Eine Pastorin und der Wandel der Trauerkultur

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Pastorin Sabine Erler beschäftigt sich mit Trauerkultur Foto: cm
 
An der Philippus-Kirche in Horn hält Sabine Erler am 1. September um 16 Uhr ihren Einführungsgottesdienst Foto: cm

Sabine Erler tritt eine begrenzte Projektpfarrstelle in Wandsbek-Billetal an

Von Christa Möller
Öjendorf/Horn
Als Pastorin prägte sie 20 Jahre lang das Leben ihrer Kirchengemeinde in Barsbüttel – doch dann reizte sie eine neue Aufgabe: Am 1. Juni hat Sabine Erler, 59, eine auf fünf Jahre begrenzte Projektpfarrstelle in der Propstei Wandsbek-Billetal angetreten.
Das Thema „Trauerkultur im Wandel – Neue Wege kirchlichen Redens und Handelns auf dem Friedhof“ hat sie sich selbst ausgesucht. Ermöglicht wurde das Angebot einer an ihre Person gebundenen Stelle durch den PaZ-Finanzierungstopf (PaZ = Pastoren auf Zeit). Sabine Erler gehört zur „Theologenschwemme“. Nach dem Studium bekamen viele keine Pastorenstelle, und wer in den kirchlichen Dienst übernommen wurde, bekam ein gekürztes Gehalt. Den Betroffenen soll nun zugute kommen, was damals abgezwackt wurde. Voraussetzung: Sie haben eine Gemeindepfarrstelle und ein Pfarrhaus freigemacht und gehen danach in Ruhestand. Aus Kiel gibt es einen Gehaltszuschuss von 50 Prozent, den Rest zahlt der Kirchenkreis Hamburg-Ost. „Es ist eine Art Altersteilzeit, eine volle Stelle, aber reduziert auf ein Thema“, erläutert sie die neue Pfarrstelle. Nun freut sie sich auf ihre übergemeindliche Tätigkeit, auf die Chance, in ein Thema vertieft theologisch einzusteigen, was im Gemeindealltag gar nicht möglich sei. Dafür kann sie Büro und Räume der Philippus und Rimbert-Kirchengemeinde in Horn nutzen. Am Dienstag, 1. September, um 16 Uhr wird sie ihren Einführungsgottesdienst feiern. Ansonsten liegt ihr Einsatzgebiet rund um den Friedhof Öjendorf im Bereich der Propstei Wandsbek-Billetal mit Wandsbek, Jenfeld, Horn, Reinbek, Oststeinbek, Lohbrügge, Neuschönningstedt, Ohe und Mümmelmannsberg. Jetzt gilt es für sie erstmal, Kontakte zu knüpfen, etwa mit Birgit Berg, der Pastorin der Kirchenkreispfarrstelle für Trauerkultur und Sterbebegleitung, dem Kirchenkreisbeauftragten für das Friedhofswesen, der katholischen Kirche und auch mit Bestattungsunternehmern. Geplant sind ferner Gespräche mit Kollegen rund um den Öjendorfer Friedhof, deren Gemeinden selbst Friedhofsträger sind.
„Es gibt zwei Arten von Trauer: Die persönliche Trauer und die öffentlich nach außen getragene, ritualisierte Trauer. Was den Bereich der öffentlichen Trauer angeht, ist viel im Wandel – bei einem gleichzeitigen Rückgang von individueller Bestattung, dem Rückgang von Erdbestattung, hin zur Urne.“ Den Wandel in der Trauerkultur möchte sie bewusst machen. „Die öffentliche Trauerkultur wächst von unten“, sagt sie und nennt als Beispiel das Michael Jackson-Monument in München, wohin Menschen pilgern, Blumen ablegen und Kerzen aufstellen. „Wenn irgendwo etwas Schreckliches passiert, gibt es ein Bedürfnis nach Ritualen, nach Reden über Trauer.“
Bei der Umsetzung ihres Projekts sei sie auf Mitstreiter angewiesen. Was genau sie umsetzen wird, ist noch offen: „Fragen Sie mich nächstes Jahr um diese Zeit“, sagt sie. Sie überlegt, ein monatliches Totengedenken anzubieten, oder auch Spaziergänge zu religiösen Themen über den Öjendorfer Friedhof. Auch denkbar: ein Spaziergang zur Tauferinnerung und ein Picknick mit Jugendlichen.
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