„Willi“ ist Hamburgs Pfleger auf vier Pfoten

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Ursula Stenzel kuschelt gern mit „Willi“. Altenpfleger Dennis Eitel freut’s Foto: to
 
Die englische Bulldogge „Wilhelm“ wird von allen nur „Willi“ genannt, ist acht Monate alt und 23 Kilogramm schwer Foto: to
Hamburg: Stückenstraße 1 |

Die knuddellige Bulldogge zaubert Senioren im Barmbeker Senioren- und Pflegezentrum täglich ein Lächeln ins Gesicht

Von Thomas Oldach
Barmbek
Bellen kann er auch. Aber natürlich nicht während der „Dienstzeit“. Denn als wahrhafte „Pflegefachkraft“ hält man sich an Regeln. Auch „Wilhelm“ weiß das ganz genau – und genießt nicht nur deshalb einen besonderen Status am Senioren- und Pflegezentrum „ SenVital“ am Barmbeker Markt. Denn mit seinen rund acht Monaten Lebensalter und einem Gewicht von 23 Kilogramm ist die englische Bulldogge aus dem Leben der „Gäste“ der Einrichtung nicht mehr wegzudenken. Zaubert „Willi“, wie er von allen genannt und gerufen wird, doch jedem ein Lächeln ins Gesicht.

„Berufung“ nach schwerer Erkrankung

Sein ständiger Begleiter ist Dennis Eitel. Der 34-Jährige ist examinierter Altenpfleger – und das ist seine Berufung. Denn bis zu seinem 28. Lebensjahr war er noch als ausgebildeter Glaser unterwegs, entdeckte dann nach einer schweren Lungenembolie und durch seine Frau auch seine soziale Ader. Die 30-Jährige ist als Erzieherin in einer Kinderkrippe im Einsatz. Zur Familie gehört auch eine achtjährige Tochter. Als der Wunsch nach einem Hund beim Eitel-Trio wuchs, fiel die Entscheidung auf „Willi“. Gilt eine englische Bulldogge doch als „aufmerksam, kühn, loyal, zuverlässig, mutig, grimmig im Aussehen, aber liebenswürdig im Wesen.“

SenVital setzt auf vierbeinige Pfleger

Nach Rücksprache mit der „SeniVital“-Einrichtungsleitung, sei die Sache klar gewesen: „Willi wird bei uns einziehen und mich täglich mit zur Arbeit begleiten.“ Und nun darf Dennis Eitel „Willi“, den Pfleger auf vier Pfoten, an fünf Tagen in der Woche mit ins Pflegeheim nehmen. „Dort wird er von allen geliebt und regelrecht vermisst, wenn er mal einen ,freien Tag‘ zu Hause auf dem Sofa verbringt. „Sobald wir das Heim betreten, geht ,Willi‘ geradewegs zum Fahrstuhl und wartet, dass ich den Knopf drücke, um in den Wohnbereich der Gäste des Hauses zu kommen“, erzählt Dennis Eitel.

Demenz-Kranke reagieren positiv

„Dort angekommen, folgt sein täglicher Kontrollgang über die Flure, an allen Zimmern vorbei, durchs Dienstzimmer bis hin zum Speisesaal um auf Nummer sicher zu gehen, dass auch noch alle da sind, wo sie hingehören“, erzählt sein „Herrchen“. Lutz Richter, Residenzleiter des „SenVital“ am Barmbeker Markt, freut sich heute noch über die Entscheidung für „Willi“. Der Hund schenke allen „Gästen“ des Hauses seine komplette Zuneigung. „Ein Tier ist für viele Menschen einfach ein wichtiger Bezugspunkt. Da kommen selbst bei Demenz-Kranken Erinnerungen zurück“, sagt Richter: „Als klar war, dass alle Hygiene-Standards eingehalten werden, haben wir zugestimmt.“

„Willi“ hat Schlag bei den Senioren

Aufgrund der positiven Erfahrungen sei man bereits bei der „SenVital“-Zentrale in Bayreuth, von der aus 14 Standorte im gesamten Bundesgebiet gemanagt werden, auf das „Projekt Willi“ aufmerksam geworden und nicht abgeneigt, eine „Pflegefachkraft auf vier Beinen“ in weiteren Einrichtungen einzusetzen. „Willi“ lässt sich mit Vorliebe von allen Bewohnern streicheln, beschmusen, mit Leckerlies füttern. Auch beim Frühstück und Abendessen weiß er genau, bei welcher Omi er sitzen muss, damit ein Stückchen Wurst den Weg zu ihm findet. Eitel: „Es erfreut mich jeden Tag aufs Neue, wenn ich sehe, wie viel Freude Menschen im hohen Alter an so einem Tier haben. Das Gefühl und dieses Lächeln, was er in diesen Menschen auslöst, ist mit Geld nicht zu bezahlen.“ Da kann ihm Ursula Stenzel als ehemalige Katzenbesitzerin nur zustimmen. Sie ist seit August 2016 im Pflegeheim. „Willi ist auch mein Sonnenschein – immer nett, immer für eine Kuscheleinheit zu haben“, sagt die 84-Jährige und streichelt der „kleinen, dicken Pflegefachkraft“ über das Fell.
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