„Satire ist nur ein Affe im Kopf“

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Besuch bei Henning Venske in Hohenfelde. Im Januar tritt der Kabarettist in Alma Hoppes Lustspielhaus auf

Von Martin Jenssen
Hamburg
Das Böse für „Lallbacken“ lauert in Hohenfelde. „Lallbacken“, das sind Leute, die haufenweise dumme Sprüche von sich geben, vornehmlich Politiker aller Couleur. Enttarnt und „aufgespießt“ werden diese „Lallbacken“ von dem Kabarettisten und Schriftsteller Henning Venske, der seit 35 Jahren im Stadtteil lebt und arbeitet. Radikal, scharfsinnig und sarkastisch analysiert Venske in seinen Büchern und bei seinen Auftritten die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Deutschland. Er ist eine Ausnahmeerscheinung unter den deutschen Kabarettisten. Auf Kompromisse ließ er sich nie ein, verzichtete lieber auf Karrieresprünge. So wurde er zum meistgefeuerten Moderator und Kabarettisten Deutschlands. Wer zum Beispiel den Satz: „Fernsehen macht blöde“ korrigiert und erklärt: „Korrekter wäre: Blöde machen Fernsehen?“ kann nicht erwarten, dass ihn die Intendanten der deutschen Fernsehsender herzlich in die Arme nehmen.
So ist es, was Rundfunk- und Fernsehauftritte angeht, in den letzten Jahren ruhig um Venske geworden. Er nimmt es gelassen. „Dadurch habe ich viel Zeit, um an meinen Büchern zu arbeiten“, erklärt der Satiriker. „Und vielleicht ergibt sich auch endlich wieder die Gelegenheit, Theater zu spielen, am liebsten in Hamburg.“
Als Schriftsteller war er in den vergangenen Jahren ungemein fleißig: Vier Bücher (insgesamt über 1.000 Seiten) entstanden seit 2011. Das erste Buch erschien unter dem Titel „Lallbacken“ mit dem Untertitel „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“. „Es war für mich das Überraschungsbuch des Jahres“, schrieb der Literaturkritiker Fritz J. Raddatz. „Niemand hat mit so gnadenlosem Hohn und Spott den Sprachmüll unserer Obrigkeit eingesammelt und vorgeführt wie Autor Henning Venske. Von Stoibers „Der Vater des Wunsches ist der Gedankengang“ über Frau Merkels „Man darf das Zeitfenster nicht verstreichen lassen“ – ein wahrhaft zündendes Kompendium des Irrsinns, den unsere Politiker so scham- wie gedankenlos täglich ablaichen.“ Es folgte die Biographie „Es war war mir ein Vergnügen“. Dazu der Publizist Wolfgang Lieb: „Was Henning Venske bietet ist Oral History im besten Sinne, nämlich erzählte deutsche Geschichte seit dem Ende der Nazizeit bis hin zur zeitkritischen Satire und zum bissigen Kabarett heutiger Tage. Lebendige Erzählkunst eines Zeitzeugen, der mit Gelächter die Mächtigen zur Strecke bringen will.“
Das dritte Buch: „Die Termiten“, eine wahre Kriminalgeschichte über die „feine Gesellschaft“ einer westdeutschen Großstadt. Der Roman fußt auf Recherchen des im vergangenen Jahr verstorbenen Hamburger Enthüllungsjournalisten Günter Handlögten. Vor wenigen Wochen erschien im handlichen Format das Buch „Satire ist nur ein Affe im Kopf“ in dem Venske mit zahlreichen aktuellen Seitenhieben auf die zur Zeit agierenden Politiker erläutert, was Satire ist, was sie darf und wie sie sich im Laufe der Geschichte entwickelt hat. Alle vier Bücher sind im Westend Verlag (Frankfurt/Main) erschienen.

Tournee mit neuem Programm


Zur Ruhe setzen will sich der 76-jährige Satiriker noch lange nicht. Im Januar geht es wieder auf Tournee mit dem Kabarett-Programm „Das war‘s! War‘s das?“, ein satirischer Rückblick auf das Jahr 2015. Danach freut er sich wieder auf Hohenfelde. „Hohenfelde ist ein kleiner aber angenehmer Stadtteil, in dem meine Familie und ich sehr nett eingebunden sind. Und ich freue mich nach meiner Tournee auf ein Essen bei meinem Lieblingsitaliener“, so Venske.

Weitere Auftritte: 2. bis 10. Januar in „Alma Hoppes Lustspielhaus“, Ludolfstraße 53, am 13. Januar im „Brakula“, Bramfelder Chaussee 265, am 14. Januar im Bergedorfer Kulturzentrum LOLA, Lohbrügger Landstraße 8
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