Das große Duo vom kleinen Hoftheater in Hamburg

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Vorhang auf! Claudia Isbarn (links) und Petra Behrsing leiten mit viel Enthusiasmus und Energie ihr Privattheater. „Wir sind Theatermenschen“, sagen beide Foto: Jenssen
 
Die Intendantinnen standen in dem Stück „Arsen mit Spitzenhäubchen“ gemeinsam auf der Bühne Foto: Anders Balari/wb

Wie in Horn mit Leidenschaft Kultur gemacht wird

Von Martin Jenssen
Hamburg. Sie kamen aus Wandsbek. Von 1985 bis 2005 leiteten sie dort 20 Jahre ihr kleines Theater. Doch dann war das Bürgerhaus Wandsbek zu marode. Die kleine Bühne musste schließen. Aufgeben? Das kam für Claudia Isbarn und Petra Behrsing nicht in Frage. Sie machten sich auf die Suche nach einer neuen Spielstätte und wurden fündig in Horn. Im Jahre 2006 eröffneten sie im Gemeindesaal der Martinskirche „das kleine hoftheater“. Für die theaterbegeisterten Frauen ein großes Abenteuer und ein finanzielles Wagnis. Der Stadtteil Horn galt als kulturelles Niemandsland. „Wir hatten damals viele schlaflose Nächte und mussten die Horner Bevölkerung erst ein wenig kitzeln, um die Theaterlust in ihnen zu wecken“, sagt Claudia Isbarn. Inzwischen ist das kleine Theater künstlerisch ein grandioser Erfolg.
Kennengelernt haben sich Petra Behrsing und Claudia Isbarn im Theater an der Marschnerstraße, wo sie schon vor über 30 Jahren gemeinsam auf der Bühne standen. Damals entstand der Wunsch, selbst ein Theater zu leiten. Unter dem Motto „Wo Theater Spaß macht!“ gründeten sie dann ihr erstes Theater in Wandsbek.

Keine Problemstücke

Der Leitspruch ist aufgegangen. „Wo Theater Spaß macht!“ - das ist heute ihr Theater in Horn. Drei bis viermal in der Woche bereiten Petra Behrsing und Claudia Isbarn den Zuschauern dort zwei vergnügliche Stunden. Im Theater bei der Martinskirche werden fröhliche Stücke gespielt, die aber durchaus auch nachdenklich stimmen. Außerdem gehören spannende Krimis und Musicals zum Repertoire des „kleinen hoftheaters“. Moderne Problemstücke vermeiden die erfahrenen Theaterfrauen „Wir kommen zu euch, um für zwei Stunden abzuschalten“, erklärte ihnen ein Abonnent. „Probleme haben wir im Alltag genug!“
Zwei Frauen, die ein Theater leiten, das ist ungewöhnlich und nicht immer einfach. „Natürlich gibt es Meinungsverschiedenheiten. Aber immer wieder raufen wir uns zusammen. Uns verbindet eine hundertprozentige Freundschaft“, sagt Petra Behrsing. „Bei wichtigen Dingen schwingen wir auf einer Wellenlänge!“
Der Spaß im „kleinen hoftheater“ beginnt schon vor der Aufführung. Hektik entsteht dort nicht. Die Besucher werden freundlich empfangen, viele Stammgäste mit Handschlag von den Intendantinnen. Die Zuschauer sitzen an kleinen Tischen, können sich Getränke und Käseteller besorgen. Jeder Gast hat von seinem Sitz aus eine optimale Sicht und kann seine Beine ausstrecken. Die Zuschauer kommen inzwischen nicht nur aus Horn, Hamm und Billstedt. Dass es sich lohnt, „das kleine hoftheater“ zu besuchen, hat sich auch in Farmsen, Glinde, Reinbek und Geesthacht herumgesprochen.
Was es für Arbeit gekostet hat, bevor sich um 20.00 Uhr (Sonntags um 16 Uhr) der Vorhang öffnet, das wissen nur Petra Behrsing uns Claudia Isbarn. Sie haben das Stück ausgesucht, die Schauspieler engagiert, die Honorarverträge ausgearbeitet, Besprechungen mit Regisseur, Bühnenbildner und Beleuchter geführt, die Helfer an Kasse, Theke und Garderobe eingesetzt und manchmal sogar die Käseteller in der Küche zubereitet. Und natürlich stehen sie selbst auch noch häufig als Schauspielerinnen auf der Bühne oder führen die Regie. Im „kleinen hoftheater“ sind die Intendantinnen „die Mädchen für alles“. „Ein Theater zu führen ist ein Fulltime-Job. Wenn uns unsere Familien nicht voll unterstützen würden, könnten wir das gar nicht leisten“, sagt Claudia Isbarn.
Für ihre Aufführungen können die Intendantinnen auf einen Stamm erfahrener Schauspieler zurückgreifen, die sich stets freuen, wenn ihnen eine Rolle am „kleinen hoftheater“ angeboten wird. Junge Akteure frisch von den Schauspielschulen kommen hinzu.
Petra Behrsing ist für die künstlerische Leistung am Theater zuständig. Sie sucht die Stücke aus, überwacht das Bühnenbild und den Bühnenbau, stellt die Besetzungen zusammen und wählt den Regisseur aus. Claudia Isbarn hat den nicht immer dankbaren „Job“, die Finanzen des Theaters zu verwalten. Auch wenn das „kleine hoftheater“ inzwischen ein anerkanntes professionelles Privattheater ist und damit von der Kulturbehörde (mit einem winzigen Betrag) unterstützt wird, bleibt das Geld knapp. Es zerrinnt für die Miete, für die Honorare der Schauspieler und Regisseure, für Strom und Neuanschaffungen.

Der Lohn: glückliche Zuschauer

„Bleibt am Ende ein angemessenes Gehalt für die Intendantinnen übrig?“ - Kopfschütteln bei den Theaterchefinnen auf diese Frage. Wie viele Helfer aus Horn, die abends an der Garderobe, an der Kasse oder in der Getränkebar stehen, arbeiten auch die Intendantinnen hauptsächlich ehrenamtlich. „Was wir machen, das grenzt an Selbstausbeutung“, sagt Claudia Isbarn. „Aber wenn man ein leidenschaftlicher Theatermensch ist, dann ist Geld eine Nebensache.“ Der Lohn für die Verantwortlichen des „kleinen hoftheaters“ ist ein anderer: glückliche und zufriedene Zuschauer. Die Intendantinnen: „Es ist ein tolles Gefühl, wenn uns nach der Aufführung strahlende Zuschauer entgegenkommen. Wir können dann sagen: Heute haben wir wieder 100 Menschen glücklich gemacht!“

Das kleine Hoftheater, Bei der Martinskirche 2, Tel.: 681572, Internet: hoftheater.de

Programm:
Vom 28. März bis 11. Mai „Die Falle“ von Robert Thomas mit Lars Ceglecki und Gaby Wittpohl. Regie: Claudia Isbarn
Vom 16. bis 25. Mai „Love Letters“ von Albert R. Gurney mit Claudia Isbarn und Wolfgang Hartmann. Regie: Petra Behrsing, Kartenvorbestellung dienstags 9.00 bis 12.00 und mittwochs 17.00 bis 19.00 Uhr sowie jeweils zwei Stunden vor Aufführungsbeginn unter Tel.: 681572, Preise: 18 Euro; ermäßigt: 16 Euro
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