Ein „Hammburger“ Jung

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Arno Schmidt am Schreibtisch: Diese Aufnahme entstand um 1970 Foto: Arno-Schmidt-Stiftung
 
Der Dichter starb in Celle und nicht in Bargfeld Fotos: Arno Schmidt Stiftung (1), je

Stadtteilarchiv ehrt den Schriftsteller Arno Schmidt (1914-1979)

Von Martin Jenssen
Hamm. Die Regeln der deutschen Rechtschreibung galten für ihn nicht. „Vorausgeschickt muß wird‘n, dass ‚mein‘ Hamburg‘ nichts mit der gängijen Vorstellung des Reisenden, oder der des hundertprozentijen Hambürgers, zu tun hat: Hafen, Alster, Rathausmarkt, City=allgemein - (obwohl ich das selbstredend auch geseh‘n hab) - waren für mich Nebensache, unbedeutend, ein selten erblickter lärmender Rand“, schreibt Arno Schmidt über „sein Hamburg“.
Arno Schmidt spielte mit der Sprache, mit Lautmalerei und mit Dialekten. An dieser „Sprachspielerei“ arbeitete er mit großer Intensivität und einer unglaublichen Härte gegen sich selbst. Er wurde einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, aber auch einer der umstrittensten.

Ausstellung im Stadtteilarchiv

Am kommenden Sonntag jährt sich der Geburtstag des Literaten zum 100. Mal und aus diesem Grund treffen sich Fans am Rumpffsweg 27, dort, wo Schmidts Geburtshaus stand. Zudem ist seit Jahresbeginn in den Räumen des Stadtteilarchivs Hamm eine umfangreiche Ausstellung zur Kindheit Schmidts zu sehen.
Geboren wurde Arno Schmidt am 18. Januar 1914 im Rumpffsweg 27 in „Unten-Hamm“. Seine ersten 14 Lebensjahre verbrachte er in dem Arbeiterviertel. In seinem Werk spielen die in der Hansestadt verbrachten Jahre immer wieder eine Rolle. In der Jugendbiographie „Arno Schmidt in Hamburg“ hat der Schmidt-Forscher Joachim Kersten viel aus der Kindheit des Dichters in Hamm zusammengetragen. Seine Eltern waren Friedrich Otto Schmidt (1883-1928) und dessen Frau Clara Gertrud Schmidt, geb. Ehrentraut (1894-1973). Die Eltern stammten aus Niederschlesien. In Hamburg arbeitete der Vater als Polizeioberwachtmeister in der Wache am Meßberg. Die Mutter besuchte mit ihren Kindern Arno und Luzie, der drei Jahre älteren Schwester des Dichters, gerne die Innenstadt von Hamburg und bewunderte die Schiffe im Hafen, während sich der Vater mit Bier und Wein – manchmal auch mit anderen Frauen - in seinem Kleingarten in Horn vergnügte. Der Dichter über seinen Vater, von dem er streng, manchmal auch mit Schlägen erzogen wurde: „Er wollte leben & glänzen! - aber beides nur im Unt‘roffziers-Stil“.
Die Verhältnisse in der Zweizimmerwohnung im Rumpffsweg empfand Arno Schmidt als beengend. Er beklagte er sich darüber, die Familie hätte „jahraus-jahrein, nur in der Küche“ gehaust, weil die „gute Stube“ geschont wurde. „Ein Elfenkind: ach, wär ich doch eins, und nicht Rumpffsweg 27, II. geboren, von konkreten Eltern (heißt »concrete« nicht Zement?)“, klagt er über seinen Geburtsort und die Eltern. Dennoch liebte er Hamburg und den plattdeutschen Dialekt.
Nachdem Otto Schmidt am 8. September 1928 an einem Herzleiden starb, zog die Mutter mit den Kindern zurück in ihr Elternhaus nach Lauban in Niederschlesien. Nach seinem Abitur in Görlitz begann Arno Schmidt eine kaufmännische Lehre bei den Greiff-Werken, einer großen Textilfabrik in Greiffenberg. Dort lernte er die zwei Jahre jüngere Alice Murawski kennen, die er am 21. August 1937 heiratete. Im November 1958, nach entbehrungsreichen Zeiten im Zweiten Weltkrieg und in der Nachkriegszeit siedelte sich das Ehepaar in Bargfeld in der Nähe von Celle an. Hier entstanden die meisten seiner Werke u. a. „KAFF auch Mare Crisium“, „Trommler beim Zaren“ ,Abend mit Goldrand“ sowie „Die Schule der Atheisten“. Nach mehrjährigen Vorarbeiten veröffentlichte Schmidt 1970 sein monumentales Werk „Zettels Traum“, ein sehr schwer zu lesendes Werk. Es umfasst 1334 dreispaltig mit Schreibmaschine und Hand beschriebene DIN-A3-Seiten und ist in acht Bücher unterteilt. 1973 erhielt er den Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main.
Der Dichter, der sehr bescheiden lebte, fand kurz vor seinem Tod in Jan Philipp Reemtsma einen Mäzen, der ihn von materiellen Sorgen befreite. Reemtsma schenkte Arno Schmidt 1977 einen Betrag von rund 175 000 Euro (damals 350 000 DM). Es war der Betrag, den damals ein Literatur-Nobelpreisträger bekam.
Arno Schmidt starb am 3. Juni 1979 an den Folgen eines Gehirnschlags im Krankenhaus Celle. Zu Ehren des Dichters bekam die große Freifläche vor der Zentralbibliothek der Hamburger öffentlichen Bücherhallen den Namen „Arno-Schmidt-Platz“. (je)

Sonnabend, 18. Januar, 11 Uhr, Geburtstagstreffen für Arno Schmidt, Rumpffsweg 2. Die Ausstellung im Stadtteilarchiv Hamm (Carl-Petersen-Straße 76) ist bis 27. März zu sehen, mo-do 10-19 Uhr
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