Außergewöhnlicher Einsatz in Hamburg

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Dr. Walter Wagner vor dem Gerät zur Kryokonservierung von Sperma Fotos: Christa Möller
 
Therapeutin Büttner: „Der Verein hilft da, wo sonst niemand zuständig ist“ Foto: Christa Möller

Soldatentumorhilfe unterstützt seit 30 Jahren Patienten. Verein braucht Spenden

Von Christa Möller
Hamburg. Ein kleiner Verein leistet ganz Großes: Die Soldatentumorhilfe Hamburg unterstützt seit fast 30 Jahren Tumorkranke und ihre Angehörigen. Damals war die psychoonkologische Betreuung noch nicht Standard, aber die Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Renate Büttner unterstützt seit 1988 Krebspatienten am Hamburger Bundeswehrkrankenhaus an der Lesserstraße 180, sie ist halbtags im Auftrag der Soldatentumorhilfe hier aktiv. Schwerpunktmäßig werden in der Urologie Patienten mit Hodenkrebs behandelt, einer seltenen, zu 98 Prozent heilbaren Krebsart, die häufig junge Männer betrifft. Segensreich für sie: Im Bundeswehrkrankenhaus gibt es dank der Soldatentumorhilfe und für Bundeswehrangehörige sogar kostenlos die Möglichkeit der Kryokonservierung - also des Einfrierens - von Sperma. Zahlreiche Babyfotos im Aufenthaltsraum der Urologie zeugen von dankbaren Eltern. Einige hätten ohne diese Therapie keinen Nachwuchs bekommen können. Immerhin 40 bis 50 Patienten nehmen jedes Jahr

diese Möglichkeit in Anspruch.
Treffen am Stammtisch

„Das ist für junge Männer wichtig, für den Fall, dass durch die Behandlung die Zeugungsfähigkeit auf der Strecke bleibt“, weiß die Psychologin, die für die Sorgen und Nöte der Erkrankten und der Angehörigen immer ein offenes Ohr hat. Neben der psychologischen Betreuung lädt sie jeden Mittwochvormittag zum Stammtisch. Beim gemeinsamen Frühstück tauschen sich Neuerkrankte, aber auch Nachsorgepatienten aus. „Diese Runde ist Gold wert“, weiß Büttner. Denn durch den Kontakt mit anderen Betroffenen schöpfen auch neue Patienten Mut. Manche bleiben dem Stammtisch Jahrzehnte treu: „Einige kommen seit damals zweimal jährlich zur Nachsorge“, sagt sie.
Immerhin ist das Bundeswehrkrankenhaus das Hodentumorzentrum Deutschlands, wie Dr. Walter Wagner, Chefarzt der Urologie und Vorsitzender der Soldatentumorhilfe, sagt. Und Renate Büttner sei - weltweit – die Psychologin, die die meiste Erfahrung habe, was den Hodenkrebs betreffe. Zwischen Psychologie und Urologie gibt es am Bundeswehrkrankenhaus einen ganz engen Schulterschluss. In seiner Abteilung, die seit Jahrzehnten klinisch und wissenschaftlich arbeitet, wird jede Art von urologischem Tumor behandelt. Das Krankenhaus verfügt über 307 Betten, 137 davon für zivile Patienten. 33 Betten gehören zur Urologie. 100 Hodentumorpatienten werden hier jährlich behandelt, dazu kommen 40 weitere, die zur Chemotherapie oder Resttumorbergung das Bundeswehrkrankenhaus aufsuchen. Aber auch andere Krebserkrankte finden bei der Soldatentumorhilfe Unterstützung, die von Dr. Michael Hartmann, dem Vorgänger Dr. Wagners, gegründet wurde. Der 18 Mitglieder starke Verein hilft dort, wo es Not tut. Dabei allerdings könnte er selbst Hilfe gebrauchen. Nur eine Handvoll Aktive unterstützen die Soldatentumorhilfe – gegebenenfalls in definierten Einzelfällen auch finanziell, beispielsweise, wenn Angehörige in Hamburg untergebracht werden müssen. Denn die Patienten kommen nicht nur aus Hamburg, sondern aus dem gesamten Bundesgebiet, die meisten aber aus Norddeutschland.

Sponsoren gesucht

Bei nur 18 Mitgliedern stammen die Fördermittel überwiegend aus Spenden. Die fließen jedoch auch nicht allzu reichlich. Das Geld kommt beispielsweise durch Benefizkonzerte oder Weihnachtsbasare zusammen. „Wir haben außerdem potenzielle Spender angeschrieben“, sagt Dr. Wagner. Doch der Verein hat zuwenig Manpower, um in diesem Bereich effizienter tätig zu sein. „Das Geld wird immer weniger, weil die Bundeswehr immer kleiner wird. Beim Spendenaufkommen gibt es einen signifikanten Abfall, deshalb werden wir zunehmend auch Sponsoren im zivilen Bereich finden müssen.“
soldatentumorhilfe-hamburg.de
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