Er hat „Kultur im Koffer“

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Kulturbotschafter Gerhard Klußmeier hatte kürzlich einen Einsatz im Mehrgenerationenhaus an der Merkenstraße Foto: cm

Von Karl May bis Swing: Gerhard Klußmeier bringt Menschen Kultur nach Hause

Von Christa Möller
Billstedt
Wenn sich Gerhard Klußmeier auf den Weg nach Hamburg macht, hat er „Kultur im Koffer“. Der 76-Jährige engagiert sich seit Gründung beim gleichnamigen Projekt der evangelischen Kirche in Hamburg und Umgebung. Als einer von etwa 20 ehrenamtlichen Kulturbotschaftern besucht er Menschen, die nicht mehr an kulturellen Veranstaltungen, etwa Theater- oder Opernaufführungen oder Konzerten, teilnehmen können oder sich nicht mehr trauen. Unter zahlreichen Themen können Interessierte auswählen. Vier verschieden gefüllte Koffer bietet Gerhard Klußmeier an. „Karl May – Überraschendes aus seinem Leben“, heißt eines, ein anderes „Billy Jenkins, Tom Prox und Co. – Groschenhefte der Nachkriegszeit“. Wohl 1.000 dieser Wildwest-Romane habe er seit Ende der 1960er Jahre gesammelt, dazu auch einige Raritäten wie Originalzeichnungen von Illustrator Günther Rohde. „Das waren in den 1950er Jahren die angesagtesten Groschenhefte“, weiß Klußmeier, der dazu schon in Leipzig, Ahrensburg und in Lüneburg ausgestellt hat. Sogar Briefe der Autoren befinden sich in seinem Besitz.
Begonnen hat seine Sammelleidenschaft mit Karl May. Dessen Werke hat er in der Jugend gelesen, später interessierte ihn mehr das Bibliographische und er begann, Erstausgaben zu sammeln. „Die heutigen Ausgaben sind nicht original, die sind bearbeitet“, weiß der Niedersachse, der in Rosengarten wohnt und unter anderem die 33 berühmten grünen Bände besitzt, die zwischen 1892 und 1912 erschienen sind. Thema seines Kulturkoffers ist allerdings die siebentägige Wendland-Reise, die Karl May 1898 unternahm. „Diese Reise zeige ich in Form einer Power-Point-Präsentation mit Bildern, Landkarten und Fotos, da kann man ganz lebendig erzählen, wo er gewohnt und was er erlebt hat.“
Sein dritter Kulturkoffer ist Komiker und Schauspieler Heinz Erhardt gewidmet. Kleine Sketche führt Klußmeier dazu vor.
Und schließlich Koffer Nummer vier: „Jazz mit Swing“. Unterhaltsam geht es dabei zu, kleine Filmchen zu Hamburger Bands, aber auch zu Chris Barber oder Louis Armstrong hat er dabei, denn „die älteren Leute, die man so besucht, haben ja kaum Zugang zum Internet, da ergeben sich die interessantesten Kontakte“, sagt Klußmeier, der durch einen Zeitungsartikel auf „Kultur im Koffer“ aufmerksam geworden war. Zum Thema „Jazz mit Swing“ referierte er, ausgerüstet mit seinem Laptop, vor zwei Jahren bei einer Dame in Billstedt. „Da habe ich das mal ausprobiert.“ Einen passenden Filmausschnitt hatte er damals auch dabei: aus „Die oberen Zehntausend“ mit Bing Crosby und Louis Armstrong. Die Gastgeberin war begeistert. In diesem Jahr war der Journalist und Buchautor bereits elfmal unterwegs. Wenn größere Gruppen zu besuchen sind, hat er neben dem Laptop noch einen Beamer dabei. Sein jüngster Einsatz führte ihn auf Hausbesuch zu einem Jazzfreund, der früher gern in den Cotton Club gegangen ist, aber nun im Rollstuhl sitzt und nicht mehr dorthin fahren kann. CD’s hören, sich unterhalten, einen schönen Nachmittag erleben, das erfreute beide Männer. „Es liegt in der Sache selber, die Leute sind zufrieden, sie freuen sich. Man bringt das zu anderen, was einem selbst gefällt“, sagt Klußmeier, der die Redaktion des viermal jährlich erscheinenden Jazz-Magazins „Swinging Hamburg Journal“ leitet, sich im Vorstand des gleichnamigen Vereins engagiert und eine Rundfunksendung im Hamburger Lokalradio macht. Eine bis zwei Stunden, je nach Thema, dauert der Besuch des Kulturbotschafters.

Weitere Informationen bei Projektkoordinatorin Heidrun Wörle, 519 00 08 27, www.kultur-im-koffer-hamburg.de
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