Bildung in jedem Brötchen

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Lorita (10, l.) und Ilayda (10) kümmern sich um den Waffel-NachschubFoto: bez
 
Irene Ekhorutomwen und ihre Kollegin Aurelia Pertek (mit Brille) inmitten ihrer Projektschüler im MoccafeéFotos: bez

Schülerprojekt „Moccafeé“ ist deutschlandweit richtungweisend

Von Malte Betz
Billstedt. In jeder Waffel steckt etwas Wissen und in jedem Brötchen ein wenig Bildung – im „Moccafeé“ schmeckt Schule mal so richtig lecker!
Das Schülercafé der Ganztagsgesamtschule Mümmelmannsberg (gsm) ist Ende vergangener Woche als „Bildungsidee“ im bundesweiten Wettbewerb „Ideen für die Bildungsrepublik“ ausgezeichnet worden. Mit der Würdigung sollen Projekte gefördert werden, die sich in herausragender und nachahmenswerter Weise für mehr Bildung von Kindern und Jugendlichen einsetzen.
So wie das von Aurelia Pertek. 2006 hatte die Sonderpädagogin, gemeinsam mit ihrer Kollegin Irene Ekhorutomwen, die Idee zu einem lebensnahen und praktischen Lernprojekt für benachteiligte Schüler in Form eines Schülercafés. „Meine ersten 30 Hobbys habe ich hier vereint“, sagt sie nach der Preisverleihung lächelnd und deutet die privaten Mühen und Widerstände im Schulbetrieb an, die mit der Verwirklichung der Idee anfangs verbunden waren.
In dem gemütlichen Gastronomiebetrieb, der in einem verglasten Bau im gewaltigen Hauptflur der 1200-Schüler-Anstalt liegt, lernen Kinder und Jugendliche mit und ohne Lernschwierigkeiten alles rund um den Betrieb einer kleinen Restauration. Jungen und Mädchen, aus der fünften bis zur zehnten Stufe, arbeiten dort mit. Bevor Freitags in der ersten großen Pause der Betrieb losgeht (Brötchen 90 Cent), liegen bereits zwei Stunden Vorbereitung hinter den gut einem Dutzend Projekt-Schülern: Brezeln backen, Brötchen belegen, Tische dekorieren, Maschinen putzen, Teig anrühren, Kaffee kochen und schon den Einkauf der nächsten Woche planen. Abschließend muss der Müll entsorgt, das Catering für die Schul-Veranstaltung organisiert und die Kassenabrechnung gemacht werden. „Früher habe ich mit drei Kindern angefangen“, erzählt Café-Chefin Aurelia Pertek. „Mittlerweile gibt es Wartelisten.“ Heiß begehrt seien neben der Projektmitarbeit auch die Plätze der Pausen-Helfer, die an den Tresen mitbedienen, um den Schüleransturm in der Pause zu bewältigen. „Sie dürfen dafür freitags ein paar Minuten früher den Unterricht verlassen, um sich die Uniform anzuziehen“, erklärt Pertek.
Selbstständig entscheiden
Im Gespräch mit den WochenBlatt wird die Lehrerin im Minutentakt von ihren jungen Mitarbeitern um Rat, Hilfe, Informationen und Anweisungen gebeten. Selbstständig eine Entscheidung treffen und dafür Verantwortung übernehmen – viele der Cafémitarbeiter müssen das noch lernen. „Neben der Selbstständigkeit sollen die Kinder außerdem erfahren, kompetent zu kommunizieren, Stress zu bewältigen und Problemlösungen zu finden“, zählt Sonderschul-Pädagogin Pertek auf und beantwortet resolut-sachlich die Frage eines weiteren Schützlings.
Realitätsnaher Betrieb
Die Projektschüler sammeln ihre Erfahrungen nicht nur im realitätsnahen Cafébetrieb innerhalb der Schule. Bei Besuchen und Exkursionen in Einrichtungen beruflicher Ausbildung lernen die Kinder entsprechende Berufsbilder aus der Gastronomieszene kennen, die sie realistisch anstreben können.
Die Initiative „Deutschland – Land der Ideen“ führt 2013 den Bildungswettbewerb zum dritten mal aus. Getragen wird er vom Bundesbildungsministerium und der Vodafone-Stiftung. Rund 1100 Projekte waren dieses Jahr im Rennen, 52 wurden prämiert.
Wer als Schulfremder das Café auf dem großen Schulgelände (be)suchen möchte, braucht eine Erlaubnis und diese Wegbeschreibung einer Schülerin: „Einfach den Kindern entgegenlaufen, die Puderzucker am Mund haben oder ´ne Waffel in der Hand.“
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