Auszeit von Mega-Familie

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Jürgen Müller mit sechs seiner Kinder Foto: Schlichtmann
 
Entlastungs-Großmutter Christiane Bohm (65) mit den Geschwistern Anna-Lena (8) und Alexandra (12) Foto: Schlichtmann

Projekt „Entlastungsfamilien“ hilft Vater von sieben Kindern

Von Klaus Schlichtmann
Billstedt-Horn
Schon seit sieben Jahren wirken sie im Hintergrund, helfen dort, wo Familien Unterstützung brauchen. Sie entlasten Alleinerziehende oder sind zur Stelle sind, wenn Krankheit oder Stress die Mütter oder Väter zeitweilig überfordern. Die Rede ist von sogenannten Entlastungsfamilien, die sich im Bezirk Mitte um Kinder kümmern, deren eigene Familie durch alltägliche Probleme oder persönliche Umstände überfordert ist.
Diese zweite Familie begleitet und betreut die Kinder je nach Bedarf, ohne dass die Kinder ganz aus ihrer häuslichen Umgebung genommen werden. Das kann ein Tag in der Woche sein, ein Wochenende im Monat, in besonderen Situationen aber durchaus auch ‚mal eine Betreuung über mehrere Wochen am Stück. So erhalten Eltern Untersützung, die physisch und psychisch belastet und erschöpft sind und auf kein eigenes Netzwerk zurückgreifen können – grundsätzlich aber sehr wohl in der Lage sind, ihre Kinder selbst zu erziehen.
Christiane Bohm (65) aus Horn gehört seit vier Wochen zu den Entlastern – und Jürgen Müller (69) aus Billstedt ist froh, dass es sie gibt. „So kann ich es wenigstens einmal in der Woche etwas ruhiger angehen lassen“, sagt der ehemalige Spediteur. Der Rentner ist alleinerziehender Vater von sieben Kindern zwischen acht und 22 Jahren, sie gehen zur Schule oder sind bereits im Beruf – aber alle wohnen noch zu Hause „bei Papa“ auf 90 Quadratmetern in dreieinhalb Zimmern.

Volles Programm


„Es klappt alles ganz gut, wir sind ein eingespieltes Team“, lacht der fast 70jährige Familienvater – seine Frau und er haben sich nach 23 Jahren Partnerschaft vor acht Jahren getrennt. Damit die Organisation des Familienlebens bei den Müllers so gut klappt, steht der Rentner morgens um sechs auf. Zehn Minuten braucht er für sich, dann geht‘s los in den Alltag: Frühstück vorbereiten, die „Kleinen“ zur Schule fahren, Einkaufen, Staubsaugen, Gardinenwechsel, Mittagessen vorbereiten, Abwasch (ohne Geschirrspüler) und später gegen Abend das alltägliche Ritual – alle Schuhe putzen! So ein Mann ist dann am Ende des Tages dankbar für jede Untersützung – und die erhält er seit kurzem durch Christiane Bohm. Jeden Freitag nach der Schule kommen Anna-Lena (8) und Alexandra (12) – die beiden jüngsten Kinder des Rentners – für einige Stunden in die freundliche Wohnung der ehemaligen Krankenschwester. Dann spielen sie gemeinsam, machen in Ruhe ihre Hausaufgaben oder auch mal einen Ausflug, letzte Woche ging‘s nach Hagenbeck.

Aus Spaß am Helfen


Frau Bohm bekommt eine kleine Aufwands-Entschädigung dafür, aber das ist nicht der Grund für ihr Engagement: „Es bringt mir einfach Spaß, etwas für die Mädchen zu tun und ihnen auch etwas zu vermitteln!“ So ist durch das Projekt „Entlastungsfamilien“ beiden Seiten geholfen: dem Vater mit seinem 15 Stunden-Fulltime-Familienjob und der Betreuerin, die dem Rentner zumindest stundenweise ein wenig mehr Luft im Haushalt verschafft ...


Info:
Gerade im Bezirk Mitte werden weitere Entlastungsfamilien und auch einzelne Personen vom Landesbetrieb Erziehung und Beratung (LEB) gesucht. Nähere Informationen: Telefon 42854-2923, e-Mail: Entlastungsfamilien@hamburg-mitte.hamburg.de. Entlastungsfamilien bzw. -personen werden sorgfältig auf ihre Aufgabe vorbereitet.
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