Das Hamburger Osterbrookviertel unter der Lupe

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Drei Engagierte (v.l.): Angelika Günther, Ina Bornholdt und Nicola Schmidt Foto: Möller

Was den Menschen im Quartier noch fehlt. Drei angehende Immobilienkauffrauen hören sich um

Von Christa Möller
Hamburg. Drei junge Frauen beim Spaziergang durch die Stadt: Ina Bornholdt, 21, Nicola Schmidt, 21, und Angelika Günther, 26, nehmen das Osterbrookviertel rund um das „Elbschloss an der Bille“ im südlichen Hamm unter die Lupe. Dabei spielt die Nahversorgung eine große Rolle. Arzt, Modeladen, großer Supermarkt? Fehlanzeige. Im Rahmen ihrer Ausbildung wollen die angehenden Immobilienkauffrauen dazu beitragen, dass mehr Potenzial erschlossen wird.
Einst gehörte das Gebiet zum Arbeiterquartier Hammerbrook, dem im Krieg am stärksten zerstörten Viertel in Hamburg. „Wir wollen die neue Mitte erweitern und uns daran anlehnen“, sagen sie. Die drei besuchen seit August 2013 die Berufsschule Schlankreye (Bereich: Immobilienkaufleute).

Nur kleiner Supermarkt

„Im zweiten Ausbildungsjahr müssen wir an der Berufsschule ein Projekt erarbeiten, dabei haben wir freie Wahl. Wir haben uns für das Thema Stadtentwicklung entschieden, und daraus ist eigentlich selbst eine kleine Projektentwicklung geworden“, erläutert Ina Bornholdt, die ihre Ausbildung bei Johns Lang Lasalle macht und aus Eidelstedt kommt.

„Es gibt hier einen kleinen Supermarkt, aber weder Arzt noch Apotheke“, hat Nicola Schmidt aus Alsterdorf festgestellt. Ihr ist die Problematik bekannt, absolviert sie doch ihre Ausbildung bei der Baugenossenschaft freier Gewerkschafter, die auch in Hamm aktiv ist. „Es wird schon viel geändert, aber wir möchten, dass das noch weitergeht.“
Sehr informativ war die Quartiersbegehung im Rahmen einer Quartiersbeiratssitzung, um zu erfahren „was im Viertel aktuell vorgeht“, so Nicola Schmidt. Ina Bornholdt ergänzt: „Um ein besseres Gefühl für den Stadtteil zu bekommen.“

Im nächsten Schritt haben sie sich überlegt, was gerade passiert und sich mit dem städtischen Projekt „Stromaufwärts an Elbe und Bille“ befasst, das wirtschaftliche Dynamik und moderne Lebensqualität erhöhen soll (siehe Seite 5). Während derzeit noch viel separiert sei, soll zukünftig die Mischnutzung für Wohnen und Gewerbe im Vordergrund stehen, wie es auch schon vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg der Fall war. „Wohnen und Gewerbe sollen wieder mehr verbunden werden“, sagt Nicola Schmidt. „Da wollen wir anknüpfen.“ Sie werden Fakten prüfen, „wie ist es und wie soll es sein, in Anlehnung an die Quellen, die wir bis jetzt haben“, erklärt die 21-Jährige. Gerade haben die drei eine Umfrage unter den Bewohnern des Quartiers gestartet, um herauszufinden, welche Wünsche sie haben.

Bislang hat sich dabei vor allem die Tendenz bestätigt, dass sich die Bewohner eine Veränderung der Nahversorgung wünschen. Im Vordergrund stehen dabei eine Apotheke, Ärzte sowie eine Discounterkette. Auch individuelle Wünsche, wie Tretbootverleih oder Angelladen (Nähe zur Bille) wurden geäußert. „Dann werten wir die Umfrage aus, um ein Meinungsbild zu erhalten, was die Bewohner wirklich wollen und auch, wo sie sich ehrenamtlich selbst engagieren können“, sagt Angelika Günther aus Iserbrook, Auszubildende beim Bauverein der Elbgemeinden. Auch mit der Suche des passenden Ortes für ihr Nahversorgungszentrum werden sich die drei Auszubildenden befassen. Die Namensfindung soll ebenfalls in Verbindung zum Elbschloss an der Bille erfolgen.

Bis Mitte Februar müssen sie die schriftliche Ausarbeitung fertig haben, im Mai folgt die mündliche Präsentation vor einem Komitee der Berufsschule. Geldprämien locken für die drei besten Schülerprojekte.
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