Bekannte mit Bürostuhl erschlagen - zehn Jahre Haft

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Urteil nach Mord im Oststeinbeker Weg. Alem D. muss in eine psychiatrische Klinik, bevor er seine Haft antritt

Von Martin Jenssen
Billstedt. Alem D. (53) leidet an Verfolgungswahn. Durch seine Krankheit war er eine tickende Zeitbombe. Die „Explosion“ traf seine langjährige Bekannte Letizia M. (69). Die Mutter dreier Kinder und Oma von fünf Enkeln stattete dem gebürtigen Äthiopier Alem D. am 29. März ( Karfreitag) einen Besuch in seiner Wohnung im Oststeinbeker Weg 16 ab. Gemeinsam hatten Letizia M. und Alem D. gemütlich im Wohnzimmer geplaudert, als er plötzlich den Bürostuhl ergriff, auf dem er gesessen hatte und ihn seiner Besucherin mehrmals auf den Kopf schlug. Letizia M. erlitt mehrere Schädelbrüche und verblutete innerhalb weniger Minuten in der Wohnung ihres Bekannten.
Wegen Mordes wurde Alem D. jetzt von der Großen Strafkammer zwei des Hamburger Landgerichts zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Doch zuvor erfolgt die Einweisung in die geschlossene Abteilung eines psychiatrischen Krankenhauses. Ein Sachverständiger hatte erklärt, dass von dem Angeklagten weiterhin erhebliche Gefahr ausgeht.

Täter geständig

In dem Prozess hatte Alem D. die Tat gestanden. Am Freitagmorgen hatte er seine Bekannte, mit der er häufig Kontakt hatte, mittags an der U-Bahn-Station Merkenstraße abgeholt. Gemeinsam gingen sie zu seiner Wohnung. Er sollte ihr an diesem Tag helfen, in einem Asylantenheim nach einer Frau für ihren Sohn zu suchen, der krankheitsbedingt Betreuung benötigt.

„Heimtückischer Angriff“

In der Wohnung im Oststein-beker Weg telefonierte Letizia M. vom Sofa aus, auf dem sie Platz genommen hatte, mit ihrem Bruder, einem Professor und Schriftsteller. Dann reichte sie Alem D. den Hörer weiter. Der Professor fragte ihn, ob er seine Bücher kenne. Nach dem Gespräch sprang Alem D. unvermittelt auf, nahm den Bürostuhl und schlug damit auf seine Besucherin ein. „Das ‚Warum‘ dieser Tat bleibt weiterhin völlig unverständlich. Sie ist nur vor dem Hintergrund Ihrer Krankheit erklärlich“, so die Vorsitzende Richterin Petra Wende-Spors während der Urteilsbegründung. Der Angeklagte, in Äthiopien geboren, der aber schon lange die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, fühlte sich verfolgt. Während seiner Vernehmung erklärte er, dass er Angst gehabt habe, abgeschoben oder entführt zu werden. Möglicherweise glaubte der Angeklagte, dass Letizia M. in ein „Intrigenspiel“ gegen ihn verbunden gewesen sei. Nach dem Mord flüchtete er nach Frankfurt. Dort stellte er sich am 8. April der Polizei. Alem D. hatte vor seiner Flucht die Wohnung aufgeräumt, die Vorhänge zugezogen. Als die Polizei die Leiche zehn Tage nach der Tat in seiner Wohnung fand, brannte im Wohnzimmer Licht und der Fernseher lief.
Die Richterin: „Es war Mord, denn der Angriff erfolgte heimtückisch. Das Opfer konnte nicht damit rechnen, mit einem völlig atypischen Mordwerkzeug, einem Bürostuhl, erschlagen zu werden.“ Weil der Angeklagte die Tat im Zustand einer eingeschränkten Steuerungsfähigkeit beging, wurde er nicht zu lebenslanger Haft, sondern „nur“ zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
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