Von Pickeln und Facebook

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Die Filmgruppe vom Haus der Jugend kann sich über die Nominierung fürs Festival „Abgedreht“ freuen
 
Die Schüler der Klasse 6a der Erich Kästner Schule räumten in der Kategorie U12 ab Foto: ut

Preisverleihung der „Goldenen Wandse“: 26 Filme waren in der Auswahl

Von Ulrich Thiele
Hamburg. Ein Mann und eine Frau gehen aus Neugier in ein mysteriöses Haus in einer düsteren Landschaft. Dort öffnet sich ein altes Bücherregal, hinter dem sich ein dunkler Tunnel befindet. Sie betreten ihn und landen plötzlich wieder wie verzaubert vor dem Haus. Dann wiederholt sich das Szenario „immer wieder“. So beginnt der anderthalbminütige Trickfilm „Immer wieder“ der sechsten Klasse der Erich Kästner Schule, der Schule mit den meisten Einreichungen beim diesjährigen Jugendfilmfestival „Die goldene Wandse“.
Die Preisverleihung des Festivals fand am 9. Juli im Magazin-Kino in Winterhude statt. Seit 2009 veranstaltet der Bramfelder Kulturladen (Brakula) das alle zwei Jahre stattfindende Festival für Kinder und Jugendliche von acht bis 18 Jahren, die sich für das Medium Film begeistern. Neu war in diesem Jahr das Begleitprogramm: Unter dem Motto „Filme selber gemacht von Kindern und Jugendlichen von 8 bis 18 Jahren“ wurden den interessierten Schülerinnen und Schülern Filmprojektwerkstätten und intensive Filmworkshops bei Kooperationspartnern angeboten, um ihre eigenen Ideen unter der Betreuung von Medienexperten umsetzen zu können. Das Interesse war groß und so wurden fast 100 Filme eingereicht, von denen 26 unter der Moderation von Brakula-Mitarbeiter Konstantin Ulmer im Magazin-Kino vorgestellt wurden. Thematisch zeugte die Auswahl der Kurzfilme, die eine Länge von sieben Minuten nicht überschreiten durften, von großer Vielfalt: Von der romantischen Liebeskomödie über das Drama und den Stummfilm bis hin zum Horrorfilm waren diverse Genres vertreten. Auch Filme mit kritischem Apell zu den Themen Massentierhaltung, Digitalisierung und Oberflächlichkeit bekamen die knapp 320 größtenteils jugendlichen Zuschauer zu sehen. Im Anschluss wurde die Goldene Wandse in drei Kategorien von einer dreiköpfigen Fachjury vergeben, die sich aus Andrea Schüll, Lehrerin für audiovisuelle Medien, Lars Hertling, dem Leiter des „abgedreht!“-Filmfestivals, und Susanne Harnisch vom Jugendkulturrat Eimsbüttel zusammensetzte.

Allein in der Schule

Unter großem Jubel der zahlreichen Mitschüler durfte sich die Klasse 6a der Erich Kästner Schule über die Goldene Wandse in der Kategorie U12 für ihren Kurzfilm „Immer wieder“ freuen. In der Kategorie U16 wurde „Project Facebook“, ein Unterrichtsprojekt des Meiendorfer Gymnasiums, ausgezeichnet. Die Schüler der 10. Klasse überzeugten die Jury nicht nur mit ihrer kreativ umgesetzten kritischen Betrachtung des sozialen Mediums und seiner Auswirkungen auf den Alltag, sondern auch mit einem selbst beigesteuerten Soundtrack. Dargestellt wird der Tagesablauf eines Jungen, der sich frisch bei Facebook angemeldet hat und nun den Wahnsinn aus „anstupsen“, „Gefällt-mir-Buttons“ und Chats in Realeinblendungen am Leibe erfährt, bis er sich schließlich entnervt wieder von der Plattform abmeldet. Die Goldene Wandse in der Kategorie U18 erhielt die Gruppe um Dion Schuhmann für ihre Eigenproduktion „Afterlesson“, einen
Horrorfilm, der es laut der Jury „geschafft hat, durch Geräusche ein geheimnisvolles und spannendes Kopfkino zu erzeugen“. Im Film bleibt ein Schüler an einem Freitag nach dem Unterricht alleine eingesperrt in der Schule, wo düstere Gespenster und Dämonen ihn verfolgen und schließlich töten, ehe er selbst als mordlüsterner Geist zurückkehrt und in der Abschlussszene seinem Lehrer auflauert. Neben der Geschichte überzeugten auch die Bluteffekte, sodass es besonders beim jüngeren Publikum zu Aufschreien kam. Neben der Verleihung der drei Goldenen Wandsen wurde außerdem der Film „Der Pickel“ des Hauses der Jugend (HdJ) Bramfeld mit einer Nominierung für das Hamburger Nachwuchs Filmfestival „abgedreht!“
von der Jury geehrt. Der Film schildert auf komische Art und Weise die Geschichte einer hysterischen Mutter, die ihre Tochter mit allen Mitteln vor den selbst bereits erlebten Strapazen der Pubertät bewahren will, als diese eines Morgens mit einem riesigen Pickel im Gesicht aufwacht. Als kein Mittel den Pickel beseitigen kann, schickt sie ihre Tochter mit gänzlich vermummtem Gesicht in den Schulunterricht, um sie so vor der Häme der Mitschüler zu bewahren. Dort angekommen, sitzen ihre Mitschüler und -schülerinnen ebenfalls vermummt im Klassenraum – Sie alle hat das gleiche Schicksal ereilt...
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1 Kommentar
6
Dion Schumann aus Bramfeld | 15.07.2015 | 13:48  
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