Von baschen Gören und Hufnern in Barmbek

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„Basche Gören“ um 1930 Foto: Geschichtswerkstatt Barmbek
 
Um 1900 prägten noch Pferdefuhrwerke das Bild auf der Hamburger Straße Foto: Geschichtswerkstatt Barmbek
Hamburg: Osterbekstraße 96 | Dauerausstellung der Geschichtswerkstatt im Arbeitsgericht

Von Ruth Heume
Barmbek
Der Frühling lässt noch etwas auf sich warten. Wer bei schlechtem Wetter seine Zeit im Warmen und Trockenen verbringen und dabei noch Interessantes über Barmbek lernen möchte, der sollte einmal das Arbeitsgericht besuchen. Keine Angst – hier wird nicht gleich „kurzer Prozess“ gemacht! Schon von außen ist das stattliche Bauwerk, das 1912 als „Volksschule Schleidenstraße“ eröffnet wurde, prächtig anzusehen. Aber keine Scheu und hereinspaziert: Das Gebäude ist zu den Öffnungszeiten für jedermann frei zugänglich und hat, nicht nur architektonisch, einiges zu bieten.

Ausgewogene Mischung

Bereits seit mehr als vier Jahren befindet sich dort eine Dauerausstellung der Geschichtswerkstatt Barmbek. Die Idee, die leeren Flure mit Inhalten zu füllen, hatte seinerzeit der damalige Geschäftsleiter des Arbeitsgerichtes Gerd Steckstor. Reinhard Otto und seine Kollegen von der Geschichtswerkstatt Barmbek nutzten die Gelegenheit, mal wieder etwas Stadtteilgeschichte unters Volk zu bringen. Seitdem schmücken sieben Tafeln im Format ein mal zwei Meter die Wände des Flures im zweiten Stock. In einer ausgewogenen Mischung aus anschaulichen historischen Bildern und interessanten Texten erfährt der Betrachter im ersten Teil der Ausstellung einiges über die allgemeine Geschichte des Stadtteils. So war Barmbek noch bis spät ins 19. Jahrhundert ein Dorf. Äcker und Wiesen wurden von Kleinbauern (Käthnern) und Großbauern (Hufnern) bewirtschaftet. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts begann Barmbek – mittlerweile zum Hamburger Stadtteil erhoben – sich rasant zu verändern. Die Eröffnung der neuen „Hoch- und Untergrundbahn“ im Jahre 1912 war ein wichtiges Ereignis. Nach dem 2. Weltkrieg blieb von Barmbek nur ein Trümmerhaufen und der Wiederaufbau begann.

Exkurs über „Barmbek Basch“

Der zweite Teil der Ausstellung befasst sich mit der direkten Umgebung des Arbeitsgerichtes. So lernt man beispielsweise, wie aus dem idyllischen Bächlein Osterbek im Zuge der Industrialisierung der breite Osterbekkanal wurde. Entlang des Kanals qualmten nun die Schlote der zahlreichen dort ansässigen Industrieunternehmen. Dazu gehörte auch das Gaswerk, auf dessen ehemaligem Gelände in den 1990er Jahren die Alstercity errichtet wurde. Schräg gegenüber dem Arbeitsgericht steht ein weiterer stattlicher Bau: der sogenannte Pro-Block. Auch von der Geschichte dieses Baukomplexes, einem der ersten genossenschaftlichen Wohnprojekte in Hamburg, erzählen die Ausstellungstafeln in Worten und Bildern. Zuletzt darf ein Exkurs über „Barmbek Basch“ nicht fehlen. Wer wissen möchte, was es mit diesem ganz speziellen Barmbeker Lebensgefühl auf sich hat und einen Blick auf echte „basche Gören“ werfen möchte, sollte unbedingt einmal vorbeischauen. Im dritten Stock befindet sich übrigens eine Ausstellung des Schulmuseums. Darüber hinaus findet man in allen Etagen einzelne Exponate des Museums der Arbeit. Wer sich das alles anschauen möchte, sollte schon etwas Zeit mitbringen – oder ein zweites Mal wiederkommen.

Die Ausstellung ist während der Öffnungszeiten des Arbeitsgerichtes zugänglich über den Eingang Osterbekstraße 96, Mo., 7.30 bis 15.30 Uhr, Di., – Do, 7.30 bis 16 Uhr, Fr., 7.30 bis 15 Uhr
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