Stille Örtchen in Hamburg, die unentdeckt bleiben

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Helmut Krumm vor der Toilette am U-Bahnhof Kellinghusenstraße. Die werde kaum benutzt, weil sie nicht richtig ausgeschildert sei, sagt er Foto: Hanke
 
Vorbild Schweden: Das Toilettenschild ist größer als die übrigen Foto: Helmut Krumm/wb

Seniorenbeirat fordert vom Bezirk eine bessere Kennzeichnung und Ausschilderung öffentlicher Toiletten

Hamburg. Wo ist das nächste stille Örtchen? Viele Menschen, insbesondere ältere mit Blasenschwäche und schwangere Frauen kann im Bezirk Hamburg-Nord die Panik ergreifen, wenn sie weit und breit keine Möglichkeit finden, ihre natürlichen Bedürfnisse zu befriedigen. Auf eine Anfrage der CDU im vergangenen Jahr nach der Anzahl der öffentlichen Toiletten in Hamburg-Nord erhielten die Christdemokraten die Antwort: Zwei (in Barmbek und in Dulsberg). Diese ernüchternde Zahl veranlasste den vor eineinhalb Jahren neu gewählten Bezirksseniorenbeirat Hamburg-Nord, eine Arbeitsgruppe zum Thema Toiletten einzurichten, die den bezirklichen Gremien jetzt einen Forderungskatalog vorgelegt hat. Deren dringlichster Punkt: mehr und bessere Hinweise auf öffentliche Toiletten, auch auf die WC´s in öffentlichen Gebäuden. Auch Institutionen, die durch öffentliche Zuwendungen unterstützt werden, wie Seniorenzentren, Gemeindehäuser, Kindergärten oder Arbeitsagenturen sollten in die WC-Beschilderung miteinbezogen werden.

„Wir wollen ja nicht die Welt verändern. Wir wollen nur ein paar Schilder, um das Vorhandene zu nutzen“, erläutert Helmut Krumm vom Bezirks-Seniorenbeirat. „Wir haben Hunderte von Toiletten, die von der öffentlichen Hand getragen werden. Aber sie werden nicht kenntlich gemacht!“, erzänzt der stellvertretende Vorsitzende des Beirats, Hans-Lüder Hilken. Selbst an der Ausschilderung der öffentlichen Toiletten im Straßenraum oder in Bahnhöfen mangelt es. Beispiel: U-Bahnhof Kellinghusenstraße. Vor einigen Jahren wurde ein WC im Eckbereich Kellinghusen- und Goernestraße in einen Raum des Bahnhofs eingebaut. Ein kleines Schild oberhalb des Eingangs Loogeplatz weist daraufhin. „Die Toilette befindet sich an einer Stelle des Bahnhofs, an der die U-Bahn- und Busnutzer nicht vorbeikommen. Das Schild ist viel zu klein und so weit oben angebracht, dass viele es nicht sehen beziehungsweise mit schlechten Augen nicht erkennen können“, kritisiert Helmut Krumm.

Auf die Toiletten in öffentlichen Einrichtungen wird im Straßenraum überhaupt nicht hingewiesen. Dabei hat niemand etwas gegen deren Benutzung. Helmut Krumm hat bereits gute Erfahrung in einem Jugendzentrum in Barmbek gemacht. Der „Opa“ mit dringendem Bedürfnis war herzlich willkommen. Auch Dr. Magnus-Sebastian Kutz, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt berichtet, dass in dieser Behörde niemand etwas gegen fremde Menschen auf WC-Suche hätte. Warum also nicht eindeutig auf diese Toiletten hinweisen? Der Senioren-Beirat wünscht sich auch ein Verzeichnis aller öffentlich nutzbaren Toiletten im Bezirk. Viele Städte und Gemeinden haben solche Listen erstellt, mit Öffnungszeiten und besonderen Bedingungen. Auch Läden und Gaststätten könnten helfen.

Einige bieten ihre Toiletten für die öffentliche Benutzung an. In manchen Städten sogar unter dem Motto ‚Nette Toilette‘. „Das ist doch auch Werbung für die Geschäfte“, findet Helmut Krumm. Diese Möglichkeit sieht der Seniorenbeirat aber nur als Ergänzung. Erst einmal muss der Bezirk die öffentlich nutzbaren WCs kenntlich machen. „Wir können uns nicht einerseits über wildes Pinkeln aufregen, und auf der anderen Seite nicht deutlich sichtbar auf Toiletten hinweisen“, findet Hans-Lüder Hilken. Im Sozialauschuss Hamburg-Nord wurden die Forderungen der Senioren kürzlich diskutiert. Alle Fraktionen wollen bis zur nächsten Sitzung vor allem Zuständigkeiten klären. Damit man hier das Thema Toiletten auch so ernst nimmt wie manch´ andere Städte. Helmut Krumm hat ein Foto im schwedischen Bornholm geschossen. Das ist das Schild „Toalett“ dreimal so groß wie das Hinweisschild auf das Bornholmer Schloss. (ch)
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