Annas Rund-um-Betreuung

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Johann B. (83) und Anna beim gemeinsamen Domino-Spiel in der Küche. Die ausgebildete Pflegefachkraft kommt aus Polen und hat ein eigenes Zimmer im Haus Foto: ks

Der demenzkranke Johann (83) lebt zu Hause mit einer polnischen Pflegerin

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Rund 43.000 Menschen in Hamburg sind pflegebedürftig! In knapp 20 Jahren, so die Schätzungen von Experten, könnte diese Zahl auf 70.000 steigen. Für die Betroffenen und deren Angehörige stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Wer kümmert sich um den demenzkranken Vater, die pflegebedürftige Mutter? Senioren-Residenz, Pflegeheim oder doch häusliche Pflege durch ambulante Dienste? Im besten Fall werden Pflegebedürftige im heimischen Umfeld von Familien-Angehörigen betreut, vorausgesetzt, es ist genügend Platz vorhanden und auch die Zeit, um diese Aufgaben zu übernehmen. Immerhin: Knapp zwei Drittel der pflegebedürftigen Männer und Frauen haben das Glück, im Kreis der Familie umsorgt zu werden.

Allein nach 50 Ehejahren

Als Alternative zu einer Heim-Unterbringung hat sich aber auch eine 24-Stunden-Betreuung in den eigenen vier Wänden durch Pflegekräfte erwiesen – wenn denn die Vermittlung durch zugelassene, seriöse Agenturen erfolgt.
Christina Weishaupt (34) ist Inhaberin einer solchen Vermittlungsstelle. Seit gut vier Jahren stellt die Betriebswirtin aus Horn den Kontakt zwischen pflegebedürftigen Hamburgern und Pflegekräften aus Polen her. Sie wählt in Kooperation mit zwei polnischen Unternehmen die passenden Pflegekräfte aus, kümmert sich um die administrativen Formalitäten, steht sowohl den Pflegebedürftigen als auch den Betreuerinnen mit Rat und Tat zur Seite. Viele Pflegehelferinnen kennt sie inzwischen persönlich. Über 30 von Christina Weishaupt vermittelte Pflegekräfte sind aktuell bundesweit im Einsatz, viele davon in Hamburg  – zum Beispiel in Billstedt.

Johann B. ist 83 Jahre alt und lebt in einem gepflegten Siedlungshaus. Seine Frau Irmgard ist im Februar mit knapp 82 Jahren gestorben, von heut‘ auf morgen war der ehemalige Heizungsmonteur nach über 50 Jahren Ehe allein im Haus. Johann B. ist an Demenz erkrankt, im Anfangs-Stadium zwar, aber doch fällt ihm das Reden schwer. Seit Mitte August lebt Anna M. (67) aus Szczecin (Stettin) im Haus von Johann. Sie hat ein gemütliches Zimmer unterm Dach, TV-Gerät und Telefon, um mit ihrer Familie in Polen in Kontakt zu bleiben. Anna ist nach Miroslava und Jannina die dritte Betreuerin, die sich um den Billstedter kümmert.

Agentur-Chefin Christina Weishaupt erklärt: „Die Betreuerinnen sind fest bei unseren Kooperations-Partnern in Polen angestellt, dort werden auch alle Sozialabgaben, Krankenkassen-Beiträge und Steuern abgeführt. Als Nachweis für eine legale Beschäftigung erhalten wir für jede Arbeitskraft die sogenannte, allerdings zeitlich beschränkte, Entsende-Bescheinigung, ausgestellt von der polnischen Sozialversicherungsanstalt.“

Gemeinsames Kochen

Johann B. kommt mit „seiner“ Anna aus Polen gut zurecht. Sie hilft ihm beim Ankleiden, kocht für ihn, neben deutschen Gerichten, auch Borscht oder Bigos mit Sauerkraut, Wurst und Fleisch. Johann B. hilft, so gut es geht. „Kartoffel schälen gehört zu seinen Aufgaben!“, sagt Anna und lacht. Nach dem Essen wird gespielt (Domino), gelesen (meist aus der Zeitung) oder es geht hinaus zum Spaziergang. Zweimal in der Woche wird Johann B. morgens vom Roten Kreuz abgeholt, dann geht es jeweils für einige Stunden in eine Tagespflegestätte an der Möllner Landstraße. Schon seit 15 Jahren arbeitet Anna M. mittlerweile in der Seniorenbetreuung, davon über acht Jahre in Deutschland. Ihr Verdienst: 1.050 Euro netto sowie freie Unterkunft und Verpflegung.

Ralf B., der Sohn des pflegebedürftigen Vaters, hat seine Entscheidung für die 24-Stunden-Pflege im Elternhaus nicht bereut: „Mein Vater bleibt so in seinem gewohnten Umfeld, das ist wichtig für ihn und gibt mir ein gutes Gefühl!“ 1.670 Euro zahlt er monatlich für Annas Rund-um-die-Uhr-Betreuung. „Das ist es mir auch wert!“

Informationen über 24-Stunden-Pflege durch ausländische Pflegekräfte bei den Pflegeberatungsstellen sowie der Verbraucherzentrale.
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