Ein Pastor für alle Menschen im Stadtteil

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Das Kirchengemeindezentrum in Mümmelmannsberg Foto: Christa Möller
 
Stephan Thieme ist seit Februar als Pastor in Mümmelmannsberg tätig Foto: Möller

Wie Stephan Thieme sein Wirken in Mümmelmannsberg versteht

Von Christa Möller
Mümmelmannsberg
Noch packt Stephan Thieme Kisten aus und räumt Regale ein: Seit dem 1. Februar ist der 53-Jährige als Nachfolger von Pastor Michael Ostendorf in Mümmelmannsberg im Einsatz. Seine Kirchengemeinde in dem Stadtteil mit etwa 20.000 Einwohnern verfügt über ein geräumiges, gut ausgestattetes Gemeindezentrum für die etwa 3.000 Gemeindemitglieder.
Als das evangelische Kirchengemeindezentrum Mümmelmannsberg 1976 eingeweiht wurde, waren die Zahlen noch deutlich höher. „Damals hatte Mümmelmannsberg allein drei Pastorenstellen, deshalb gibt es hier auch drei Pastorate“, erzählt der neue Pastor mit Wohnsitz im Pastorat am Havighorster Redder 46 c. Die Nachbarpastorate sind vermietet, unter anderem an das Beratungszentrum MUT. Stephan Thieme, zuvor zwölf Jahre Pastor in Bad Oldesloe, freut sich auf seine neue Tätigkeit: „Ich habe lange auf eine Stelle gewartet, wo das gebraucht wird, was ich will, was ich kann und woran ich Freude habe.“ Spannend für ihn ist auch die Tatsache, dass in Mümmelmannsberg die Christen in der Minderheit sind. Sein Ziel: „Das Gemeindezentrum als offenen Ort für alle Menschen im Stadtteil weiterzuentwickeln – das hat hier schon Tradition.“ Auch in nicht-christliche Einrichtungen wie der Stadtteilkonferenz will er „sagen, was die evangelischen Christen zu sagen haben.“ Er versteht sich als Pastor für den ganzen Stadtteil – auch für die Nicht-Christen. Da passt es, das am Kircheneingang als Symbol der Verbindung zwischen den Einrichtungen im Stadtteil Tora und Koran ausliegen, als Hinweis auf die Geschwisterreligionen Judentum und Islam.

Weg mit Kurven


Stephan Thiemes Großvater hatte den Eltern schon früh prophezeit, dass der Enkel mal Pastor werden wird und als Jugendlicher plante er, diesen Berufsweg auch einschlagen. Dann jedoch reizte ihn ein anderes Aufgabengebiet, „weil ich mich für Stadtteilfragen interessiere“ und er wollte Stadtplaner werden. „Mein Studium habe ich mir mit Nachtwachen finanziert, da saß ich bei den Leuten am Bett und wir haben geklönt. Das hat mich interessiert.“ Ebenso wie die „Fragen nach Leben, nach Sinn, nach Gemeinschaft, nach dem Zusammenwirken von Gott und Gesellschaft.“ Und so wechselte er doch zur Theologie. Nach dem Vikariat in Lübeck arbeitete er 10 Jahre in Hamburg-Dulsberg, zunächst in der Frohbotschaftskirche, dann in der Dietrich-Bonhöffer-Kirche, bevor er nach Bad Oldesloe wechselte.
Die Kirchengemeinde „Kirche in Steinbek“ umfasst neben Mümmelmannsberg auch Kirchsteinbek mit ebenfalls einem Pastor und Oststeinbek mit eineinhalb Pastorenstellen. „Wir arbeiten auch zusammen und vertreten uns gegebenenfalls gegenseitig“, sagt Thieme. Einen Teil der Predigten in seiner Kirche übernimmt Prädikantin Christiane Beetz als ehrenamtliche Predigerin, außerdem ist sie Vorsitzende des Kirchenbezirksausschusses Mümmelmannsberg. Durchschnittlich kommen etwa 40 Besucher zum Gottesdienst.

Kirchturm fehlt


Die Kirche in Mümmelmannsberg präsentiert sich hell und einladend, ist aber für Ortsunkundige gar nicht so leicht zu finden, fehlt ihr doch der Turm. Deshalb hat sie auch gar keine Glocken, aber ein kleines Glockenspiel im Kirchenschiff. „Hier gehen die Menschen nicht zur Kirche, hier versammeln sie sich als Kirche.“ Das von Friedhelm Grundmann entworfene Gebäude am Havighorster Redder steht unter Denkmalschutz, „es ist als Kulturdenkmal etwas stärker geschützt.“ Im Eingangsbereich präsentiert die kirchliche Fotogruppe die Ergebnisse ihrer Arbeit. „Alle sechs bis acht Wochen werden die Fotos ausgetauscht. Die Konfirmandenzahlen in Mümmelmannsberg sind noch steigerungsfähig: Auf der Kirchenempore treffen sich zur Zeit zwölf Haupt- und zehn Vorkonfirmanden. Mit den Hauptkonfirmanden arbeitet Thieme an einem Projekt zum Thema Glaube von Alt und Jung, weshalb es im Unterricht gerade Besuch vom Seniorenkreis gab. Und mit den Vorkonfirmanden plant er im Frühjahr eine Installation zum Thema „Wer ist Gott“.

Raum für Jung und Alt


Zum Gemeindezentrum gehören auch ein Raum für den Seniorentreff, die Jugendetage im Souterrain für die offene Jugendarbeit und der große Gemeindesaal. Hier bekam Pastor Thieme den Anstoß für ein neues Hobby, als er die Probe des sinfonischen Blasorchesters „Wind & Brass – Orchester außer Rand und Band“ besuchte. Spontan entschied er sich, Oboe zu lernen. Seit kurzem nimmt er Unterricht – ein langgehegter Wunsch des passionierte Schachspielers.
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