Der Kampf um die Metrolinie 11

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Sandra Pia Wöhrmann (li.) und Heide Weber engagieren sich für den Erhalt der Buslinie 11 Foto: Möller
 

„Man darf Glinde nicht zum Dorf machen.“ 1.400 Unterschriften für den Erhalt der Infrastruktur

Von Christa Möller
Als Heidi Weber vor fast 17 Jahren mit ihrer Familie nach Glinde zog, lockte nicht nur die Nähe zur zahlreichen Verwandtschaft, sondern auch die gute Infrastruktur. „Ich bin mit Bus und Bahn in 45 Minuten in Wandsbek“, sagt die 58-Jährige. Zwar hat die Glinderin ein Auto, aber mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Fahrt zum Arbeitsplatz für sie kostengünstiger. Und auch für Sandra Pia Wöhrmann, die seit einem Jahr in Glinde ansässig ist, war das gute Angebot der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) ausschlaggebend für die Wohnortwahl.

„Busse sind rappelvoll“

Doch jetzt trüben Umstrukturierungspläne des HVV die Laune der beiden Frauen, die sich häufig auf dem Arbeitsweg im Bus treffen. Die Metrobuslinie 11 verkehrt alle zehn Minuten zwischen Reinbek, Neuschönningstedt und der Steinfurther Allee in Billstedt. Noch. Wenn aber der Bus wie geplant ab 14. Dezember als Linie 133 lediglich zwischen Steinfurther Allee und Glinde verkehrt und montags bis freitags von 6 bis 9 Uhr sowie zwischen 14 und 19 Uhr alle zehn und ansonsten alle zwanzig Minuten, dann fürchten sie nicht nur, zukünftig später am Arbeitsplatz beziehungsweise zu Hause zu sein. Denn die jetzt eingesetzten Gelenkbusse sollen ebenfalls nur in der Hauptverkehrszeit fahren. „Wenn ich zur Frühschicht fahre, ist der Bus immer rappelvoll“, betont Sandra Pia Wöhrmann. „Man kann doch Glinde nicht wieder zum Dorf machen“, empört sich Heidi Weber.

Zuschüsse fehlen

Grundlage für die geplanten Änderungen seitens des HVV ist „die Tatsache, dass die VHH das Netz Glinde nicht mehr auf eigenes Risiko und ohne fremde Zuschüsse in diesem Umfang betreiben kann“, sagt Björn Schönefeld vom Fachdienst Planung und Verkehr des Kreises Stormarn.
Weitere Planänderung: Die bisherige Linie 333 soll als 133 über Neuschönningstedt nach Trittau fahren. „Der 133er fährt dann nur alle Stunde nach Trittau und dort auch nur bis in den Ort und nicht ins Gewerbegebiet“, bemängeln die beiden Frauen, die ihren Sommerurlaub geopfert haben, um gegen die Fahrplankürzungen auf die Barrikaden zu gehen. Sie haben eine Unterschriftenaktion gestartet, Buttons hergestellt und mit Plakaten auf entsprechende Ausschuss-Sitzungen aufmerksam gemacht. Bei einer Bürgerversammlung in Glinde, zu der über 200 Besucher kamen, überreichten sie Lukas Kilian, Verkehrsausschuss-Vorsitzender im Stormarner Kreistag, immerhin 1.300 Unterschriften - weitere einhundert sind inzwischen noch dazugekommen.
„Der Kreis ist für die Grundversorgung zuständig“, erklärt Lukas Kilian. „Im Haushalt waren ursprünglich 800.000 Euro dafür vorgesehen.“ Geplant sei zunächst ein Zweijahresvertrag mit den VHH. Es bestehe interfraktionell Interesse, Verbindungen zu schaffen, damit es beim Status Quo bleiben könne, so Kilian in der Hoffnung auf finanzielle Beteiligung der betroffenen Gemeinden.
Am Donnerstag, 2. Oktober, um 18.30 Uhr befasst sich der Verkehrsausschuss erneut mit dem Thema. Ort: Kreisverwaltung, Mommsenstraße 14, Gebäude F, Raum 22.
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