Ein Thron zu Lenis 100.

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Freut sich des Lebens: Die einhundertjährige Leni Kolb auf dem eigens angeschafften Thron Foto: Christa Möller
 
Bunt ging es bei der Geburtstagsfeier für die Hundertjährige her Foto: privat

Geburtstagsfeier für Leni Kolb – sogar das Musikkorps marschierte auf

Von Christa Möller
Hamburg. Leni Kolb ist mit sich und ihrem Leben zufrieden. Gerade hat sie einen Geburtstag gefeiert, den nicht viele Menschen erleben: Sie wurde vor kurzem einhundert Jahre alt. Noch immer wohnt die rüstige Seniorin in dem Haus, das die Mutter zweier Kinder nach dem Krieg gemeinsam mit ihrem Mann als Behelfsheim gebaut hat. Im Laufe der Jahre wurde das 1948 errichtete Gebäude längst heutigen Verhältnissen angepasst. Leni Kolb lebt nun mit ihrer 68-jährigen Tochter und dem Schwiegersohn darin. „Wir verstehen uns alle drei gut“, freut sich die gebürtige Schiffbekerin, die ihrem Stadtteil immer die Treue gehalten hat – ebenso wie ihrem HSV, dessen Spiele sie gern im Fernsehen guckt. Sie kauft eigenständig ein, gern auf dem Wochenmarkt, und putzt ihre Wohnung selbst. Gern geht sie zum Seniorentreff ins Waschhaus bei der Hansa, Kaltenbergen 22 b, (immer mittwochs von 15 bis 18 Uhr), den sie seit zweieinhalb Jahren besucht und wo sie die älteste Besucherin ist – die jüngste ist 68. Außer Kaffee und Kuchen gibt es hier Gelegenheit zum Spielen, Geschichten vorlesen, Gedächtnistraining und Singen. „Lenis Lieblingslied ist ‚Kein schöner Land‘“, erzählen die ehrenamtliche Leiterin der Seniorengruppe im Waschhaus, Birgit Wagner, und Sozialarbeiterin Ayla Yalcin von der Kuhle. „Meine Freundin Liselotte Kaiser hat mich zum Seniorentreff mitgenommen. Wir kennen uns schon über dreißig Jahre“, sagt Leni Kolb, die noch ganz flott zu Fuß unterwegs ist und - im Gegensatz zu der 90-Jährigen - weder Gehwagen noch Stock braucht. Keine Frage, dass sie auch dabei ist, wenn die Seniorengruppe einen Ausflug macht, so wie gerade im Juli bei der Busfahrt nach Hude.

Spiele sind ihre große Leidenschaft

Nur die Augen wollen nicht mehr so, aber das ist kein Problem für sie. Bei den Bingo-Nachmittagen mit den Kindern auf dem Bauspielplatz Kuhle beispielsweise gibt es immer hilfsbereite Mitspieler. Auch „Mensch ärgere dich nicht“ oder „Skippo“ spielt die Rentnerin gern. In der Kuhle ist sie auch oft beim Mittagstisch anzutreffen, geht zum Essen aber auch gern ins Ortsamt. Und den Seniorennachmittag in der Kirchsteinbeker Kirche besucht sie ebenfalls. Zur Familie gehören neben der Tochter und dem 74-jährigen Sohn noch Enkel- und Urenkelkinder. „Das jüngste Urenkelkind wird im November vier Jahre alt, das älteste hat gerade geheiratet“, erzählt Leni Kolb, deren Ehemann schon 1982 gestorben ist. Von 1952 bis 1960 war sie sogar mal selbstständig, „dort, wo heute der Billstedter Wochenmarkt ist.“ Ihr Geschäftsbereich: Laufmaschen und Wäscherei. „Mein Vater war selbstständiger Herrenfriseur, und eigentlich wollte ich Friseurin werden, aber ich habe damals keine Lehrstelle gekriegt.“

Geburtstagsfeier zum Hundertsten

Zum Hundertsten haben Birgit Wagner und Ayla Yalcin für ihre älteste Besucherin gemeinsam eine Feier organisiert, 50 Besucher sind gekommen und etwa zwölf Kinder. Sogar einen Umzug mit dem Jugend-Musikkorps Ahoy gab es. Leni Kolb marschierte eifrig voran. Birgit Wagner hat zum runden Jubiläum sogar ein Lied für Leni Kolb gedichtet, Kinder haben Bilder gemalt, der Waschhaus-Chor hat gesungen und es wurde eigens für den Anlass ein „Thron“ angeschafft, der zukünftig auch für die jungen Geburtstagskinder genutzt werden soll.
Überhaupt arbeiten die Kuhle und die Seniorengruppe gern zusammen, beispielsweise beim Oster- oder Weihnachtsbasteln, beim Laternenumzug und beim Stadtteilessen jeweils am Monatsende und „wenn es im Seniorentreff besondere Anlässe gibt“, sagt Ayla Yalcin.
Weitere Infos zur Seniorengruppe im Waschhaus gibt es bei Birgit Wagner unter
Tel.: 040/ 712 28 66
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