Elternabend auf Deutsch und Türkisch in Hamburg

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Elternabend in der Stadtteilschule Öjendorf: Unter den Müttern waren auch Muslima mit Kopftuch. Erstmalig wurden Fragen in verschiedenen Sprachen simultan übersetzt Foto: wb/Valentin
 
Für Verständigung: Edith Kleinekathöfer (re.), Anne-Gaelle Rocher Foto: cm

Interkulturelle Elternarbeit an der Stadtteilschule Öjendorf

Von Christa Möller
Hamburg. Schulpflichtige Jugendliche kommen aus Ländern wie Afghanistan, der Türkei oder Russland mit ihren Familien nach Deutschland und integrieren sich hier mehr oder weniger schnell. Während die Kinder relativ schnell deutsch lernen, fällt das den Eltern oft schwer, manche verlassen sich im Notfall auf ihre Kinder. Doch gerade für den Bereich Schule ist es oft nicht einfach, wenn die Kinder für die Eltern dolmetschen müssen, nicht immer sollen die Schüler am Elterngespräch mit den Lehrern beteiligt sein.
Der Elternabend für die 10. Klassen der Stadtteilschule Öjendorf verlief deshalb in mehrfacher Hinsicht anders. Abgesehen davon, dass der Abend unter dem Thema Berufsorientierung und Bewerbung stand, bekamen manche Eltern erstmals einen tieferen Einblick in den Ablauf. Denn Eltern beziehungsweise Mitarbeiter der Vereine „verikom“ in Billstedt sowie „Basis & Woge“ übersetzten an so genannten Sprachentischen simultan, worum es ging. So wurden die Migranten auf diesem ersten herkunftssprachlichen Elternabend in Öjendorf in Farsi, Türkisch und Albanisch beispielsweise über das Erfolgskonzept Duale Ausbildung sowie die Rolle der Eltern bei der Berufswahl informiert. Mit dabei waren nicht nur Berufsschullehrer, sondern auch Vertreter der Jugendberufsagentur und der Türkischen Gemeinde Hamburg. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen“, sagt Gerd Valentin, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit an der Stadtteilschule Öjendorf.

Grundlagen schaffen

Ermöglicht wurde dies durch das aus dem Europäischen Sozialfonds ESF und von der Stadt Hamburg finanzierten Projekt ElternPerspektiven – Interkulturelle Elternkooperation in Schule und Stadtteil. Das Projekt, das im Dezember 2013 ausläuft, soll Grundlagen schaffen, auf deren Basis die Schulen später eigenständig weiterarbeiten können. Vorbereitet wurde der interkulturelle Elternabend von Edith Kleinekathöfer vom Verein Basis & Woge sowie Anne-Gaelle Rocher von verikom im Rahmen mehrerer Sitzungen einer Arbeitsgemeinschaft mit Lehrkräften und dem Berufskoordinator der Stadtteilschule Öjendorf. Sie sagen: „Zur Hälfte war es ein ganz normaler Elternabend, dann folgte ein Jahrgangselternabend unter anderem mit einer kleinen Talkshow, in der auch zwei Auszubildende interviewt wurden.“ Zu Beginn waren auch einige Schüler dabei, von denen manche später als Lotsen fungierten, um den Eltern den Weg durch die Schule zu weisen.

Folgeprojekt

Bereits 2008 gab es erste ESF-geförderte Elternprojekte durch verikom in Kooperation mit Schulen in Wilhelmsburg, auf der Veddel und in Kirchdorf-Süd sowie mit Basis & Woge in Billstedt, Öjendorf und Mümmelmannsberg, aber „2010 lief die Förderung aus“, sagt Edith Kleinekathöfer. „Das Folgeprojekt führen wir gemeinsam durch“, erläutert Anne-Gaelle Rocher. „Die Schulen überlegen sich Prinzipien für die Zusammenarbeit mit den Eltern und entwickeln Konzepte, die zu ihnen passen.“ Die interkulturelle Elternarbeit hat das Ziel, für die Berufsorientierung der Kinder Hilfestellung zu geben. Sie richtet sich schwerpunktmäßig an Eltern mit Migrationshintergrund, kommt aber auch deutschen Eltern zugute, wie die beiden Sozialpädagoginnen betonen.

Mitverantwortung

Anne-Gaelle Rocher erklärt: „Das deutsche Schulgesetz setzt eine starke Mitverantwortung der Eltern voraus. Eltern mit Migrationshintergrund ist jedoch oft nicht bewusst, dass man sich soviel in die Schule einbringen muss, denn das ist in anderen Ländern nicht so.“ Und auch die Schulen bräuchten eine Stärkung. So entstand die Idee zu einem Elternabend in mehreren Sprachen, die auch bereits in der Stadtteilschule Mümmelmannsberg umgesetzt wurde. Hier gab es allerdings andere Schwerpunkte und es wurde an diesem Abend auf Polnisch, Russisch, Türkisch, Farsi und Englisch übersetzt. (An der Stadtteilschule Mümmelmannsberg sollen Multiplikatoren aus der Elternschaft ausgebildet werden.)
„Die Teilnahme an diesen Elternabenden war an beiden Schulen gut“, freut sich Edith Kleinekathöfer über die Akzeptanz des Angebots, das mit Hilfe eines Stimmungsbarometers sehr positiv bewertet wurde. „Wir haben von der Planung bis zur Durchführung jeden einzelnen Schritt vorgezeichnet und auch die Ziele, die erreicht werden sollen. Die Stadtteilschule Öjendorf wünscht sich, dass das Projekt nach den Herbstferien allen Kollegen vorgestellt wird.“ Ein weiteres ESF-Projekt, in dem die Elternarbeit für Gesamt-Hamburg weiterlaufen wird, ist seitens der Stadt in Planung. „Die Stadt hat dafür bestimmte Stadtteile ausgesucht.“
Demnächst wird es im Rahmen des Projekts noch eine weitere Aktion geben: Eltern sollen den Schülern an der Stadtteilschule Öjendorf ihre Berufe vorstellen. „Dafür suchen wir noch Eltern, nicht nur mit Migrationshintergrund. Der Zeitaufwand ist nicht so groß, sie müssen nur für zwei Stunden in die Schule kommen. Wir glauben, dass es für die Schüler schön ist, wenn die eigenen Eltern aus ihrem Berufsalltag berichten und erzählen, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind“, sagt Edith Kleinekathöfer.
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