Bewährungsstrafe für Blindenhund-Dieb aus Hamburg

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Der Angeklagte im Gerichtssaal Foto: TVR-News/wb
 
Zeuge Stephan M. mit seinem Blindenhund Julie auf dem Weg in den Gerichtssaal Foto: TVRnews/wb

Üble Tat auf der Dannerallee. Angeklagter Theodor L. ist alkoholkrank

Von Martin Jenssen
Hamburg. Während der Verhandlung im Amtsgericht St. Georg tauchte diese Frage „Wer macht denn so was, einem Blinden den Blindenhund klauen?“ immer wieder auf. Der alkoholkranke ehemalige Landschaftsgärtner Theodor L. (58) hat zur Überzeugung von Staatsanwaltschaft und Gericht die Tat begangen. Am Mittwoch, 22. Januar, soll er morgens gegen 6.45 Uhr in der Dannerallee die Blindenhündin Julie, mit der ihr blinder Besitzer Stephan M. (51) gerade spazieren ging, von der Leine gelöst und sich mit dem Tier entfernt haben. Der Wert des Hundes beträgt 23.750 Euro. Wegen Diebstahl in einem besonders schweren Fall verurteilte das Gericht Theodor L. zu acht Monaten Gefängnis. Die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt.
Am Morgen des 22. Januar war der Beamte Stephan M. mit Julie beim Gassi gehen. „Plötzlich spürte ich einen Ruck an der Leine, und der Hund war verschwunden. Ich hatte nur noch die Leine in der Hand“, berichtet er als Zeuge vor Gericht. Er habe erst nach dem Hund und dann laut um Hilfe gerufen. Ein Bekannter brachte den hilflosen Blinden nach Hause.
„Von alleine hat sich der Hund nicht losgerissen, das schließe ich aus“, erklärte der blinde Zeuge dem Gericht. Seine Hündin Julie, die er glücklicherweise zwei Tage nach der Entführung wiederbekam, hatte ihn in den Gerichtssaal begleitet.
Am Abend bevor ihm der Hund geklaut worden war, hatte Stephan M. eine merkwürdige Begegnung im Penny-Markt an der Dannerallee.
Vor Gericht erklärt er: „Von hinten sprach mich ein Mann an und sagte: Der Hund ist ja viel zu mager. Du musst deinem Hund mehr zu fressen geben und nicht selber so viel essen“. Auf Nachfrage des Staatsanwalts erklärte der blinde Zeuge im Gericht: „Es könnte die Stimme des Angeklagten gewesen sein.“ „Warum hat der Hund sich nicht gewehrt oder gebellt, als er entführt wurde“, möchte das Gericht von dem blinden Zeugen erfahren. Stephan M.: „Blindenhunde sind so erzogen, dass sie zu jedermann freundlich sind und nicht bellen!“ Die Meldung von dem geklauten Blindenhund ging am kommenden Tag durch alle Medien. Einen Tag später erinnerte sich das Ehepaar Sieglinde und Jens K. an diese Nachricht. In der Straße Bei den Tennisplätzen begegneten sie einem Mann mit einem Schäferhund, der genau so aussah, wieder der verschwundene Blindenhund. Sie informierten die Polizei und erkannten in einer Steckbriefkartei den mehrfach vorbestraften Angeklagten als „Halter“ des Hundes wieder.
Theodor L. bestritt nicht, dass er mit dem Hund im Kleingartengelände an der Horner Rennbahn unterwegs war. Er bestreitet aber den Hundediebstahl. „Ich schwöre bei Gott“, so der Angeklagte, „dass ich den Hund nicht geklaut habe. Ich nehme doch einem Blinden den Hund nicht weg!“ Theodor L. behauptet, den frierenden und völlig durchnässten Hund am Mittwochabend in einem Hinterhof auf der Manshardstraße gefunden zu haben. „Ich nahm den Hund mit nach Hause, habe ihn trocken gerubbelt und ihm ordentlich zu fressen gegeben“, sagt der Angeklagte. Er sei aber am nächsten Tag zu besoffen gewesen, um seinen Fund bei der Polizei oder im Tierheim zu melden.
Am Freitag habe er gerade das Tierheim Süderstraße anrufen wollen, um mitzuteilen, dass er einen Hund vorbeibringen werde, als die Polizei bei ihm zur Hausdurchsuchung eintraf. Sie fanden Julie bei Theodor L. und konnten die Hündin dem überglücklichen Besitzer zurückbringen.
Zur Begründung des relativ milden Urteils führte der Richter aus: „Der Angeklagte hat die Tat vermutlich unter heftigem Alkoholeinfluss begangen. Der wertvolle Hund kam nach relativ kurzer Zeit zu seinem Besitzer zurück. Außerdem wurde Julie während ihrer Gefangenschaft gut behandelt.“ (je)
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