denkmalgeschützte Häuser an der Nesselstraße 4-22 und 5-25 sind bereits mustergültig saniert. In sechs Doppelhäusern mit je vier Wohnungen herrscht jedoch Leerstand. Ihren Abriss befürchtet jetzt die Geschichtswerkstatt der Willi-Bredel-Gesellschaft (WBG) und hatte eingeladen: Zum Ortstermin am vergangenen Freitag kamen rund 30 Interessierte. Der städtische Wohnungskonzern Saga GWG hatte die Häuser 2010 von der Justizbehörde übernommen. Saga-Anträge zum Abriss der beiden Doppelhäuser am Maienweg 177-185 wurden von Denkmalschutz und Bezirksversammlung 2012 abgelehnt. Jetzt wolle die Saga wieder einen Abriss durchfechten, erklärt WBG-Mitglied Klaus Struck beim Rundgang zu gefährdeten Häusern in Maienweg und Nesselstraße, deren eher halbherzige Sanierung ins Stocken geriet. „Seit über einem Jahr passiert hier nichts mehr“, weiß Struck. Das Wetter setze den Innenräumen zu. „Nach einer gezielten Entmietung werden hier Fakten geschaffen, die zum Abriss führen sollen“, vermutet der WBG-Vorsitzende Hans Matthaei.

Hoher Instandsetzungsbedarf

Die nicht denkmalgeschützten Wärterhäuser an der Nesselstraße 24-34 und am Maienweg 177-185 hätten „hohen Instandsetzungsbedarf“, weiß Bezirksabgeordnete Karin Ros (SPD), die das Thema im Stadtentwicklungsausschuss verfolgte. Neubauten plane die Saga nach Ermittlung der Schäden und dem Abriss der Doppelhäuser. Dabei wünscht sich Karin Ros allerdings „eine sensible Architektursprache, die dem Denkmalschutzbestand der Nachbarhäuser gerecht wird.“

Nicht denkmalgeschützt

Noch sei nichts beschlossen, betont Bezirksabgeordneter Rachid Messaoudi (Linke) und spricht von einem „kommunalpolitischen Trauerspiel“. Die Saga habe die Häuser günstig erworben und wünsche aus finanziellem Interesse deren Abriss. „Wir fordern aber einen verantwortungsvolleren Umgang mit den Häusern“, so Messaoudi. Angebliche Schäden bedürften fachmännischer Überprüfung, „sonst wird hier einfach der Bock zum Gärtner gemacht.“ Die fraglichen Häuser seien nicht denkmalgeschützt, betont auch Saga-Sprecher Gunnar Gläser auf Anfrage und bestätigt den geplanten Abriss. An ihrer Stelle sollen sechs Mehrfamilien-Häuser mit insgesamt 45 Wohnungen neu errichtet werden. „Der dazu gehörige Antrag auf Abriss der Häuser wird zeitnah gestellt“, so Gläser weiter. Der Bezirk Nord, die Bezirkspolitik sowie der Oberbaudirektor hätten dieses Vorgehen im Oktober 2016 beschlossen, nachdem das Vorhaben zuvor auch öffentlich vorgestellt worden war. Das Saga-Nachbarquartier „Am Weißenberge“ soll bis 2018 fertiggestellt sein: Die mehrgeschossigen Wohngebäude grenzen direkt an die historischen Ensembles der Nesselstraße. (wh)
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