Kilometerlange Graffiti-Spur bis Berne

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Künstlerisch wertvoll? „Fans“ besprühten auch Telekom- und Postverteilerkästen Foto: tel

Großflächige Schmierereien sind ein Problem für den Bezirk. Die Hochbahn fährt mit erfolgreicher Strategie

Von Michael Hertel
Berne/Bramfeld
Unbekannte HSV-„Fans“ haben zwischen Berne und Bramfeld, entlang des Straßenzuges Berner Allee, Pezolddamm, Berner Chaussee auf mehr als einem Kilometer Länge Straßenschilder, Laternenmasten, Telekom- und Postverteilkästen mit Graffiti verunstaltet. Die Beseitigung der Farbschmierereien dürfte zum Problem werden, denn die Zuständigkeiten sind kompliziert.
Das Phänomen Graffiti ist nach wie vor gravierend. In Hamburg gab es 2014 bei hoher Dunkelziffer mehr als 3200 angezeigte Taten. Da für die Beseitigung der Schäden grundsätzlich der Eigentümer der betroffenen Anlagen bzw. Gebäuden zuständig ist, existiert keine Statistik über die durch Graffiti verursachten Schäden in der Hansestadt. Allein die Hamburger Hochbahn (HHA) als ein besonders betroffenes Verkehrsunternehmen registrierte 2014 insgesamt 43.100 Vandalismusfälle (größtenteils Graffiti) mit einem Gesamtschaden von 1,8 Mio. Euro. Die Kosten konnten bei der HHA damit allerdings seit 2010 (2,5 Mio. Euro) reduziert werden. Die Hochbahn führt diesen kleinen Erfolg nicht zuletzt auf ihre Strategie der sofortigen Beseitigung von Schmierereien zurück. Pressesprecher Christoph Kreienbaum: „Bei uns verlässt kein beschmiertes Fahrzeug den Hof.“ Damit folgt die Hochbahn der wissenschaftlich untermauerten „Broken-Windows-Theorie“, nach der nicht entfernte Schmierereien (oder Zerstörungen) einer Verwahrlosung mit Folgetaten Vorschub leisten.
Die Strafverfolgung bleibt schwierig: Zwar wird das Farbsprühen seit einer Gesetzesverschärfung als Straftat eingestuft und mit bis zu zwei Jahren Gefängnis geahndet. Aber die Aufklärungsquote liegt beispielsweise in Hamburg bei nur 11,7 Prozent, und eine vor Jahren eingesetzte polizeiliche Ermittlungsgruppe existiert nach Auskunft der Behörde in dieser Form nicht mehr. Allerdings, darauf weist auch die Deutsche Bahn (bundesweite Vandalismusschäden: rund 30 Mio. Euro jährlich) hin, müssen Täter damit rechnen, neben der strafrechtlichen Verfolgung über 30 Jahre zivilrechtlich belangt werden zu können.
Im aktuellen Fall ist das Bezirksamt Wandsbek eingeschaltet. Pressesprecherin Lena Voß: „Leider passiert so etwas hier immer wieder. Die Wegeaufsicht macht sich ein Bild von den Schäden. Zuständig für die Beseitigung ist bei den Laternen der Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer (LSBG) beziehungsweise Vattenfall, bei Papierkörben die Stadtreinigung, bei Straßenschildern und Verkehrszeichen das Bezirksamt.“ Ihr Rat: Die Geschädigten sollten Strafantrag bei der Polizei stellen.
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