Deutsch pauken mit Hochdruck

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Deutsch lernen am Gymnasium Hamm: 50 Prozent der IVK-Schüler sind Flüchtlinge Foto: Möller
 
Sabine Bühler-Otten koordiniert die internationalen Vorbereitungsklassen Foto: Möller

Internationale Vorbereitungsklassen am Gymnasium Hamm: 8 von 10 Schülern packen das Abi

Von Christa Möller
Hamm
Schulunterricht für Kinder, die wenig oder gar kein deutsch sprechen – das ist in Hamburg nichts Neues. Bemerkenswert dagegen: An der Europaschule Gymnasium Hamm gibt es für diese Schüler, gestaffelt nach Alter, seit bereits zwanzig Jahren sogenannte Internationale Vorbereitungsklassen (IVK), von denen zwei jeweils im Februar und drei im Sommer starten. „Das hat hier eine lange Tradition“, wie Koordinatorin Sabine Bühler-Otten erklärt. Aber auch Schüler, die zwischendurch hierherkommen, werden aufgenommen. Für sie gibt es zusätzlichen Deutsch-Unterricht.
„Die Klassen sind sehr voll im Moment“, sagt die Lehrerin mit Blick auf die jeweils etwa 17 Schüler, die sich natürlich auch gegenseitig unterstützen. Die Hälfte der internationalen Schüler sind Flüchtlinge. „Die anderen kommen aus der Ukraine, Italien, Griechenland, Spanien, Lateinamerika, Polen...“, erläutert Sabine Bühler-Otten. Übrigens besuchen auch zehn Schüler vom Ballett-Internat John Neumeiers das Gymnasium, an dem sie vormittags Unterricht haben. Nachmittags gehen sie dann zum Ballett-Unterricht.
Die Deutsch- und Philosophie-Lehrerin sieht im Deutschunterricht als Zweitsprache „eine echte Herausforderung, aber wir haben erfahrene Kollegen, die es schaffen, diese Schüler innerhalb eines Jahres auf das Sprachniveau B1 heranzuführen.“ Diese B1-Leistungsprüfung ist freiwillig. Die meisten bewältigen sie.
Außer ihr haben zwölf weitere Lehrer am Gymnasium Hamm eine entsprechende Zusatzausbildung. Der Unterricht ist nach zweitsprachlichen Prinzipien organisiert. Der Intensivkurs Deutsch umfasst 18 Wochenstunden, außerdem stehen je vier Wochenstunden Mathematik und Englisch sowie je zwei Stunden für den Lernbereich Gesellschaft und Sport auf dem Stundenplan.
Im ersten halben Jahr werden den Kindern Grundkenntnisse in der deutschen Sprache vermittelt, dazu Orientierungshilfen in der deutschsprachigen Lebenswelt sowie Kompetenzen für die aktive sprachliche Teilnahme im Alltag und am Schulleben und grundlegende Lern- und Arbeitstechniken. In der Aufbaustufe im zweiten Halbjahr werden bildungssprachliche Kompetenzen aufgebaut, Lern- und Arbeitstechniken erweitert und es erfolgt die Vorbereitung auf die DSD I-Prüfung (Deutsches Sprachdiplom der Kultusministerkonferenz). Im ersten Jahr in der Regelklasse werden die Schüler weiterhin zusätzlich gefördert. Viele haben Heimweh: „Sie brauchen Zeit, um hier anzukommen. Ich habe Schüler, die Traumata bewältigen müssen.“
Inzwischen gibt es in Hamburg, dem Hammer Beispiel folgend, an vielen weiteren Schulen Vorbereitungsklassen, zumeist allerdings keine gymnasialen.
An der Europaschule sind sie ein Erfolgsmodell: Etwa 80 Prozent der Schüler bleiben auf dem Gymnasium und „es ist so, dass die Schüler aus den IVK das beste Abitur hier machen“, weiß die Koordinatorin. Sie freut sich, wenn die Schüler in die Regelklasse übergehen „und ich sehe sie in Jahrgang 11 wieder.“ Innerhalb so kurzer Zeit deutsch lernen, das sei nicht einfach, wie sie weiß: „Ich habe ungeheuren Respekt vor den Schülern, dass sie das schaffen.“
Die Zuweisung der Schüler erfolgt über das Schulinformationszentrum. Einzige Voraussetzung: englische Sprachkenntnisse, denn sie müssen in Englisch Abitur machen. Als dritte Fremdsprache bietet die Europaschule Spanisch, Russisch oder Türkisch an. Die internationalen Schüler können jedoch alternativ ihre Herkunftssprache wählen, in der sie dann – ohne Unterricht – eine Sprachfeststellungsprüfung absolvieren. In immerhin 32 Sprachen ist das möglich. Die Prüfung ist angelehnt an den Englisch-Unterricht, so haben die Schüler immerhin eine gewisse Vorbereitung auf die Themen.

Infos zur Europaschule Gymnasium Hamm im Internet unter www.gyha.de
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