Dicke Luft für Radfahrer in Hamburg

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Forscher berichteten im Fachjournal „Nature“ 2015 von 7.000 Todesfällen durch Abgase in Deutschland, doppelt so viele wie bei Verkehrsunfällen Foto: ms

Giftige Dämpfe im Verkehr verkürzen Lebenszeit um 40 Tage

Von Karen Grell
Hamburg
Ob am Mühlenkamp in Winterhude, auf der Fuhle in Barmbek oder in der Lesserstraße in Wandsbek: die neuen Radstreifen auf den Hamburger Straßen sollen die Radfahrer für die Autofahrer sichtbarer machen und damit Unfallrisiken minimieren. Sie haben allerdings nicht nur Vorteile. Ein aktueller Test der Fernsehsendung Quarcks & Co hat ergeben, dass die Abgase, die am Rande der Hauptverkehrsachsen von den Radlern eingeatmet werden, das Leben der Nutzer um mindestens 40 Tage verkürzen. Grund: durch die Anstrengung beim Fahrradfahren atmen Radler die Autoabgase schneller und tiefer ein und nehmen so mehr Schadstoffe auf. Auf Nebenstraßen wird laut Quarcks & Co 60 Prozent weniger Stickstoffdioxid eingeatmet.Auch Rad-Experte Dirk Lau vom ADFC Hamburg warnt: „Die Gesundheitbelastung der Radfahrer ist in einer Stadt wie Hamburg, die zu einer der schmutzigsten gehört, extrem hoch. Wenn man auf einer verkehrsreichen Straße unterwegs ist, leidet da vor allem auch der Radfahrer. Die Gesundheitsschäden, die durch den Emissionsausstoß entstehen können, sind einfach nicht hinzunehmen und können bis zum Tod führen.“

Hauptstraßen meiden

Ute Sanders, die in Hamburg viel mit dem eigenen Rad unterwegs ist, meidet die neuen Radstreifen auf den Autostraßen: „Wenn ich an einer Ampel stehe, schiebe ich das Rad oft auf den Gehweg, um nicht direkt vor dem Auspuff der wartenden Fahrzeuge zu stehen“, so die Dauer-Radfahrerin. Auf großen Hauptstraßen zu fahren ist für sie keine Option. Als Mitglied des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs engagiert sich Anja Kumst für die Rechte der Radfahrer. Sie ist ein Fan der Radstreifen, weil sie grundsätzlich auf der Straße fährt und durch die Markierungen jetzt einen eigenen Raum erhalten habe. Als ein Argument gegen das Fahren auf der Straße sieht sie die Ergebnisse der Quarcks-Studie nicht. Anja Kumst bleibt auf der Straße, empfiehlt aber, dafür endlich mal wieder an den Helm zu denken. „Wer ohne Helm fährt, und das sind viele Radler in der Stadt, der geht ebenfalls ein Gesundheitsrisiko ein.“

Nebenstraße nutzen

Die Meinungen zum Fahrradfahren auf den Hauptverkehrsstraßen, die jetzt zunehmend mit Radstreifen ausgestattet sind, gehen extrem auseinander. Fakt ist: Auf Nebenstraßen könnte ein Großteil der Schadstoffe umfahren werden.

Der Radreporter vom Wochenblatt:

Hamburg soll Fahrrad-Stadt werden, kündigt der rot-grüne Senat an. Doch wie geht das überhaupt? Wie funktioniert das Zusammenleben mit Autofahrern und Fußgängern? Der Radreporter vom Wochenblatt, Marco Dittmer, testet nicht nur neue Radwege, auf seinem Rennrad berichtet er über alle Themen, die ihm auf seinen Touren durch Hamburg begegnen. Sie haben Anregungen, Wünsche oder Kritik? Dann mailen Sie ihm unter Radreporter@hamburger-wochenblatt.de
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6 Kommentare
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Andrea Kupke aus Barmbek | 27.07.2017 | 07:37  
487
Rainer Stelling aus St. Georg | 27.07.2017 | 14:49  
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Horst Holl aus Winterhude | 27.07.2017 | 15:13  
81
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 05.08.2017 | 16:46  
28
Horst Holl aus Winterhude | 06.08.2017 | 23:03  
81
Eleonore Heilmann aus Bramfeld | 07.08.2017 | 00:09  
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