Steilshoop: Sanierung für Mieter zu teuer

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Christa Vollmers soll mehr als 40 Prozent mehr Miete zahlen Foto: mdt
 
Seit Sommer 2014 sanieren erst Gagfah nun Vonovia Wohnhäuser am César-Klein-Ring und aktuell am Gropiusring Foto: mdt
Hamburg: César-Klein-Ring |

Wohnungskonzern Vonovia erhöht Wohngeld nach Bauarbeiten um über 40 Prozent. Bewohner denken an Auszug

Von Marco Dittmer
Steilshoop
Der Stadtteil ist für billigen Wohnraum und als „Schlafstadt“ im Nordosten bekannt. Wem die verbreitete Verwahrlosung und das einhergehende negative Image des Stadtteils nichts ausmachte, konnte bisher für wenig Geld in großen Wohnungen leben. Doch seitdem der Wohnungskonzern Vonovia (entstand aus der Fusion von Gagfah und Deutsche Annington) hier im großen Stil saniert, ziehen Steilshooper reihenweise Mieterhöhungen aus ihren Briefkästen. Und auf einmal ist Wohnen in Steilshoop so teuer wie in Barmbek oder Wandsbek. Christa Vollmers und Angelika Stöcker wohnen schon seit Jahrzehnten in Steilshoop. Sie haben die Großwohnsiedlung, in den 1970er-Jahren erbaut, noch von einer ganz anderen Seite kennengelernt, als ruhiges Arbeiterviertel am Bramfelder See. Viele Jahre werden sie wohl nicht mehr hier leben. „Wenn mein Mann in den Ruhestand geht, werden wir uns die Wohnung nicht mehr leisten können“, sagt Angelika Stöcker, 62. Sie zahlt jetzt 650 Euro Nettokaltmiete. Nach der Sanierung, die noch im Dezember beginnt, sollen es rund 190 Euro mehr sein.

Mietsteigerung von 45 Prozent

Christa Vollmer trifft die Erhöhung ebenfalls kalt. Für 71 Quadratmeter zahlte sie bisher 350 Euro Kaltmiete. Bald sollen 161 Euro dazukommen, eine Steigerung von mehr als 45 Prozent. Zuviel für die alleinlebende 62-Jährige. Vonovia hat Großes vor in Steilshoop: 2.068 Wohnungen gehören dem börsennotierten Unternehmen. Zu den umfangreichen Arbeiten gehören unter anderem die Dämmung und Sanierung der Fassade und die Erneurung der Treppenhäuser. Am César-Klein-Ring sind die Arbeiten bereits abgeschlossen. Wo vorher der graue Plattenbau das Bild in Steilshoops Zentrum prägte, steht heute ein weißer Plattenbau mit grünen Balkonen. Insgesamt sollen von 2014 bis 2024 etwa 100 Millionen Euro in Modernisierung und Instandsetzung investiert werden. Allein 2017 weden die Arbeiten knapp 15 Millionen Euro kosten. Geld, das sich Deutschlands größter Immobilienkonzern wiederholen will. Zwar soll laut Vonovia die Miete auf 7,75 Euro pro Quadratmeter gedeckelt werden. Doch schon dieses Niveau würde eine deutliche Steigerung des Mietspiegels bedeuten, der aktuell bei rund 5,92 Euro liegt.

Jahrelange Vernachlässigung

Wo zieht man hin, wenn Steilshoop zu teuer wird? Nach umfangreichen Sanierungen steigen in den Plattenbauten die Mieten teilweise um 45 Prozent. „Seit Jahrzehnten wurde in unseren Wohnungen nichts gemacht. Jetzt sollen wir soviel zahlen“, sagt Christa Vollmers, die statt 350 bald 511 Euro Kaltmiete zahlen soll. Grund für den Zeitpunkt ist die auslaufende Sozialbindung von 1.394 Vonovia-Wohnungen in 2013, wie das Bezirksamt mitteilt. Seitdem kann der Konzern mehr Miete verlangen und erst jetzt wird saniert. Der Mieterverein hat den Bewohnern empfohlen, die Arbeiten zu dokumentieren und zwischen Modernisierung und Instandsetzung zu unterscheiden. Denn nur die Modernisierungen können auf die Miete umgelegt werden.
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1 Kommentar
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Anja Verre aus Steilshoop | 05.03.2017 | 18:47  
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