Streit um den Hamburger Kuckucksweg

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Der Kuckucksweg soll umgestaltet werden, die Sandwege am Rand sind bald passé Fotos: Ehrhorn
 
Angela Lehnsherr (55): „Ich finde die Pläne in Ordnung. „Die Entwässerung tut in der Straße Not. Das einzige Problem werden die Parkplätze sein, die fehlen“

Die Stadt holt die Straßenbefestigung nach. Anwohner sollen zahlen

Von Christian Ehrhorn
Hamburg. Die Stadt holt jetzt die versäumte Fertigstellung von Anliegerstraßen nach - und die Anwohner sollen zahlen, zum Beispiel am Kuckucksweg. Montag Abend gab es die erste Sitzung zur konkreten Bauplan-Vorstellung für den Kuckucksweg. Die etwa 50 anwesenden Anwohner beschäftigte vor allem eine Frage: Was kommt finanziell auf uns zu?
Laut Hamburgischem Wegegesetz, das seit den 1930er Jahren besteht, muss die Fahrbahn instandgesetzt, eine ordnungsgemäße Straßenbeleuchtung geschaffen und für eine ordentliche Regenentwässerung gesorgt werden. Dass Letzteres dringend notwendig ist, darin waren sich am Montag alle einig. Denn bei Regen läuft das Wasser, trotz des sandigen Bodens im Kuckucksweg nicht richtig ab. Nach Regengüssen stehen große Pfützen auf der Straße.

Acht Euro pro Quadratmeter Grund

„Ohne die erstmalige endgültige Herstellung hätten ihre Grundstücke eigentlich gar nicht bebaut werden dürfen“, erklärte Michaela Hagen von der Finanzbehörde während der Sitzung. „Also für den Bock, den die Stadt geschossen hat, müssen wir nun zahlen“, warf einer der Anlieger ein. „Das ist nur fair“, entgegnete Christoph Neetz vom Bezirksamt Wandsbek. „Viele andere Straßen, auch in der Umgebung, wurden bereits endgültig hergestellt. Und dort mussten die Anwohner auch die Erschließungsbeiträge zahlen.“
Die Rechnung der Finanzbehörde sieht so aus: Der beitragsfähige Erschließungsaufwand wird bei etwa 275.000 Euro liegen. „Die Stadt übernimmt zehn Prozent der anfallenden Kosten. Somit würde der Betrag auf rund 245.000 Euro gekürzt,“ rechnete Michaela Hagen vor. „Bei der hier angegebenen Höhe der Kosten kommen wir auf zirka acht Euro pro Quadratmeter Grundstücksfläche.“ Das heißt: Hat ein Anwohner ein Grundstück von 750 Quadratmetern, betragen die Kosten zirka 6.000 Euro. „Diese werden jedoch frühestens zwei Jahre nach Abschluss der Bauarbeiten erhoben“, so Hagen. Dann müssen die Beiträge jedoch innerhalb eines Monats gezahlt werden. Es gebe jedoch auch Möglichkeiten der Zahlungserleichterung. Das beruhigte Erika König wenig: „In der Straße wohnen viele ältere Leute, die können die Kosten von ihrer Rente gar nicht bezahlen“, sagte sie empört. „Einige müssen deswegen vielleicht ihre Grundstücke verkaufen.“

Kuckucksweg wird Spielstraße

Die Straße soll zu einer verkehrsberuhigten Zone werden, eine Spielstraße. Es soll quasi keine Trennung zwischen motorisiertem Verkehr und Fußgängern geben. „Somit wird auch das Parken außerhalb gekennzeichneter Bereiche unzulässig“, erklärt Christoph Neetz vom Bezirksamt. „Dafür werden 16 Parkmöglichkeiten geschaffen. Mehr sind leider nicht möglich.“ Ein Raunen ging durch den Sitzungssaal. „Das ist viel zu wenig“, monierten einige. Statt die Straße zu asphaltieren, soll sie mit Pflastersteinen belegt werden. „Somit schaffen wir eine klare Trennung zwischen Fahrbahn und Spielstraße“, so Christoph Neetz. Wieder Unruhe im Saal. Was den Straßenbelag angeht, sind die Anwohner geteilter Meinung. Die einen begrüßten die Planung der gepflasterten Spielstraße. Andere hätten lieber Asphalt. „Nach dem jetzigen Stand der Planung gibt es für uns keine Alternative zu den Pflastersteinen“, konstatierte Christoph Neetz. Dies wird nicht die letzte Sitzung zum Thema Kuckucksweg gewesen sein. Denn mit den Bauarbeiten, die mindestens zwölf Wochen dauern, soll voraussichtlich schon im Frühjahr 2015 begonnen werden.
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