Die Villa Behnke bleibt

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Die weiße Villa auf dem Geesthang ist das älteste Wohnhaus im Stadtteil Horn Foto: Schlichtmann
 
Die Familie (v.l.): Mutter Margaretha Magdalena Henriette Behnke, die Söhne Gustav, Adolph, Ludwig sowie Tochter Anna und Vater Johann Heinrich Carl Behnke Fotos: hornertv.tripod.com

Sie steht seit Jahren leer, wurde besetzt und soll nun verkauft werden

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Schon von weitem ist sie auf dem Geesthang zu sehen, vier Geschosse hoch. Geradezu thronend und trotzig steht sie da an der Horner Landstraße 369 - das älteste Wohnhaus im Stadteil Horn mit bewegter Vergangenheit. Nach jahrelangem Leerstand schien ihr Schicksal besiegelt. Doch nun steht fest: Die „Villa Behnke“ wird nicht abgerissen. Die Finanzbehörde will das Gebäude verkaufen.
Vor einem Jahr geriet die 130 Jahre alte „Villa Behnke“ zunächst ins Visier einer Gruppe von Hausbesetzern, im Gefolge dann der Polizei und dann in die Schlagzeilen. Am 3. November verschaffte sich ein halbes Dutzend Demonstranten Zugang zu dem Haus, das der Finanzbehörde gehört, von der SAGA verwaltet wird - und seit 2009 leer stand und zunehmend verwahrloste. Die Hausbesetzer verbarrikadierten sich, wollten mit dieser Aktion auf Leerstand in Hamburger Wohnhäusern hinweisen und auch verhindern, dass die Villa - wie vom Eigentümer damals geplant- abgerissen wird.
Ein Großaufgebot der Polizei räumte schließlich das besetzte Haus. Eine 24-jährige Besetzerin wurde deshalb kürzlich wegen Hausfriedensbruch vom Amtsgericht verwarnt und zu einer „Geldstrafe auf Bewährung“ (600 Euro) verurteilt.
Damals schon hatte der Regionalausschuss Hamm, Horn, Borgfelde und Rothenburgsort einen SPD-Antrag beschlossen, der sich für den Erhalt dieses Hauses einsetzt - eines der wenigen historischen Gebäude in Horn, das die Bombardierungen im Zweiten Weltkrieg überstanden hat.

Künftige Nutzung offen

Und schließlich, wohl auch vor dem Hintergrund der politischen Diskussion nach der Hausbesetzung, lenkte die Finanzbehörde ein, die „Villa Behnke“ wird nicht abgerissen. Zum aktuellen Stand erklärt Behörden-Sprecher Daniel Stricker:  „Bis Ende diesen Jahres soll in Abstimmung mit dem Bezirksamt Mitte eine Ausschreibung auf den Weg gebracht werden, um das Haus dann zu verkaufen“. Ob es anschließend öffentlich genutzt werden kann, als Kita oder Stadtteilzentrum zum Beispiel, bleibt bislang
offen.

Historisches

1883 gab Johann Heinrich Carl Behnke, Direktor einer chemischen Fabrik im damaligen Billwärder, den Auftrag zum Bau eines geräumigen Wohnhauses an der Horner Landstraße. Noch im selben Jahr wurde die Villa am Horner Berg für 8.400 Mark fertig gestellt, nach heutigem Kurs also knapp 150.000 Euro. Behnke hatte es im wesentlichen durch ein Patent „zum Verfahren und Apparat zur Gewinnung reiner Kohlensäure aus Feuerungs- und Ofengasen“ zu Wohlstand gebracht. Familie Behnke (vier Kinder) zog aber zunächst nicht selbst in das neue Haus. Sie blieben in ihrem Landhaus in Billwerder wohnen, vermieteten die Horner Villa an einen praktischen Arzt, der dort seine Praxis betrieb. Erst 1899 zogen Heinrich und Margarete Behnke in ihre Horner Residenz - wohl auch wegen der Anbindung zur Stadt, denn damals fuhr schon seit drei Jahren die elektrische Straßenbahn auf der Horner Landstraße nach Hamburg.
Behnke starb mit 70 Jahren 1904 an Darmkrebs, seine Frau Margarete folgte ihm 1916, sie wurde 74 Jahre alt. In den Jahrzehnten danach hatte die Villa immer wieder wechselnde Bewohner, seit 2009 steht das Gebäude leer. Nur einmal noch, im September letzten Jahres, zog wieder Leben in das historische Haus: Im großen Salon im Erdgeschoß wurde ein Musikvideo mit dem Orchester Max Raabe aufgenommen. (ks)
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