Deutsch lernen – das hilft

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Die beiden Frauen befassen sich eifrig mit dem Lernstoff Foto: cm
 
Anil Kaputanoglu unterrichtet Deutsch im Integrationskursus Foto: cm

Kursus in der Rothenburg verbessert die Chancen auf Integration

Von Christa Möller
Rothenburgsort
Ihr Zuhause ist Hamburg, ihre Heimat jedoch liegt in der Ferne: Die Menschen, die an diesem Vormittag zum Lernen ins Stadtteilzentrum Rothenburg am Vierländer Damm 3 a gekommen sind, stammen aus den verschiedensten Ländern. Sie haben an einem Einstufungstest teilgenommen und lernen nun im Integrationskursus bei Anil Kaputanoglu, sich auf Deutsch zu verständigen. Er erklärt: „Der Kurs wird vom Bundesamt für Integration finanziert, das heißt, die Teilnehmer sind aus verschiedenen Gründen verpflichtet, diesen Kurs zu machen. Neuzuwanderer müssen den Kursus innerhalb von zwei Jahren absolvieren, um einen Aufenthaltsstatus zu bekommen.“ Andere Kursteilneh-
mende, die arbeitsuchend sind oder aufgrund ihrer beruflichen Situation den Kursus besuchen müssen, werden von der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter geschickt. Und für Flüchtlinge wiederum zahlt nicht das Bundesamt, sondern die Stadt Hamburg den Kursus. „Wenn man drei, vier Wochen hier lebt, hat man schon eine Basis“, umschreibt er die Vorkenntnisse. Es gebe Leute, die sehr isoliert gelebt haben und kaum Deutsch können, aber auch andere, „die fließend, aber falsch sprechen. Es ist eine Herausforderung für die Lehrer, aber auch für die Teilnehmer, das zu knacken.“

Drei Stunden pro Tag


Der Kursus umfasst 600 Unterrichtsstunden à 45 Minuten und läuft bei drei Unterrichtsstunden pro Tag knapp ein Jahr – eine Herausforderung, die die Teilnehmer angenommen haben, um Asyl zu finden oder eine neue Arbeitsstelle. Da sind zum Beispiel zwei Schwestern, die vor sieben Jahren mit ihrer Mutter aus Rumänien kamen, oder die Mazedonierin, die seit zwei Jahren in Hamburg ist, aber auch der Serbe, der schon 25 Jahre hier lebt und dennoch massive Probleme mit der Sprache hat. Das Arbeitsamt hat ihn hierher verwiesen, nachdem er seine Stelle verloren hatte und keine neue fand. Oder die junge indische Lehrerin, die vor drei Jahren herkam und, weil ihre Ausbildung hier nicht anerkannt wird, jetzt eine Lehre in Hamburg plant – wenn die Hürde des Deutschkurses geschafft ist.

Alltägliche Themen


Ob Asylbewerber oder arbeitsuchend, jung oder schon etwas älter, mit oder ohne Familie – alle sind nicht nur eifrig, sondern größtenteils auch mit Freude bei der Sache. Inzwischen klappt die Verständigung schon ganz gut. Heute steht im Lehrbuch das Thema Bankbesuch an. Ein Konto eröffnen, eine Kreditkarte beantragen, Geld am Automaten holen – das will geübt sein. „Wir sind kurz vor B1-Niveau“, erläutert Lehrer Anil Kaputanoglu den Wissensstand seiner Schüler. Beim bevorstehenden Deutsch-Test für Zuwanderer bleibt die Grammatik erstmal außen vor, es geht mehr um die praktische Anwendung der Sprache.
Seine Schüler sollen imstande sein, selbstständig allgemeine alltägliche Probleme zu lösen, etwa beim Arzt oder beim Finanzamt. Wer den Test nicht bewältigt, darf noch mal wiederholen. Wer dabei gut abschneidet, kann die nächste Stufe, B2, anvisieren, den Kursus zahlt gegebenenfalls das Jobcenter. Danach folgt für diejenigen, die ein Studium planen, Stufe C1. Davon ist die heutige Gruppe noch ein Stück entfernt. Für sie gibt es nach dem bevorstehenden Test erstmal noch einen separaten, 60-stündigen landeskundlichen Teil zum Test für die Einbürgerung. Da stehen dann auch schon mal Ausflüge auf dem Programm, etwa zu einer Rathausführung oder in eine Bibliothek.

Verschiedene Ansätze


Anil Kaputanoglu ist in Deutschland geboren, seine Eltern stammen aus der Türkei und sind Akademiker. Der 48-Jährige arbeitet freiberuflich als Deutschlehrer für die Türkische Gemeinde und ist für weitere Träger auch in Wandsbek und Rahlstedt tätig. Erst seit 2005 gebe es diese Kurse, wie er weiß. „Vorher hatten Migranten keine Möglichkeit, Deutschkurse zu besuchen“, sagt der Deutschlehrer, der auch Alphabetisierungskurse gibt für Menschen, die nicht lesen und schreiben können.
Darunter können übrigens auch Teilnehmer sein, die die lateinische Schrift nicht kennen, aber sehr gebildet sind. Den Integrationskurs in der Rothenburg leitet er drei Vormittage, an weiteren zwei Vormittagen ist Lehrerin Christine Bischof hier im Einsatz. Kaputanoglu sieht darin durchaus einen Vorteil für seine Schüler, die so verschiedene Lehransätze kennenlernen.

Weitere Angebote


Träger seines Integrationskurses ist die Türkischen Gemeinde Hamburg, die dafür Räumlichkeiten in der Rothenburg gemietet hat. So profitieren von dem Kurs nicht nur die eifrigen Schüler, sondern auch der Verein Stadtteilräume Rothenburgsort. Er muss sich größtenteils selbst finanzieren, um im Stadtteilzentrum Rothenburg eigene Angebote wie die Sozialberatung oder die Hip Hop Akademie anbieten zu können.

Nähere Informationen im Internet unter www.dierothenburg.de
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