Prozess um Barmbeker Kofferleiche

Anzeige
Prozess um Leiche im roten Rollkoffer hat begonnen Symbolfoto: thinkstock

War Totschlag oder Selbstmord? Reno G steht wegen Totschlag vor Gericht

Barmbek Es ist ein Fall, der die Bürger in Barmbek gruseln lässt und der immer noch für viele Fragezeichen sorgt. Am Abend des 12. Mai fand die Polizei bei der Durchsuchung einer Wohnung in der Tischbeinstraße die Leiche einer Frau, die in einem roten Rollkoffer versteckt war. Bei der Toten handelte es sich um Silke M. (49). Ihr Lebensgefährte Reno G. (50), der betrunken in der Küche neben dem Koffer saß, wurde festgenommen. Vor dem Hamburger Landgericht muss sich Reno G. nun wegen Totschlags verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor: „Der Angeklagte hat in der Nacht zum 9. Mai seiner Freundin, mit der er in Streit geraten war, ein Messer in das Herz gestochen.“ In der Anklageschrift heißt es weiter: „Sein Versuch, den Koffer mit der Leiche aus der Wohnung zu transportieren, scheiterte, weil der Griff des Koffers abbrach.“ Besonders gruselig: Silke M. saß über zwei Tage tot am Küchentisch, bis Reno G. den Anblick und den Geruch nicht mehr ertragen konnte. Er holte den Koffer vom Dachboden, um seine Freundin darin zu verstauen. Vor Gericht gibt der Angeklagte zu: „Ja, ich habe den Koffer geholt. Was ich dann getan habe, weiß ich nicht mehr. Ich bin froh, dass ich mich nicht an Einzelheiten erinnern kann.“ Er streitet ab, seine Freundin getötet zu haben und behauptet, dass sie sich selbst das Messer ins Herz gestoßen hat. Sie sei sehr krank gewesen, habe an Epilepsie gelitten und habe schon früher Selbsttötungsabsichten geäußert. Ausführlich schildert Reno G. vor Gericht, wie seine Beziehung zu Silke M. verlaufen ist. Beide stammen aus der ehemaligen DDR, lernten sich vor 30 Jahren in Ahrenshoop auf dem Darß kennen. Sie verloren sich danach aber aus den Augen. Über eine Suche im Internet habe er sie vor vier Jahren wiedergefunden. Sie zog zu ihm nach Hamburg. Es sei eine große Liebe gewesen. Einziges Problem, der Alkohol. Beide hätten übermäßig viel getrunken. Dadurch sei es manchmal zum Streit gekommen. Am Abend des 8. Mai sei er gegen 22.30 Uhr ins Bett gegangen. Seine Freundin blieb in der Küche sitzen, wollte noch etwas trinken. Als er am nächsten Morgen aufstand, habe er sie tot auf dem Küchenstuhl gefunden. Reno G.: „Mir ist klar, ich hätte sofort die Polizei rufen müssen. Aber es gingen mir Tausend Sachen durch den Kopf. Ich bekam Herzrasen und Schweißausbrüche und habe mir dann erst mal Alkohol besorgt.“ Der Prozess wird fortgesetzt. Mit dem Urteil ist erst Ende Januar 2017 zu rechnen. (je )
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige