Selbstorganisation ist Trumpf

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Wencke Bankmann und Tochter Lina (4) aus Bramfeld sind ein eingespieltes Team. Zum Glück der Beiden fehlt nur noch ein Job.Foto: Lublow

Börse für Alleinerziehende: Im Barmbek Basch gab es viele Informationen

Barmbek. Mehr als 50.000 alleinerziehende Mütter und Väter leben in Hamburg. Zu ihnen gehören etwa 70.000 Kinder. „Alleinerziehende sind heute eine ganz normale Familienform“, sagt Monique Kutz. Sie ist im Jobcenter Team Arbeit Hamburg die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsplatz. Zusammen mit dem Projekt „Lernen vor Ort“ vom Bezirksamt Hamburg-Nord organisierte das Jobcenter zum zweiten Mal eine Infobörse für Alleinerziehende im Barmbek-Basch. Diese richtete sich vor allem an die 18.000 Alleinerziehenden, die vom Jobcenter betreut werden und Arbeitslosengeld II beziehen.
„Viele unserer alleinerziehenden Kunden bringen nur eine geringe berufliche Qualifizierung mit. 70 Prozent von ihnen haben keinen Berufsabschluss“, sagt Monique Kutz. Um so wichtiger seien Informationen und Beratung darüber, wie der (Wieder-) Einstieg ins Berufsleben klappen kann. Für die berufliche Aus- und Weiterbildung waren sieben Institutionen vor Ort, die ihre Angebote vorstellten. So zum Beispiel die Volkshochschule, die Bildungsagentur Dulsberg oder die Koordinierungs- und Beratungsstelle für Teilzeitausbildung.
Auch Wencke Bankmann (34) aus Bramfeld kam zur Infobörse. Die alleinerziehende Mutter eines vierjährigen Mädchens möchte sich gerne im medizinischen Bereich weiterbilden. „Ich bin gelernte Zahnarzthelferin, habe aber zuletzt als Quereinsteiger in der Verwaltung gearbeitet“, erzählt sie. Nach drei Jahren Elternzeit begann sie, sich zu bewerben. „Die Bewerbungen kommen zurück, wenn man ein kleines Kind hat. Die Berufschancen sind gering“, sagt sie und hofft, dass die Infobörse ihr weiterhelfen kann.
Jutta Fricke (34) hat ebenfalls Probleme, wieder ins Berufsleben einzusteigen. Ihre zehnjährige Tochter hat eine Behinderung. „In ihrer Schule gibt es keine Ferienbetreuung. Das macht es sehr schwierig, einen Job zu finden“, so die Langzeitarbeitslose. Die gelernte Erzieherin möchte eine Umschulung machen und hofft, dafür auf der Börse einen Anstoß zu bekommen.
Alleinerziehende haben in der Berufswelt mit vielen Hürden zu kämpfen. Neben einem Job benötigen sie auch flexible Kinderbetreuung, die leider nicht immer gegeben ist. „Wichtig ist, dass sich die Mütter privat organisieren“, sagt Cornelia Hagner vom Arbeitgeberservice Hamburg-Nord, der vor allem für ungelernte Frauen eine kleine Auswahl an Stellenangeboten dabei hatte. „In Bäckereien beginnt der Arbeitstag um fünf, im Einzelhandel endet er teilweise um 23 Uhr. Das können die Kitas nicht abfangen.“ Deshalb könnten auch viele gut ausgebildete Mütter, zum Beispiel im Hotelwesen, keinen Job finden. „Die Mütter müssen sich unbedingt privat vernetzen, um sich im Arbeitsleben zu entlasten“, so Hagner.
Vernetzungshilfe bieten Institutionen, wie der Verband alleinerziehender Mütter und Väter, Landesverband Hamburg (Vamv) oder der Alleinerziehenden Treffpunkt (ATP). Beide bieten neben Beratung in vielen Bereichen auch Gruppen und Treffs für Alleinerziehende und Allein-Schwangere an. Doch das Stigma der Alleinerziehenden beginne langsam zu bröckeln. Immer mehr Arbeitgeber wissen die Vorteile der Mütter zu schätzen, erläutert Monique Kutz. Und dazu gehöre vor allem eine gute Selbstorganisation. „Sie sind motiviert, organisiert und stellen sich gerne dem Arbeitsmarkt.
Die Vorurteile, dass sie wegen der Kinder häufig ausfallen, lassen sich nicht bestätigen“, sagt sie. Das Asklepios Klinikum Nord habe beispielsweise sehr gute Erfahrungen mit alleinerziehenden Angestellten gemacht. „Sie haben die Begabung, den Tag zu organisieren. Das ist eine Stärke, die dem Arbeitgeber zugute kommt“, weiß Rainer Horn von der Asklepios-Klinik, der ebenfalls mit Stellenangeboten an der Infobörse teilnahm. (sl)

Adressen und Vereine für Alleinerziehende: www.atb-hamburg.de, www.vamv-hamburg.de
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