Ehrenamtlich gegen den Senat

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Der Wahl-Barmbeker Frank Lundbeck (67) steckt sehr viel Zeit und Energie in seinen Stadtteil. Demnächst muss er gegen Kürzungen des Senats kämpfen.Foto: Lublow

Stadtteilrat von Kürzungen bedroht

Barmbek. Ob über die Ein-Kind-Ehe in China, Staudamm-Projekte in Spanien und der Türkei oder über die Fußball EM – zwei Mal in der Woche wird in der Bücherhalle Dehnhaide über Gott und die Welt geplaudert. Frank Lundbeck leitet einen der zwei hier stattfindenden „Dialoge in Deutsch“ - ein Projekt der Stadtbücherei.
Der 67-jährige Wahl-Barmbeker engagiert sich gerne ehrenamtlich. Schon seit 2008 ist er Mitglied im Stadtteilrat Barmbek-Süd, seit drei Jahren dort im Sprecherteam. Vor einem Jahr erfuhr der Rentner vom Projekt „Dialog in Deutsch“ und bewarb sich als Gruppenleiter. „Das macht mir sehr viel Spaß“, schwärmt er. „Es wäre schön, wenn noch mehr Teilnehmer kämen und regelmäßig blieben.“ Das Projekt richtet sich an ausländische Bürger, die Deutschkenntnisse haben, denen aber die Möglichkeiten fehlen, sich in Deutsch zu unterhalten. Der Kurs ist freiwillig und kostenlos.
„Wir machen es uns immer gemütlich mit Tee und Keksen und dann wird erzählt“, so Lundbeck. Manchmal gibt er Gesprächsthemen vor, doch die meiste Zeit entwickeln sie sich von selbst. Drei bis sechs Leute nehmen im Schnitt derzeit an Frank Lundbecks Kurs teil. Sie kommen aus China, der Türkei, Pakistan, dem arabischen Raum oder aus Afrika. „Es ist aber kein Deutschunterricht. Wir bieten nur den Rahmen um Deutsch zu sprechen“, betont der 67-Jährige. Dabei achte er trotzdem auf die richtige Satzstellung und helfe, wenn Vokabeln fehlen. „Es ist schön, so viel über die Heimatländer der Menschen zu erfahren. Zum Beispiel über die Frühjahrs-Riten im Iran.“ Deutschkenntnisse verbessern und kultureller Austausch – ein Projekt das Lundbeck voll und ganz unterstützt.
Auch die Belange des Stadtteilrats Barmbek-Süd unterstützt der zweifache Vater und fünffache Großvater mit viel Engagement. Ende des Jahres läuft die finanzielle Unterstützung der Stadt aus. „Damit fällt auch die Stelle unseres Büroleiters Peter Reinhold weg. Dagegen werden wir uns massiv wehren. Das ist unsere nächste große Aufgabe“, so Lundbeck. „Es ist schwer ohne personelles Rückgrat die Interessen der Bürger zu vertreten.“ Reinhold ist der einzige hauptamtliche Mitarbeiter im Stadtteilrat, organisiert und verwaltet ihn, gibt ihm Struktur.
„Ich wollte mich im Stadtteilrat engagieren um meinen neuen Stadtteil besser kennenzulernen und zu erfahren, was hier passiert“, erzählt Lundbeck, der 2008 von Ottensen nach Barmbek zog und sich hier sehr wohl fühlt. „Wir sind ein Forum für die Bürger, die mit ihren Sorgen oder Vorschlägen zu uns kommen können.“ Ein großes Thema des Stadtteilrates ist bezahlbarer Wohnraum. „Hier haben wir schon einige Erfolge verbuchen können. Und das wollen wir auch weiterhin.“ (sl)
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