Als die Straßenbahn zwischen Hamburg und Schiffbek fuhr

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Anfang des vorigen Jahrhunderts fuhr in Billstedt die Straßenbahn Fotos: Geschichtswerkstatt
 

Hamburg. Vor 100 Jahren, am 26. Mai 1914, ging in Billstedt die Straßenbahn in Betrieb. Sie fuhr bis Mitte der 1960er Jahre. Ralph Ziegelbalg, Leiter der Geschichtswerkstatt Billstedt, erinnert an jene Zeit.

Heutzutage ist es selbstverständlich, von Billstedt mit der U-Bahn in die Innenstadt oder mit dem Bus in Richtung Wandsbek oder Bergedorf zu fahren. Das war nicht immer so. Zwar nahm die Hamburger U-Bahn im Jahr 1912 ihren Betrieb auf, doch zunächst gab es lediglich den Innenstadtring sowie zwei Zweiglinien nach Eimsbüttel und nach Rothenburgsort. In Richtung des heutigen Billstedt, das erst 1927 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Schiffbek, Kirchsteinbek und Öjendorf entstand und damals noch zu Preußen gehörte, gab es lediglich eine Straßenbahnlinie, die am Letzten Heller in Horn endete. Wer bis dorthin nicht zu Fuß laufen oder das Fahrrad nehmen wollte, konnte gegen ein kleines Entgelt einen Pferdeomnibus besteigen, der bis nach Kirchsteinbek fuhr.
Dies änderte sich am 29. Mai 1914, als der neue Streckenabschnitt vom Letzten Heller bis nach Schiffbek in Betrieb genommen wurde. Nachdem die Straßenbahn, die als Linie 24 verkehrte, unter einigem Ächzen den Schiffbeker Berg an der Grenze zu Hamburg erklommen hatte, fuhr sie über die heutige Billstedter Hauptstraße bis zur Abzweigung der Möllner Landstraße. Dort umrundete sie das auf der Spitze gelegene Chausseehaus und kehrte auf der gleichen Strecke über Horn, das Berliner Tor, den Hauptbahnhof, die Mönckebergstraße und den Rathausmarkt bis zum Eppendorfer Markt zurück. Von morgens früh bis spät in die Nacht bestand nun alle 10 bis 20 Minuten eine bequeme Verbindung in die nahe Großstadt. Insbesondere für die zahlreichen Hafenarbeiter, die in Schiffbek wohnten, bedeutete dies eine erhebliche Erleichterung. In den Abendstunden waren die Zugführer auch gerne bereit, zwischen den Haltestellen zu stoppen und den Fahrgästen so den Heimweg zu verkürzen.

Die Sambawagen

Schiffbeks Anbindung an die Hamburger Straßenbahn hatte eine lange Vorgeschichte. Bereits 1901 war sie der Gemeinde von der Hansestadt zugesagt worden. Doch erst im April 1913 konnte die Schiffbeker Verkehrskommission den Vertrag mit der Hamburger Baudeputation unterzeichnen. Bereits zu Beginn der 1920er Jahre war die Schiffbeker Straßenbahn durch Busverbindungen nach Wandsbek, Bergedorf, Glinde und Neuschönningstedt ergänzt worden, die zunächst von Privatunternehmern betrieben und dann vom Kreis Stormarn, zu dem Schiffbek und dann auch Billstedt gehörte, übernommen wurden. Ab 1927 steuerte nicht mehr die Linie 24, sondern die von Bahrenfeld kommende Linie 31 Schiffbek an. 1931 kam mit der Linie 16 eine weitere Straßenbahnverbindung hinzu, die über den Rathausmarkt nach Stellingen führte und 1937 bis zu Hagenbecks Tierpark verlängert wurde. Die schweren Luftangriffe auf Hamburg im Zweiten Weltkrieg brachten auch den Straßenbahnverkehr vorübergehend zum Erliegen
Nach Kriegsende fuhren die legendären Sambawagen, die ab 1940 erprobt worden waren, ihren Namen der weichen Federung verdankten und fortan das Bild der Hamburger Straßenbahn prägen sollten, bis nach Billstedt. 1958 beschloss der Hamburger Senat, den Straßenbahnbetrieb nach und nach stillzulegen und den Busverkehr sowie die U- und S-Bahnen weiter ausbauen. Als Ende September 1969 die U-Bahn-Haltestelle Billstedt gemeinsam mit dem ersten Bauabschnitt des neuen Einkaufszentrums, das heute als Billstedt Center bekannt ist, eingeweiht wurde, war die Straßenbahn nach Billstedt bereits seit einem Jahr eingestellt. Wenig später wurde der Billstedter Knoten, die Abzweigung des Schiffbeker Wegs von der Billstedter Hauptstraße, umgestaltet. Der Schiffbeker Weg wurde auf vier Fahrspuren verbreitert und über die Moorfleeter Brücke nach Billbrook weitergeführt. Hierfür mussten die Bauten der Straßenbahn-Endhaltestelle sowie Teile der angrenzenden Bebauung weichen. So gibt es außer einigen Fotos nichts mehr, was an die einstmals für Billstedt so bedeutsame Straßenbahnanbindung erinnert. (wb)
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