Rugbyspielerin schwingt Hanteln

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Josephine Pora brachte die 12 Kilo schwere Kungelhantel in zehn Minute 209 Mal zur Hochstrecke. Foto: Thomas Hoyer

Kettlebell: Josephine Pora holt Titel bei den Jugend-Europameisterschaften

Barmbek. Jubel beim Atleth-enclub Hamburg: Bei den diesjährigen Jugend-Europameisterschaften im Kettlebell, dem einarmigen Reißen und beidarmigen Stoßen von Kugelhanteln, holte Josephine Pora den Titel in der Gewichtsklasse über 58 Kilogramm.
Die EM, die vor kurzem im lettischen Talsi stattfand, war die erste große internationale Herausforderung für die 14-jährige Schülerin, eine Rugbyspielerin des FC St. Pauli, die mit ihren Mannschaftskameraden beim Athletenclub Hamburg Krafttraining betreibt und bei den Übungen mit der Kugelhantel so viel Talent zeigte, dass ihr Trainer Johann Martin schon bald von einer EM-Teilnahme sprach.
„Zunächst lag mir der Gedanke allerdings etwas fern, obwohl Kettlebell genau der richtige Sport ist, um Ausdauer und Kraft zu trainieren, ohne dabei den Muskelaufbau zu stark zu fördern“, so Josephine. „Nach meiner erfolgreichen Premiere bei den Deutschen Meisterschaften, wo ich den Titel gewann, habe ich dann aber zugestimmt und mich entsprechend vorbereitet.“ Genau die richtige Entscheidung, wie sich in Talsi herausstellen sollte, obwohl der 60 Kilogramm schweren Hamburgerin vor Beginn des Wettkampfs etwas mulmig wurde, als sie eine ihrer Gegnerinnen sah, die satte 94 Kilogramm auf die Waage brachte. „Sie wollte mich anscheinend durch ihr Aufwärmprogramm mit schweren Gewichten einschüchtern“, erzählt Josephine.
Seltenes Talent
„Das ist ihr auch gelungen.“ Doch dann bewies Deutschlands einzige EM-Starterin in Lettland, dass beim Kettlebell Kraft längst nicht alles ist, sondern die Technik eine mindestens genauso wichtige Rolle spielt.
Innerhalb der vorgeschriebenen Zeit von zehn Minuten brachte sie in der Disziplin „Reißen“ die zwölf Kilogramm schwere Kugelhantel mit einmaligem Handwechsel in einem Armzug nicht weniger als 209 Mal zur Hochstrecke, so oft wie keine andere Teilnehmerin. „Eine Klasseleistung“, so Trainer Johann Martin. „Josephine hat sich in den vergangenen Monaten technisch ernorm verbessert und auch taktisch alles richtig gemacht, indem sie sich ihre Kräfte gut eingeteilt hat, was bisher nicht immer der Fall war. So ein Talent wie sie gibt es wirklich selten.“
Eigentlich hatte der Coach, der in seinem 2009 gegründeten Verein Gewichtheben und den vor allem in Osteuropa populären Kettlebellsport anbietet, noch auf eine zweite Medaille gehofft, doch Jan-Niklas Wahrenburg, der im Juni Deutscher Meister im Zweikampf (Reißen und Stoßen) geworden war und letztes Jahr EM-Bronze geholt hatte und deshalb zu den Favoriten gehörte, musste aufgrund einer Erkrankung passen.
Aber schon in acht Monaten kann Jan-Niklas seine Klasse vor eigenem Publikum beweisen, wenn der Athletenclub Hamburg im Leistungszentrum Osterbekstraße die nächsten Europameisterschaften veranstaltet (26.-29. Juli 2013), bei denen auch Josephine wieder zur Kugelhantel greifen möchte, um ihren Titel zu verteidigen. (th)
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