Stadtteil-Soap in Hamburg-Barmbek

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Die Ensemble-Mitglieder von „Gutes Barmbek, schlechtes Barmbek“ spielen sich warm Fotos: flü

Publikum entscheidet, wohin sich das Stück mit sieben Darstellern entwickelt

Von Miriam Flüß
Hamburg. Es wird gemordet in Barmbek: Das hat das Publikum des Theaterdecks bei der letzten Vorstellung der Soap-Serie „Gutes Barmbek, schlechtes Barmbek“ so entschieden. Nun herrscht dichtes Gedränge im Theatersaal, rund 80 Zuschauer aller Altersgruppen wollen wissen, wer in der sechsten Folge der Theater-Serie rund um die „Fuhle“ den Bühnentod sterben muss.
Von den sieben Laien-Schauspielern, die schräge Barmbeker Figuren darstellen – von der Punkerin „Ratte“ über die stellvertretende Budnikowsky-Filialleiterin Ramona Hansen, Bürgerwehr-Anführer Albert Schranz und Ex-Schlagersänger Günni Freese bis zu Immobilien-Hai Horst Grothehüttekötter, der den Stadtteil aufwerten will –, weiß das auch noch niemand. „Einer von Euch stirbt heute, aber das muss niemand persönlich nehmen!“, bereitet Regisseur Enrico Guzy (30) seine Truppe beim Warm-Up auf den Abend vor. „Der Verlauf des Stückes ist nicht planbar. Das Publikum entscheidet, wie die Figuren sich entscheiden. Das ist anstrengend im Kopf, man muss ganz wach sein“, erzählt der ausgebildete Schauspieler. „Impro-Theater wirkt spontan, es steckt aber viel Technik dahinter“, ergänzt Theaterdeck-Leiter Niklas Heinicke (37).
Die Idee zur Soap mit Lokalbezug entstand aus einer Bierlaune heraus: „Die Lindenstraße oder Gute Zeiten, schlechte Zeiten sind ja auch erfolgreich. Bei uns ist Hertie ein großes Thema oder was rund um die Fuhle passiert. Mittlerweile haben wir einen eingeschworenen Fan-Club“, freut sich Guzy, der den Handlungsverlauf moderiert.
Der Einstieg ins Geschehen ist auch für neue Besucher leicht, weil sich jede Figur zu Beginn kurz vorstellt. Wie zu jeder Soap gehören auch ein Titelsong und eine Werbepause dazu. Per Applausometer entscheidet das Publikum, dass Rentnerin Hertha Kirschbruhn Barmbeks Mordopfer sein soll. Die Ensemble-Mitglieder sind zwischen 18 und über 50 Jahre alt und arbeiten als Kindergärtnerin, Verkäufer, Ingenieur oder studieren noch. Mit ihrer Spontaneität, Leidenschaft und Spielfreude stecken sie die Zuschauer an.
Wer sich selbst als Schauspieler ausprobieren möchte, kann sich bei Enrico Guzy unter info@theaterdeck.de melden. „Impro-Theater macht mutiger“ verspricht der Regisseur. Allen anderen sei auf jeden Fall der Theaterdeck-Besuch empfohlen, denn Soap-Gucken mit Lokalkolorit macht zusammen erst so richtig viel Spaß. Hertha Kirschbruhn wurde übrigens von Punkerin „Ratte“ mit einem vergifteten Kaugummi umgebracht. Wo „Ratte“ plötzlich so viel Geld her hat und ob der heimliche Reichtum von Günni Freese auffliegt – das erfährt das Publikum am 27. Oktober, wenn es will. Für einen Titel hat es sich jedenfalls schon entschieden: „Baustelle Barmbek“ wird die siebte Folge heißen. Mehr Details zur Barmbeker Soap auch auf Facebook: de-de.facebook.com/gutes.barmbek
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1 Kommentar
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Flo Henning aus Barmbek | 09.10.2014 | 22:55  
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