„BilleKidz“ – ein Erfolgsmodell in Hamburg

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Das Team vom neuen Mädchencafé in der alten Aula: Sie freuen sich schon auf ihre ersten Gäste Fotos: Sichting
 
Haben sich auf den Service im Mädchencafé spezialisiert (v.l.): Celine, Franzi und Sarina

Verein engagiert sich für Jugend in Billstedt. Mädchencafé eröffnet im Mai

Von Mathias Sichting
Hamburg. Der Verein BilleKidz startete 2010 mit sieben ehrenamtlichen Mitgliedern, um der Billstedter Jugend eine „bessere Zukunft“, so der Slogan, zu ermöglichen. 2014 sind schon 28 Mitglieder beteiligt. Hunderte Kinder tanzen und spielen in den verschiedenen BilleKidz-Kursen. Die Projekte stehen bei den Jugendlichen hoch im Kurs. Für das Wochenblatt ein Grund, in einem Gespräch mit der 2. Vorsitzenden Christine Krebs hinter die Kulissen der BilleKidz zu blicken.

Vom Coaching zum Träger

Die Grundidee war es, Hauptschüler aus Billstedt bei der Realisierung ihres Abschlusses zu unterstützen. „Anfangs wollten wir mit einem Hauptschul-Coaching Jugendlichen helfen. Je mehr wir uns damals mit Billstedt beschäftigt haben, desto mehr Bedarfe haben wir aufgedeckt. Wir sind dazu übergegangen, ein Hausaufgabenprojekt anzubieten und eine Kooperation mit der Stadtteilschule Öjendorf einzugehen“, blickt Christine Krebs zurück. BilleKidz ist seit Februar 2010 ein eigenständiger Verein, der aus einigen Mitgliedern der Kirche ohne Turm entstanden ist. „Wir haben gemerkt, dass die Kirche für Jugendarbeit im Stadtteil eine Hemmschwelle ist. Gerade für muslimische Kinder. Uns geht es aber nicht um Religion, sondern um Jugendarbeit. Es geht uns ausschließlich um die Zukunft der Kinder“, fügt Krebs an.
Inzwischen sind die BilleKidz bei der Jugendhilfe als Träger anerkannt und Mitglied in der Hamburger Diakonie. Ein starkes Netzwerk soll die Arbeit der Vereinsmitglieder bündeln und zum Wohle der Kinder verstärken. „Wir sind im Quartiersbeirat II im Jenkelweg stimmberechtigt. Darüber freuen wir uns sehr, da dort unsere Arbeit im Nachbarschaftshaus mit der Hausaufgabenhilfe und einem Sportprojekt begonnen hat. Jetzt können wir uns direkt an der Quartiersarbeit beteiligen.“

„Selbstwertgefühl stärken“

Die BilleKidz sind dem Ziel, Kindern und Jugendlichen in Billstedt zu einer besseren Zukunft zu verhelfen, bis heute treu geblieben. Durch den Ausbau von Bildungs- und Freizeitangeboten, die bedarfsgerecht und zielgruppenspezifisch sind, soll das auch in Zukunft erfolgreich realisiert werden. Durch zusätzliche Qualifizierungsangebote und spezielle Projekte für Migranten wird versucht, soziale Integration zu schaffen.
„Unsere Projekte kommen bei den Jugendlichen gut an. Viele Kinder haben hier keine gute Perspektive. Unsere Kurse sollen deshalb das Selbstwertgefühl stärken. Die Kinder sollen sehen, dass sie für sich selbst verantwortlich sind und alles schaffen können, was sie sich vornehmen. Wir merken ständig, dass sich unsere Jugendlichen positiv entwickeln. Das ist einfach toll anzusehen. Die Kinder wachsen mit und an den Kursen“, sagt Krebs stolz. Gemeinsam mit den Kooperationspartnern, der Stadtteilschule Öjendorf, der StS Horn, der Robert-Koch-Schule und der St. Paulus-Schule, bietet der Verein Neigungskurse an. In diesen Schulkursen lernen sich Verein und Jugendliche kennen. „Unsere Angebote sind so interessant, dass sich das unter den Jugendlichen rumspricht. Bei einem nächsten Kurs sind oftmals Freunde von den Teilnehmern dabei. So steigen die Teilnehmerzahlen stetig“, so die 2. Vorsitzende weiter. „Mit der Qualität und Durchführung der Kurse sind wir als Schule sehr zufrieden. Es sind wirklich herausragende Projekte, die unser Schulangebot in besonderer Weise bereichern“, sagt Timo Krahn, Sozialpädagoge an der Stadtteilschule Öjendorf.

Mädchencafé wird am 14. Mai eröffnet

Als Neigungskurse, die während des Unterrichts durchgeführt werden, bietet BilleKidz unter anderem die Kurse internationales Kochen, VideoClipDance, Hip Hop Kurse in der Dream Dance Factory, die Sport-Jobber und das Projekt Mädchencafé an. Letzteres wird am 14. Mai feierlich eröffnet. Zwölf Mädchen hatten in den vergangenen Monaten unter Anleitung von Sven Dümmel den Eingangsbereich der alten Aula im Oststeinbeker Weg renoviert und zu einem Café umgebaut. Die Schülerinnen haben eingekauft, Kuchenrezepte rausgesucht und sich Service-Qualifikationen angeeignet. „Die zwölf Mädchen in den zwei Teams sind schon sehr aufgeregt. Das Mädchencafé im Foyer der Aula soll ein Rückzugsort für die zumeist muslimischen Mädchen werden“, erzählt Organisator Sven Dümmel. „Die Mädchen sollen sich in dem Café austauschen und einander anvertrauen können. Natürlich ist es auch denkbar, dass sich das Café für einen Spielenachmittag für Jungs öffnet. Das sollen die Mädchen aber selbst bestimmen“, so Projektleiter Sven Dümmel. „Wir finanzieren uns ausschließlich über Spenden. In einem neuen Projekt möchten wir einen sogenannten Winterspielplatz in der alten Aula anbieten. Der Indoor-Spielplatz soll ein Treffpunkt für die Eltern im Quartier werden. Wir haben von einer Stiftung Geld für Spielzeuge bekommen und eröffnen das Projekt, sobald die Sachen da sind“, verspricht Christine Krebs. Die BilleKidz rufen kein Projekt ins Leben, wenn sie es nicht finanzieren können. „Wir müssen beständig und glaubwürdig sein, damit die Jugendlichen eine Konstante haben. Wenn sie vor verschlossenen Türen stehen, wäre das kontraproduktiv. Bis auf unsere Tanzlehrer arbeiten wir komplett ehrenamtlich. Man merkt, dass wir jetzt an unsere Grenzen kommen. Deshalb suchen wir derzeit auch einen Sozialpädagogen für eine Praktikumsstelle.“
Zum Jahresende wird der Verein in das Nachbarschaftshaus Jenkelweg ziehen. Man möchte vor Ort sein und mehr Beziehungsarbeit leisten. Bis zum Umzug wird weiter getanzt, ausgelassen gelacht und gespielt. Alles für eine bessere Zukunft und ein größeres Selbstwertgefühl. (ms)

Weitere Informationen zu den BilleKidz gibt es auf billekidz.de oder
unter Tel.: 788 962 54
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