Viktor Hacker ist Barmbeker, Türsteher und mehr

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Gestatten: Hacker. Viktor Hacker. Der 50-Jährige lebt gerne in Barmbek Foto: Ravengraphy
 
Viktor Hacker liest auch regelmäßig seine Texte vor Publikum Foto: Heume

Der Synchronsprecher und Humorist liebt den roten Klinker in seinem Kiez

Von Ruth Heume
Barmbek
Er erzählt gerne. Und das mit einer sonoren Stimme und viel Humor. Muskulöser Körper, tätowierte Oberarme. Der Geldbeutel in der Gesäßtasche hängt an einer Original-Waffenreinigungskette. Hamburger in achter Generation väterlicherseits, das merkt man am trockenen Humor. Spanische Vorfahren mütterlicherseits, das sieht man: schwarzes Haar und graumelierter Bart. Die dunklen Augen schauen freundlich. Viktor Hacker, 50, Sprecher,Texter, Humorist – und Türsteher. Eine kontrastreiche Mischung. Entstanden aus einem Lebensweg mit ganz unterschiedlichen Stationen. Kaum eine Pforte, an die er noch nicht geklopft hat – oder die er nicht hütet. Nach dem Abitur verpflichtete sich Hacker zunächst bei der Bundeswehr. Aufgewachsen in schwierigen Familienverhältnissen, suchte er nach Beständigkeit und klaren Regeln. Nach sechs Jahren quittierte er den Dienst und absolvierte eine Schauspielausbildung. Am Theater lief es aber zunächst nicht gut für ihn: „Ich war einfach noch viel zu viel Soldat.“ Aber die Bühne reizte ihn. Und Sprache. Ein Freund sagte: „Du kannst doch auch schreiben, oder?“ So landete er in dessen PR-Agentur, wo er zehn Jahre als Redakteur tätig war.

Kleinkunst nebenbei


Im Gegensatz zum großen Vorbild seiner Jugend, dem Fotoreporter Russell Price (gespielt von Nick Nolte) im Film „Under Fire“, waren seine Themen in erster Linie „Heim und Garten“ sowie „Bauen und Wohnen“. Das Fachwissen hat er sich im Laufe der Zeit angelesen. „Journalismus ist Handwerk“, sagt er lapidar. Auf der Bühne stand er nebenbei immer mal wieder und machte Kleinkunst. Bei der PR-Agentur mussten auch Texte eingesprochen werden. Irgendwann sagte sein Freund: „Warum machst Du das eigentlich nicht?“ Die Stimme dazu hatte er. Und die Ausbildung, zumindest teilweise, durch die Schauspielschule. Den Rest lernte er bei Monty Arnold, den er im Fitness-Studio ansprach. Der war damals bereits als Synchronsprecher bekannt. Heute ist Viktor Hacker hauptberuflicher Sprecher. Und das bedeutet nicht unbedingt nur Synchronsprechen. Für Sprecher gibt es vielfältige Einsatzbereiche: Fernsehdokumentationen, Radiowerbung, Imagefilme, Computerspiele, Hörspiele und vieles mehr. Viktor Hacker deckt alle Bereiche ab – als gelernter Schauspieler auch die Königsdisziplin Synchronsprechen. Einen Vorgeschmack bekommt man in den Hörproben auf seiner Website. In einem 60-Sekunden-Spot demonstriert er eindrucksvoll die Bandbreite seiner Stimme und Stimmungen. Freiberuflichkeit liegt ihm. „Ich arbeite, bis etwas fertig ist, nicht bis die Uhr Feierabend zeigt.“ Auch als Texter arbeitet er weiterhin, gerne immer noch im Bereich „Haus und Garten“. Und dann ist da noch sein Job als Türsteher, der sich wie ein roter Faden durch sein Leben zieht. Mit 20 begann er, in Kiezkneipen hinterm Tresen zu arbeiten. Wenn es Stress am Eingang gab, wurde er häufiger zur Hilfe gerufen. „Ich habe ein Talent zum Deeskalieren“. Auch körperlich war das für ihn kein Problem – er hatte immer schon Krafttraining gemacht, außerdem Boxen und Ju-Jutsu. „Irgendwann hatte ich keinen Bock mehr, nach der Arbeit den Tresen zu putzen“. Er wurde Türsteher. „Das war natürlich cool mit Anfang 20, da hattest Du plötzlich ganz viele Freunde“, grinst er. Heute macht ihm der Job immer noch Spaß, aber er steht nur noch zwei- bis dreimal im Monat am Eingang auf dem Kiez. Erlebt hat er dabei so einiges. Das hat er humorvoll in seiner Kolumne verarbeitet, die er jahrelang im Kiezblog „St. Pauli News“ des Hamburger Abendblattes geschrieben hat und die man heute noch auf seiner Website findet. Mit zwei befreundeten Türsteherkollegen ist er regelmäßig bei der „Türsteherlesung“ auf der Bühne.

Lebt seit 16 Jahren im Stadtteil


Sein persönlicher Kiez aber ist Barmbek. „Die roten Klinker bedeuten für mich Heimat“, bekennt er. Vor 16 Jahren zog er ganz bewusst nach Barmbek. Der Stadtteil habe sich zwar in den letzten Jahren sehr verändert, aber Barmbek sei groß genug, um sich der Gentrifizierung zu widersetzen, glaubt der gebürtige Wilhelmsburger. „Auch wenn die Miete bei mir gleich erhöht wurde, als das Quartier 21 fertig war.“ Er liebt es, mit dem Fahrrad an den Kanälen entlang zu fahren. Mit seiner Freundin Marleen (32) ist er seit vier Jahren zusammen. An gemeinsames Wohnen ist aber nicht zu denken. „Ich muss mich zurückziehen können.“ Nur die Katze durfte bisher einziehen. Mit Kraft- und Konditionstraining hält Viktor Hacker sich weiterhin fit: er geht sechs Mal die Woche ins Fitness-Studio. „Ich brauche das für den Kopf.“ Aber natürlich auch fürs Türstehen. (ruh)

Weitere Infos: www.viktorhacker.de
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