Der „Kolibri des Nordens“

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Der Eisvogelist auch in Billstedt, Hamm und Rothenburgsort heimisch Repro: sdo
 
Dr. Günther Hess (Foto) kümmert sich seit knapp 40 Jahren ehrenamtlich um den Eisvogel Foto: sdo

Eisvögel nisten an der Bille. Was Spaziergänger und Kanuten beachten sollen

Hamm Er gehört zu den am meisten gefährdeten Tierarten in Deutschland und ist auch in Billstedt, Hamm und Rothenburgsort heimisch – der Eisvogel. Wer viel Geduld mitbringt und ein wenig Glück hat, bekommt ihn an der Bille hin und wieder zu Gesicht. Die beiden harten Winter der Jahre 2013 und 2014 haben dem Eisvogel jedoch sehr zu schaffen gemacht. Jetzt hofft man, dass der vergangene milde Winter die Bestände wieder wachsen lässt, damit der „Kolibri des Nordens“ auch in Hamburg wieder häufiger zu sehen ist. Besonders Dr. Günther Hess, der sich seit etwa 40 Jahren um die Vögel im Billetal bis zur Glinder Au kümmert und als Experte für Alcedo atthis (so der lateinische Name des Eisvogels) gilt, verfolgt die Entwicklung mit Spannung.

Einwanderer aus Schleswig-Holstein

Dr. Hess gilt als „Vater“ der Eisvogel-Population im Hamburger Osten. Mit größtem ehrenamtlichen Engagement hat er sich seit den 1970er Jahren für die Vögel eingesetzt und zum Beispiel dafür gesorgt, dass Teile des auch als Naherholungsziel genutzten Billetals zum Naturschutzgebiet erklärt wurden. Das verfügte der ehemalige Ministerpräsident Uwe Barschel als eine der letzten Entscheidungen.
Rund um das Billetal findet der Eisvogel noch Steilhänge vor, in die er als Revier bildender Vogel Bruthöhlen baut. Diese Steilhänge müssen zudem in der Nähe von klarem Wasser sein, damit der Fischfresser auch jagen kann. Diese Kombination ist sehr selten, weshalb der Eisvogel zu den besonders seltenen und gefährdeten Arten zählt. Nachdem die Jungen flügge geworden sind, verjagen die Eltern die Kinder aus ihrem Revier. Diese ziehen auf der Suche nach einem eigenen Revier die Wasserläufe entlang und kommen über die Glinder Au auch zur Bille. Hier sind sie besonders in Hamm-Süd und Billstedt gelegentlich zu sehen.

Der Eisvogel hat es schwer

Leider ist die Bille vorwiegend ein Wirtschaftskanal mit begradigten Ufern. Hier einen Steilhang zu finden, ist für den Eisvogel nahezu unmöglich. Hat er doch einen entdeckt, setzt sich das Männchen an das Ufer und wartet darauf, dass ein Weibchen vorbeikommt – ebenfalls ein sehr unwahrscheinlicher Umstand. Deshalb ist sehr selten, dass sich ein Eisvogel-Paar in unseren Stadtteilen vermehrt.
Lebensbedrohlich wird es, wenn die Bille in harten Wintern zufriert. Dann wird dem Fischjäger seine Lebensgrundlage entzogen. Sollte das Paar es trotzdem geschafft haben, kommt die nächste Gefahr im Frühjahr: Sportbootfahrer und Kanuten. Zur Aufzucht muss jedes Eisvogel-Paar täglich etwa 80 Fische fangen. Für die Jagd brauchen sie Ruhe, die sie in der Wassersportsaison nur schwerlich A. Mit den Tipps von Dr. Hess kann man helfen, es dem Eisvogel auch in Hamburg einfacher zu machen. Das hat er nicht nur als vielleicht schönster Vogel unserer Breiten verdient – sondern auch als unser Nachbar. (sdo)

„Jetzt im Mai braucht er ruhe – es wird hochzeit gefeiert“
Dr. Günther Hess (Foto) kümmert sich seit knapp 40 Jahren ehrenamtlich um den Eisvogel. Mit seinen Tipps kann man es dem „Kolibri des Nordens“ einfacher machen, in unseren Stadtteilen nachhaltig einheimisch zu werden: „Ob als Kanute, Spaziergänger oder Sportbootfahrer – besonders jetzt im Mai braucht der Eisvogel Ruhe, um Hochzeit zu feiern. Passieren Sie Ihn zügig und leise. Vermeiden Sie es, ihn zu weit von seinem Revier weg vor sich her zu jagen. Unterlassen Sie es, sich zu nahe an ufernahen Gebüschen zu bewegen, wenn Sie in der Nähe einen Eisvogel gesehen haben – das könnte ihn aus seinem Revier vertreiben. Bleiben Sie auf den Wegen oder befahren Sie die andere Uferseite. Gehen Sie achtsam mit dem Gewässer um – der Eisvogel braucht klares, sauberes Wasser, um überleben zu können. Verschmutzungen des Wassers können tödlich sein.“
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