Autofahrer nutzen Spielstraße als schnelle Abkürzung

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Das Spielstraßenschild am Fuchsbergweg steht direkt neben einer Hecke Foto: Timm
 
Im Sonnenland, einer 30er Zone in Billstedt, werden die Autofahrer zur Rücksicht aufgerufen Foto: Timm

Anwohner des Fuchsbergweges in Billstedt protestieren mit selbst gemalten Schildern

Von Frank Berno Timm
Billstedt
Anwohner des Fuchsbergweges haben penibel nachgemessen, wie schnell Autofahrer, die ihre Straße als Abkürzung nutzen, unterwegs sind. Nun fährt ab und an ein Streifenwagen hier entlang – aber Warnschilder, die die Nachbarn aufgestellt hatten, wurden abmontiert. Kerstin Ahlers-Stylianou hat sich an das Hamburger Wochenblatt gewandt. Seit zwei Jahren versucht sie, gemeinsam mit Nachbarn im Fuchsbergweg, dem Autoverkehr in der Spielstraße Herr zu werden – bislang vergeblich. Worum geht es? Für Autofahrer, die aus Jenfeld kommen und dem zugeparkten Fuchsbergredder ausweichen wollen, ist die Abkürzung durch den Fuchsberg- und Harry-Hartz-Weg ideal: Dass der Fuchsbergweg als Spielstraße ausgewiesen ist, dürften viele angesichts des dicht an einer Hecke stehenden Straßenschildes einfach übersehen. Die Mutter zweier Kinder beklagt nicht nur die durchfahrenden Pkw, auch der Lieferverkehr nehme zu und die Müllfahrzeuge halten sich wohl ebenfalls nicht an die Schrittgeschwindigkeit. Eine erste Initiative, die Straße umzubauen, hat die Polizei abgelehnt. „Das ist nicht nachvollziehbar“, sagt Kerstin Ahlers-Stylianou. Kein Kind könne auf dieser Straße spielen. Die Polizei habe sie und ihre Nachbarn aufgefordert, nachzuweisen, dass Autofahrer hier zu schnell unterwegs seien. Daraufhin installierten die Fuchsbergwegbewohner selbst höchst aufwendige Technik – Lichtschranken, Datenrekorder, ein Laptop für die Auswertung – und machten im letzten Jahr Messungen. Deren Auswertung ist geradezu penibel und liegt dem Hamburger Wochenblatt vor. Demnach hielten sich nur 26 Prozent aller Autos an die vorgeschriebene Geschwindigkeit. Im Schnitt wurde 15 km/h gefahren, der schnellste war sogar mit 44 km/h unterwegs. Größere Autos fuhren im Schnitt 20 km/h, kein einziger hielt sich an die Regeln. Zur Schulwegzeit (morgens zwischen 7 und 8 Uhr) wurde im Schnitt 15 km/h gefahren, der schnellste fuhr 36 km/h. Ein Fußweg, auf den man ausweichen könnte, fehlt. Die Datengrundlage ist zuverlässig: Gemessen wurde vom 20. Juni bis 4. Juli 2015, erfasst wurden 1.857 Autos. Kerstin Ahlers-Stylianou sagt, weniger Fahrzeuge würden es heute auch nicht sein: „Die Autos fahren definitiv schneller als erlaubt.“
Die Fuchsbergwegnachbarn machten ihre Messergebnisse der Polizei zugänglich. Rainer Lübbert vom Billstedter Kommissariat zollte in seinem Antwortschreiben „Respekt und Anerkennung“, rechnete aber vor, nicht einmal ein Fahrzeug pro Stunde fahre nach den Messungen der Nachbarn erheblich zu schnell. Die Polizei hatte selbst gemessen und kam zu ähnlichen Ergebnissen. Besonders empört ist die Fuchsbergweg-Anwohnerin darüber, dass nach einem Vororttermin mit Lübbert selbst gemalte Schilder durch die Behörden abmontiert wurden. Kann man mit einem heutigen Auto überhaupt die als Schrittgeschwindigkeit angenommenen 7 km/h fahren? Das ginge eigentlich nicht, antwortet Rainer Lübbert. Und er betont auch gegenüber dem Hamburger Wochenblatt, der weit überwiegende Anteil der Autofahrer sei nicht schneller als 20 km/h unterwegs – also dreimal schneller als erlaubt. Ein ähnlicher Satz findet sich auch in Lübberts Antwortbrief an die Anwohner und sorgte für eine Menge Verärgerung. Zusätzliche Schilder, wie von den Anwohnern gewünscht, seien rechtlich nicht möglich. Und Lübbert lässt durchblicken, dass die Polizei „lagebedingt“ durchaus in den Fuchsbergweg schaue – was Kerstin Ahlers-Stylianou auch bestätigt. Wolfgang Krüger, Erster Sachbearbeiter der Verkehrsbehörde bei der Polizei, sagt, selbst gemalte Schilder seien nicht zulässig, teilweise hätten diese auch auf öffentlichem Grund gestanden. Rainer Lübbert ergänzt, die Schilder hätten offiziellen Zeichen zum Verwechseln ähnlich gesehen. Wenn die Anwohner Schilder aufstellten, in denen die Autofahrer anders angesprochen würden, ließe man diese natürlich stehen.
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