Wohnen in Hamburger Gymnasium

Anzeige
Joachim Braun im Treppenhaus seiner alten Schule. Heute ist er Vorstand der Fluwog, die das Gebäude zum Wohnhaus umbaut Foto: Malte Betz

Joachim Braun ging ins GUB – heute ist es sein Bauprojekt

Von Malte Betz
Hamburg. Schulbank raus – Couch rein: Fast 100 Jahre
lang diente das Gebäude als ehrwürdige Lehranstalt – in wenigen Wochen werden dort die ersten Familien in ihre neuen Wohnungen einziehen. Der Umbau des ehemaligen Gymnasiums Uhlenhorst-Barmbek (GUB) zum Wohnhaus steht kurz vor dem Abschluss. Am Freitag vergangener Woche luden die Bauträger zu einem Rundgang.
40 Genossenschaftswohnungen sind im ehemaligen Schulgebäude, das den Krieg fast unbeschädigt überstanden hatte und in den 1960-er Jahren modernisiert worden war, entstanden. Sie sind teilweise rollstuhl- und altengerecht ausgebaut. Das Dachgeschoss wurde aufgesattelt und erhielt ein Steildach, in Anlehnung an den neo-barocken Originalbau. Nur das zentrale Treppenhaus bleibt in seinem Ursprungszustand. Ansonsten wurden Gänge mit Mauern parzelliert, Bodenhöhen verändert, Fenster verändert und Balkone angesetzt. Die beindruckenden Deckenbögen blieben teilweise erhalten.
Das Projekt „Schulfrei“ stellte besonders den Architekten, Sven Kukuk, vor Herausforderungen. „Wir hätten das Haus am liebsten um 90 Grad gedreht“, sagt er mit Verweis auf die vormals ungünstige Anordnung der Fenster im Haus. Zudem musste der Diplom-Ingenieur, vom Büro Huke-Schubert Berge, das über 100 Jahre alte Gebäude nachträglich zu einem Passivhaus energetisch sanieren. Die 86 Zentimeter starken Mauern erhielten eine aufwändige Dämmung. Auch der aktive Energieverbrauch wurde gesenkt: So erfolgt die Warmwasserbereitstellung direkt in den Wohnungen in kleinen Wärmetauschern, durch die heißes Heizungswasser fließt.
„Die Lage der Gänge und Klassenräume sind nur noch schwer auszumachen“, sagte Joachim Braun, Vorstand der Baugenossenschaft Fluwog-Nordmark, bei der Begehung Ende. Er muss es wissen, denn der Barmbeker ging hier als Steppke neun Jahre aufs Gymnasium. „Vor dem Umbau habe ich natürlich Chemie- und Bioraum schnell wiedererkannt. Aber als erstes hat mich die ehemalige Hausmeisterwohnung interessiert“, sagt er mit einem Grinsen. „Der einzige Bereich, der für uns Kinder damals immer tabu war.“ Nach dem Umbau ist heute in dem Souterrain-Trakt des Hausmeisters der Gemeinschaftsbereich untergebracht. Dort, wo die ehemalige Jungentoilette war, ist jetzt eine helle Drei-Zimmerwohnung entstanden. Die Wohnung gegenüber umfasst unter anderem das damalige Rektorenzimmer. Der Umbau des Altbaus kostete rund zehn Millionen Euro und wurde von der Fluwog für die Baugemeinschaft „Die Kekse“ durchgeführt. 30 der 40 Wohnungen (zwei bis fünf Zimmer) sind gefördert und kosten knapp 6 Euro Miete pro Quadratmeter.
Wegen der schweren Herbststürme im vergangenen Jahr hatte sich der Bau verzögert, da im Dachbereich eine Bau-Konstruktion zerstört worden war. Auf dem ehemaligen Schulgelände, auf dem 2007 letztmalig Schüler herumgetobt waren, baute außerdem die Saga in Nachbarschaft zum Altbau ein hochgedämmtes Passivhaus mit insgesamt 98 Wohnungen. (bez)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige