Ein Zuhause auf Zeit

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Auf der Grünfläche vor der Kirche haben die beiden Container Platz gefunden Foto: Timm

Horner Timotheus-Gemeinde beherbergt zwei junge wohnungslose Männer

Von Frank Berno Timm
Horn
Die Container, die neuerdings vor der Timotheus-Kirche stehen, sind für zwei junge obdachlose Männer Herberge auf Zeit. Die evangelische Gemeinde nimmt an Hamburgs Winternotprogramm für Obdachlose teil. „Es waren relativ schnell alle dafür“: Sozialpädagogin Janina Brunkow von der Timo-theus-Jugendetage und Stefan Harms, Vorsitzender des Gemeinderats der Kirche, sprechen mit dem Hamburger Wochenblatt über die Teilnahme der Horner am Wintenotprogramm der Stadt Hamburg. Der Kirchenkreis Hamburg-Ost habe sich an die rund 120 Gemeinden gewandt, wer helfen könne. Für Harms ist „klar, das passt“. Die Gemeinde sei seit 40 Jahren sozialdiakonisch geprägt durch eine ganze Reihe von Projekten und Initiativen, etwa einer Lebensmittelverteilstelle und dem Frühstückscafé.
Am 1. November sind nun zwei junge Männer in Horn eingezogen. Janina Brunkow weiß, die Obdachlosen hätten zwei Tage vor der Tagesaufenthaltsstelle kampiert, um an einen der rund 140 Plätze zu kommen. Nun werden die beiden Hinz & Kunzt-Verkäufer bis zum Ende der kalten Jahreszeit bleiben. Die Reaktionen sind laut Janina Brunkow bislang „sehr, sehr positiv“. Harms ergänzt, die Timotheus-Gemeinde verstehe sich als „Hebamme von Initiativen“ – die Leute, so Harms, hätten eher Fragen gestellt, wenn die Gemeinde jetzt keine Obdachlosen aufgenommen hätte. Harms betont, die Frage sei immer, „was kann Kirche in Horn bewegen?“
Was ist die Perspektive? Erstmal, sagt Janina Brunkow, gehe es darum, Erfrierungsschutz zu bieten, wenn der Winter komme. „Wir kennen uns erst eine Woche“, viel Konkreteres kann also kaum gesagt werden. Die Männer haben wöchentlich die Möglichkeit, zu einem Gespräch „mit jedem Belang, der ansteht“, zu kommen. Drei Mitarbeiter des Jugendbereichs stehen zur Verfügung, außerdem Studenten vom Rauhen Haus. „Letztlich sind es Gäste“, sagt Brunkow und spricht von einem „Zuhause auf Zeit“. Stefan Harms fügt hinzu, ihnen stünden alle Türen in der Gemeinde offen: „Selbst der Seniorenkreis wäre hoch erfreut.“
In den beiden Containern – der eine ist für Wohn-, der andere für Sanitärzwecke – haben die Männer alles zur Verfügung, was sie brauchen. Eingerichtet waren sie schnell, berichten Brunkow und Harms.
Die Initiative erinnert an die Hamburger Kirchenkaten, die „weit darüber hinausgehen“, wie Janina Brunkow erläutert: Dort ist Konzept, das Obdachlose unabhängig von der Jahreszeit ein halbes Jahr eine kleine Wohnung – in einer Kirchenkate – bekommen und in dieser Zeit intensiv betreut werden.
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