„Casting-Shows? Finde ich gut“

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Der Geschäftsführende Direktor der SängerAkademie Hamburg, Klaus Peter Samson, wünscht sich zu seinem70sten Geburtstag mehr Engagement der Stadt für sein gemeinnütziges InstitutFoto: Kockzin/hfr

Interview mit Klaus Peter Samson, Sänger Akademie, zum 70. Geburtstag

Horn. Ein Leben für die Musik: Klaus Peter Samson ist Geschäftsführender Direktor der gemeinnützigen Gesellschaft Sänger Akademie Hamburg. Seit 1990 führt er das Institut, das als erfolgreich und weit über die Grenzen Hamburgs hinaus bekannt ist, Nachwuchstalente in den Bereichen Laiengesang, professionellen Chor- und Popgesang ausbildet. Anlässlich seines 70. Geburtstages sprach das WochenBlatt mit dem stark im Stadtteil Horn verwurzelten Jubilar.

WochenBlatt: Seit 23 Jahren bietet die Sänger Akademie Laien und angehenden Profis die Möglichkeit, sich als Sänger schulen zu lassen. Sie selbst sind ausgebildeter Opernsänger und lange aktiv gewesen. Jetzt sind Sie 70 Jahre alt geworden. Singen Sie noch?

Klaus Peter Samson: Ich habe bis Mitte der 80er Jahre als Konzertsänger 20 Jahre lang das gesamte klassische Konzertrepertoire vom geistlichen Konzert von Heinrich Schütz bis hin zum Verdi Requiem, aber auch gastweise Fachpartien in der Oper singen dürfen: etwa den Titus in Mozarts gleichnamiger Oper oder den Male Chorus in Brittens „Raub der Lukretia“ . Die Gesangsliteratur von Benjamin Britten hat es mir besonders angetan, gehörten doch der englische Tenor Peter Pears zusammen mit dem ebenfalls überragenden international anerkannten Hamburger Charaktertenor Helmut Melchert zu meinen großen Vorbildern. Helmut Melchert habe ich, sozusagen als sein Nachlass, mit zu verdanken, dass ich mich ganz auf mein Talent als Gesangpädagoge konzentriert habe.

WB: Im Alter verändert sich die Stimme. Könnten Sie heute noch auf der Bühne stehen?

Samson: Natürlich verändert sich die Stimme in einem Sängerleben, ein gutes Beispiel ist der Tenor Jürgen Sacher von der Hamburgischen Staatsoper, der bei mir in seiner Anfängerzeit den Tenorpart in Rossinis Messe Solennelle zusammen mit dem Studiochor an der Sänger Akademie gesungen hat und der jetzt am Theater oder auch in der 02 World Arena mit großen Verdiarien brilliert. Es ist deshalb für den Nachwuchs so wichtig, seine Stimme langsam zu entwickeln zu lassen und in den Anfängerjahren nicht zu viel zu wollen. Ob ich heute noch auf der Bühne stehen könnte, möchte ich verneinen. Mit 70 Jahren trat Helmut Melchert bei den Salzburger Festspielen ab, Harald Stamm stand vor zwei Jahren in den Meistersingern von Nürnberg in Hamburg zuletzt auf der großen Opernbühne. Ich denke, das ist der richtige Zeitpunkt, eine Zäsur zu setzen. Operettensänger wie Johannes Heesters bleiben da besondere Ausnahmen.

WB: Was halten Sie von Casting-Shows? Gibt es ein Format, dem Sie etwas abgewinnen können?

Samson: Casting-Shows haben durchaus ihre Berechtigung, wenn es darum geht, einigen Hochbegabungen den Weg für eine Karriere zu öffnen. Man muss unterscheiden zwischen der Talentfindung und -förderung an der Basis und schon fast fertigen Showtalenten, die auf die Bühne drängen. Wenn ich als Musiker und Sänger auf der Bühne mein Geld verdienen will, brauche ich in der Regel zunächst eine gute musikalische Grundausbildung. Darauf sollten alle Talentscouts besonders achten. Deshalb ist der seit über 20 Jahren in Hamburg von der SängerAkademie ausgeschriebene SONGLive Creativ Wettbewerb an der Basis ein guter Weg, seine Möglichkeiten für den Sängerberuf auszuloten. Der Wettbewerb wird alljährlich vom NDR, Tide und vom Hamburger Wochenblatt mit unterstützt und Nachwuchssänger und –sängerinnen können ihre Bewerbung mit drei eigenen Songs noch in diesem Jahr bis zum 15. Mai 2013 der SängerAkademie einreichen.

WB: Welcher Ihrer Absolventen hat aus Ihrer Sicht die schönste Karriere gemacht?

Samson: Es gibt viele Absolventen der Sänger Akademie, die ihren Weg in die Professionalität genommen haben und hier auch glücklich sind. Alle hier Genannten sind mir lieb und teuer: Annette Walter, Komische Oper Berlin, Cille Ebling, Königliches Opernhaus Kopenhagen, Isabell Schmitt, Staatsoperette Dresden, Jörn Schümann und Gideon Poppe, Deutsche Oper Berlin, alles inzwischen gestandene Solisten oder als Berufschorsängerinnen wie auch Gesine Grube im NDR Chor tätig.
Im Popbereich haben sich die Hamburger Sängerinnen Julia Schilinski, Xenia Ortmann oder Eva Lüderitz oder Dimitris Liatsos im Popgeschäft ihren Platz erobert und sind inzwischen ebenfalls langjährige Dozenten an der Sänger Akademie. Anna Depenbusch oder die Kommunikationsexpertin Isabel Garcia, alles Preisträger unseres Nachwuchswettbewerbs, haben wertvolle Impulse mit nach Hause nehmen können. Gleiches gilt für den „Superstar“ Merzad Merashi aus Hamm-Mitte, der ebenfalls seine musikalischen Grundkenntnisse an der Sänger Akademie erworben hat.

WB: Welche Bilanz ziehen Sie für die SängerAkademie?

Samson: Wir haben die SängerAkademie im Februar 1990 auf meine Anregung hin zusammen mit namhaften Medienexperten aus Musik und Wirtschaft gegründet. Wir haben für Hamburg eine Fachakademie geschaffen, die auf Hochschulniveau sowohl im Laien- wie im Berufsbereich ausbildet. Die Studiengänge Berufschorsänger und Popularmusik Gesang haben Modelllcharakter und sind vor allem für Studierende auf dem zweiten Bildungsweg eine große Berufschance, auch deshalb, weil die musikpädagogische Zusatzqualifikation als Singe- und Ensembleleiter, der Nachfrage nach gut ausgebildeten Musikpädagogen und –praktikern an den Gesamtschule Rechnung trägt.

WB: Was wünschen Sie sich für Ihre Institution und für sich ganz persönlich?

Samson: Die Sänger Akademie Hamburg nimmt im Hamburger Musikleben einen wichtigen Platz ein. Ich wünsche mir, dass es nicht nur bei anerkennenden Worten bleibt, sondern dass endlich auch finanzielle Zuwendungen folgen und die Sänger Akademie für die Zukunft abgesichert wird. (ust)
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