Amtsgericht Barmbek: Deal mit Briefmarken

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Mehr als 100.000 Euro sollen veruntreut worden sein. Siegfried B., ehemaliger Finanzabteilungsleiter von „Plan International“, steht deshalb vor Gericht Symbolfoto: thinkstock

Betrug bei der Kinderhilfsorganisation Plan International?

Von Marin Jenssen
Barmbek
Vor dem Amtsgericht Barmbek geht es um Geld, das für Kinder in der Dritten Welt bestimmt ist. Mehr als 100.000 Euro sollen veruntreut worden sein. Siegfried B. (67), ehemaliger Finanzabteilungsleiter der Deutschlandfiliale von „Plan International“ an der Bramfelder Straße, muss sich deshalb vor dem Gericht verantworten. Das Geld ging in Form von unfrankierten Briefmarken bei der Kinderhilfsorganisation ein. „Plan“ vermittelt Patenschaften für Kinder in Afrika, Asien und Lateinamerika. Die Paten aus Deutschland schicken die Briefmarken an die Organisation, damit Geschenke, mit denen sie „ihre“ Kinder erfreuen wollen, weitergeleitet werden können.

Etwas läuft schief

Da die Geschenke aber in Sammelcontainern in die verschiedenen Kontinente verschickt werden, kann „Plan“ die Briefmarken verkaufen. Der Erlös soll in anderer Form den Kindern zu Gute kommen. Doch in der Finanzabteilung der Organisation soll es bei dem Verkauf der Briefmarken Unregelmäßigkeiten gegeben haben.

114.000 Euro veruntreut


Die Staatsanwaltschaft wirft Siegfried B. vor, in der Zeit vom 30. Juni 2008 bis 28. Oktober 2011 insgesamt mehr als 114.000 Euro veruntreut zu haben. Der Angeklagte streitet die Vorwürfe ab, behauptet, er sei vielmehr einer Intrige zum Opfer gefallen. Im Jahre 2012 wurde die Kinderhilfsorganisation „Plan International Deutschland e. V.“ mit dem „Transparenzpreis“ ausgezeichnet. Der ehemalige Finanzbuchhalter ist stolz darauf. Er selbst habe viel dazu beigetragen, dass die Vorgänge in der Organisation transparenter wurden, behauptete er jetzt vor Gericht.

Immer Barzahlung

Der Angeklagte selbst hielt offensichtlich nicht viel von Transparenz an seinem Arbeitsplatz. In die Geschäfte mit den Briefmarken weihte er die Kollegen kaum ein. „Ich habe in einer Excel-Tabelle alle Eingänge aufgeführt“, berichtet er. Allerdings wurden die Tabellen nicht ablegt. Die Marken verkaufte er an einen Händler, der einen Abschlag von 16 bis 18 Prozent einbehielt. Das Geld für die Marken wurde bar an Siegfried B. übergeben. Das eingenommene Geld kam in eine Kasse in der Buchhaltung. Ob Siegfried B. dort wirklich die kompletten Summen aus dem Verkauf ablieferte, ist die Frage. Im Prozess müssen noch zahlreiche Zeugen vernommen werden. So ist für den 28. Januar der Briefmarkenhändler vorgeladen. Das Urteil fällt wohl erst im Februar.
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